https://www.faz.net/-gpf-8fh3e

EU-Türkei-Abkommen : Humanitärer Korridor

Jetzt sollten diejenigen Flüchtlinge aus Syrien über die Türkei nach Europa gelangen, die am ehesten des Schutzes bedürfen. Mehr als ein Anfang ist dieser humanitäre Korridor nicht.

          1 Min.

          Gegen die Macht von Bildern anzukommen ist schwer; gegen die Macht der Bilder, die in den kommenden Tagen aus der Ägäis kommen werden, noch schwerer. Doch im Unterschied zu vielen Bildern haben diese nicht nur eine Seite, sondern deren viele. Wegschauen ist deswegen keine Option.

          Wer gefühllos zuschaut, wie Menschen unter Zwang in die Türkei zurückgebracht werden, die nach einer gefährlichen und womöglich qualvollen Odyssee sich, auf einer griechischen Insel angekommen, schon fast am Ziel ihrer Reise wähnten, der hat kein Herz. Wer nicht daran zweifelt, dass der türkische Präsident Erdogan es mit Rechtsstaatlichkeit und Völkerrecht genau nimmt, der lebt nicht in dieser Welt. Und wer nicht darüber ins Grübeln gerät, welcher Versäumnisse sich die Staaten Europas in der Vergangenheit befleißigt haben, dass Zäune gebaut wurden, Grenzkontrollen wiedereingeführt und Fähren nicht mehr Kurs nach Griechenland nehmen, der sollte sich nicht wundern, wenn hehre Worte wie die von den europäischen Werten nur noch wie hohle Phrasen klingen.

          Doch wenn es eine Chance gibt, zumindest die Bedingung der Möglichkeit zu schaffen, Migrationsströme so zu kontrollieren, dass Asyl- und andere Schutzberechtigte zu ihrem Recht kommen, andere Migranten aber nicht Rechte in Anspruch nehmen können, die ihnen nicht zustehen, dann besteht sie darin, diese Unterscheidung an den Außengrenzen der Europäischen Union zu treffen. Die vermeintlich alternativlose Politik der offenen Grenzen war nicht nur ein Konjunkturprogramm für Menschen, die aus der Not anderer Kapital schlagen. Sie prämiierte auch die Jungen, die Starken und die Wohlhabenden. Jetzt sollten diejenigen Flüchtlinge aus Syrien nach Europa gelangen, die am ehesten des Schutzes bedürfen.

          Mehr als ein Anfang ist dieser humanitäre Korridor nicht. Er steht nur Syrern offen. Was wird aus den Irakern und Afghanen in Griechenland und der Türkei? Was mit den Flüchtlingen in den Lagern im Libanon und der Türkei? Was mit den Zehn-, wenn nicht Hunderttausenden, die in Nordafrika ausharren? Den Millionen in den Ländern südlich der Sahara, die sich ihre Zukunft überall vorstellen können außer in ihrer Heimat? Das Asylrecht mag wieder zur Geltung kommen. Eine kluge Migrationspolitik ersetzt dies nicht. Auch deswegen ist Wegschauen keine Option.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Weitere Themen

          Homosexuelle können jetzt leichter Blut spenden

          Neue Richtlinie : Homosexuelle können jetzt leichter Blut spenden

          Menschen, deren Sexualverhalten Wissenschaftler als besonders riskant bewerten, mussten bislang mindestens ein Jahr enthaltsam leben, ehe sie Blut spenden konnten. Diese Frist wird jetzt auf vier Monate verkürzt.

          Topmeldungen

          Dach der Energie: Doch Vermieter mit Photovoltaikanlage müssen manches beachten – oder es lassen.

          Energiewende : Vermieter mit Solardach haben es schwer

          Die Photovoltaikanlage kommt leicht auf das Dach. Aber wie kann der Hausbesitzer Strom an seinen Mieter verkaufen? Das bleibt eine Hürde für den Klimaschutz.

          Olaf Scholz : Ein Ungeliebter auf Erfolgskurs

          Jahrelang wollten die Parteilinken Olaf Scholz loswerden, die Kampagne lief planmäßig schlecht. Jetzt könnte er der SPD den Weg ins Kanzleramt ebnen. Und dann?
          Blutspende in Leipzig.

          Neue Richtlinie : Homosexuelle können jetzt leichter Blut spenden

          Menschen, deren Sexualverhalten Wissenschaftler als besonders riskant bewerten, mussten bislang mindestens ein Jahr enthaltsam leben, ehe sie Blut spenden konnten. Diese Frist wird jetzt auf vier Monate verkürzt.
          Cathie Wood

          Star in der Finanzwelt : Grande Dame mit Kultstatus

          Cathie Wood ist zu einem Star der Investmentszene geworden und gilt als Anti-Warren-Buffet. Den Bitcoin sieht sie bei 500.000 Dollar, Tesla bei 6000. Doch auch sie hat sich schon geirrt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.