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Eucharistie : "Klärung und Ermutigung"

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Die neue Enzyklika Papst Johannes Pauls II. über die Eucharistie ist in der katholischen Kirche mit Zustimmung und auch Enttäuschung aufgenommen worden.

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          Die neue Enzyklika Papst Johannes Pauls II. über die Eucharistie ist in der katholischen Kirche mit Zustimmung und auch Enttäuschung aufgenommen worden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, würdigte das am Gründonnerstag veröffentliche Lehrschreiben als "Wort theologischer Klärung, spiritueller Ermutigung und ökumenischer Wegweisung". Der Papst wolle die Ehrfurcht, das Staunen und den Dank für das Geschenk der Gegenwart Gottes in der Feier des Herrenmahles erneuern. Über die unterschiedlichen Auffassungen zwischen den Kirchen sage er nichts Neues, hob Lehmann hervor. Wenn auch die Einheit am Tisch des Herrn noch nicht gegeben sei, könnten die Christen doch schon jetzt vieles gemeinsam tun. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Meyer, sprach gleichfalls von Ermutigung durch die Worte des Papstes über katholische Spiritualität und die Notwendigkeit weiterer ökumenischer Bemühungen. Allerdings hätten viele gehofft, daß der Papst über die von ihm eindringlich wiederholten großen Ziele der Ökumene hinaus Wege eröffnen würde, "auf denen die nächsten Schritte auf diese Ziele hin gegangen werden können".

          Auch in anderen Kirchen rief die Enzyklika unterschiedliche Reaktionen hervor: Beifall bei den Orthodoxen, nüchternes Urteil besonders in den evangelischen Kirchen in Deutschland. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Kock, sagte, die Absage des Papstes an eine gemeinsame Abendmahlsfeier sei kein Rückschlag für die Ökumene. "Wir leben seit Jahrhunderten im Dissens, und wenn man vergleicht, was noch vor fünfzig Jahren nicht möglich war, dann hat sich doch Erhebliches geändert." Mit Blick auf den ersten Ökumenischen Kirchentag, der im Mai in Berlin stattfindet, sagte Kock, man solle das Treffen nicht allein an der Abendmahlsfrage messen: "Wir haben so viel anderes, was wir gemeinsam tun können, und deshalb wird der Kirchentag schon gelingen." Auf 85 Seiten versucht der Papst in der Enzyklika, die titelgebenden Anfangsworte "Ecclesia de Eucharistia - Die Kirche lebt von der Eucharistie" zu deuten und dem Urteil vorzubeugen, die katholischen Kirchenführer verweigerten aus Arroganz oder Starrköpfigkeit die "eucharistische Gastfreundschaft", wie sie für den Ökumenischen Kirchentag in Berlin von Katholiken und Protestanten gefordert worden war. Johannes Paul II. beschreibt die Eucharistie als zentrales Glaubensgeheimnis der Kirche, in dem das Opfer Jesu Christi in der Wandlung von Brot und Wein durch einen geweihten Priester als Mahl der Gläubigen nachvollzogen wird. Der Papst lobt die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils, beklagt jedoch "Mißbräuche" in den ökumenischen Initiativen, "als ob dieses Geheimnis nicht den Sinn und den Wert eines Treffens zum brüderlichen Mahl übersteigen würde". In den langen Darlegungen schwingt der Vorwurf an die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen mit, seit dem katholischen Konzil ihren Glauben über die Kirche und das apostolische Weiheamt, wie er in der Bibel begründet ist, wenig entwickelt und gefördert zu haben. So bleibe die "volle Glaubensgemeinschaft" der Zukunft vorbehalten, heißt es. "Deshalb müssen die katholischen Gläubigen, wenn sie auch die religiösen Überzeugungen ihrer getrennten Brüder respektieren, sich von der Teilnahme an einer Kommunion fernhalten, um nicht einer Zweideutigkeit über die Natur der Eucharistie Vorschub zu leisten. Dies würde zu einer Verzögerung des Weges zur vollen sichtbaren Einheit (der Christen) führen. Ebensowenig kann man daran denken, die sonntägliche heilige Messe durch ökumenische Wortgottesdienste oder Gebetstreffen - die in sich selbst lobenswert sind - zu ersetzen." Weil, schreibt der Papst, "die Eucharistie die höchste sakramentale (sichtbar-unsichtbare) Darstellung der Gemeinschaft in der Kirche ist, verlangt sie, im Kontext der Unversehrtheit auch der äußeren Bande der Gemeinschaft gefeiert zu werden. Es ist (daher) nicht möglich, einer Person, die nicht getauft ist oder die die unverkürzte Glaubenswahrheit über das eucharistische Geheimnis zurückweist, die Kommunion zu reichen". Dennoch wiederholt der Papst "den sehnlichen Wunsch, gemeinsam (mit den getrennten Christen) die Eucharistie des Herrn zu feiern". Er bezeugt mehrfach seinen Respekt "gegenüber den Brüdern einer anderen christlichen Konfession", fügt jedoch hinzu: "denen wir das Zeugnis der Wahrheit schulden". Weil, so Johannes Paul II. an die Priester und Laien seiner Kirche, die Liturgie im Gottesdienst "niemals Privatbesitz irgend jemandes ist", äußert er einen "deutlichen Appell", die Normen zu beachten; "Verweise rechtlicher Natur" im Falle von Übertretungen seien in Vorbereitung.

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