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Ethikrat und PID : Der Rat der Ethiker

  • -Aktualisiert am

Nach der Stellungnahme des Ethikrates zur Präimplantationsdiagnostik ist klar: Es ist ethisch weder zwingend, Paaren mit Kinderwunsch auf jeden Fall die PID zur Verfügung zu stellen, noch sie ihnen zu verweigern. Soweit trägt das Votum - weiter aber nicht.

          Der Deutsche Ethikrat ist nicht der Gesetzgeber, sondern lediglich dessen Berater. Dass der Ethikrat zu einem gespaltenen Votum gelangte, macht seine Empfehlung zu der Frage, ob die Präimplantationsdiagnostik gesetzlich zugelassen oder verboten werden soll, nicht wertlos. Jetzt müsste der ganzen Öffentlichkeit bewusst werden, dass weder die Befürworter der PID noch ihre Gegner die ganze Wahrheit auf ihrer Seite haben.

          Es ist also ethisch nicht zwingend, den Paaren mit Kinderwunsch auf jeden Fall die PID zur Verfügung zu stellen, und es ist ethisch auch nicht verwerflich, diesen Paaren die PID zu verweigern. Soweit trägt das Votum des Ethikrates – weiter nicht. Dass es dabei nicht allein um wissenschaftliche Einsichten, sondern ebenso um persönliche Überzeugungen geht, wird aus dem Vergleich mit dem Votum des Vorgängergremiums deutlich: Ungeachtet des wissenschaftlichen Fortschritts hat der Wechsel von Personen zum Wechsel der Mehrheitsverhältnisse hin zu einer stärkeren Ablehnung der PID geführt.

          Mit der mehr als hundert Seiten langen Erörterung der Argumente pro und contra wird der Ethikrat die parlamentarische Entscheidungsfindung in den nächsten Wochen dennoch beeinflussen. Denn daraus wird nicht nur die Reichweite der bevorstehenden Gesetzgebung deutlich, sondern auch die mögliche Rückwirkung auf die Abtreibungsregelung mit ihrem Schwerpunkt auf dem medizinischen Mutter-Kind-Konflikt. Damit ist die Stellung des ungeborenen Lebens im Rechtssystem insgesamt berührt.

          Selektion ist grundgesetzwidrig

          Bei der PID geht es im Zweifel um eine kleine Zahl von Zellen – die allerdings alle Anlagen in sich bergen, aus denen ein ganzer Mensch werden kann. Werden diese Zellen mit wissenschaftlichen Namen wie Zygote oder Embryo belegt, dann verliert sich sprachlich, emotional und gedanklich der biologisch unauflösbare Zusammenhang zwischen der Urform und der Person, die schließlich durchs Leben schreitet. Das Grundgesetz gibt jedem Menschen Würde, genauer: stellt die Würde eines jeden Menschen fest. Da die Zulassung der PID nur dann sinnvoll ist, wenn sie auch angewendet wird und zum ihr eigenen Erfolg führt, also die vollkommen lebensfähigen Wesen von bedingt lebensfähigen Wesen scheidet, führt die Präimplantationsdiagnostik unausweichlich zur Selektion. Die aber ist grundgesetzwidrig.

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