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Erstmals seit 2000 : Papst Franziskus ruft Heiliges Jahr aus

  • -Aktualisiert am

Papst Franziskus am Freitag beim Bußgottesdienst im Petersdom Bild: dpa

Papst Franziskus will ein außerordentliches Heiliges Jahr der Vergebung und der Barmherzigkeit ausrufen. Zudem äußerte sich der 78 Jahre alte Argentinier zu seiner eigenen Zukunft.

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          Papst Franziskus will am Sonntag nach Ostern ein außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit proklamieren. Das kündigte er am späten Freitag bei einem Bußgottesdienst im Petersdom an. Gottes Gericht seien seine Barmherzigkeit und seine Liebe, und die sei weit mehr als nur Gerechtigkeit. Diese Liebe grenze niemanden aus. Vor allem seine Kirche sei darum auch das Haus, „das alle aufnimmt und niemanden zurückweist“. Ihre Tore seien weit geöffnet, um gewisslich Vergebung spenden zu können; denn so groß die Sünde auch sein möge, Gottes Liebe sei stets noch größer. Das Heilige Jahr soll vom 50. Jahrestag des Abschlusses des 2. Vatikanischen Konzils am 8. Dezember bis zum 20. November 2016 weltweit gefeiert werden. Das letzte „Heilige Jahr“ hatte Johannes Paul II. zum Millennium 2000 ausgerufen.

          Für Franziskus ist Barmherzigkeit ein Schlüsselbegriff. Schon als Bischof wählte er als Amtsmotto die Forderung, „mit den Augen der Barmherzigkeit“ zu sehen. Im Konklave wurde bekannt, dass ihn das Buch des früheren Kurienkardinals Walter Kasper über die „Barmherzigkeit als Grundbegriff des Evangeliums“ beeindruckt hatte; und zu Anfang dieses Jahres sagte der Papst:“ Jetzt ist die Zeit der Barmherzigkeit gekommen. Es ist wichtig dass die Gläubigen sie leben und in alle Gesellschaftsbereiche hineintragen.“ Gemeinhin wird ein Gegensatz zwischen strenger Lehre und barmherziger Pastoral gesehen. Der Papst versucht, beides miteinander zu versöhnen.

          Das Jubeljahr liegt in den Händen des Rates zur Neuevangelisierung unter Erzbischof Rino Fisichella; der bisher noch nicht im Amt bestätigt wurde, weil die Zukunft seines Rates ungeklärt ist. Jüngst erregte die Anbindung des früheren Bischofs von Limburg Franz-Peter Tebartz-van Elst als Delegat beim Rat Aufsehen. Schon im alten Israel wurde alle 50 Jahre ein Vergebungsjahr gefeiert. Das griff Papst Bonifaz VIII. 1300 auf. Das zunächst nur alle 100 Jahre gefeierte Fest, fand seit 1475 viermal im Jahrhundert statt; später wurde zudem das außerordentliche Heilige Jahr eingerichtet, das wie das kommende durch die Themen Konzil und Thema Barmherzigkeit einen besonderen Anlass haben muss.

          Für Papst Franziskus ist das Heilige Jahr eine neue Herausforderung in einem eng bepackten Lebenslauf. Der Papst, der am Morgen um 4:45 Uhr aufsteht und erst nach zehn Uhr mit seiner Arbeit aufhört, hat seit seiner Wahl im März 2013 kaum Ferien gemacht. Aus dem päpstlichen Haushalt heißt es, dass er alle Kraft aus dem Gebet schöpfe und die vergangene Woche der Einkehr in den Albaner Bergen wie Ferien empfunden habe. Zum Heiligen Jahr wird der Papst nicht nur in je eigenen Zeremonien die Heiligen Pforten im Petersdom und in anderen Basiliken wie Santa Maria Maggiore und St. Paul vor den Mauern öffnen; er wird nicht nur mehr Pilger als sonst schon empfangen; das gesamte Jahr über wird der Papst mit besonderen Feiern das Jahr der Barmherzigkeit begleiten. Dass Franziskus selbst merkt, wie sehr er sich herausfordert, machte er jetzt in einem TV-Gespräch mit einem mexikanischen Sender deutlich: „Ich habe das Gefühl, dass mein Pontifikat kurz sein wird. Vier oder fünf Jahre“, sagte er. Er fühle, „dass der Herr mich für eine kurze Sache eingesetzt hat.“

          Der 78 Jahre alte Argentinier hat auch schon den Rücktritt nach dem Vorbild seines Vorgängers Papst Benedikt XVI. nicht ausgeschlossen. „Ich glaube, Benedikt hat mit viel Mut eine Tür für emeritierte Päpste geöffnet“, sagte Franziskus; er glaube aber nicht, dass es eine gute Idee wäre, das Alter von Päpsten zu beschränken, sagte er weiter. Als Vorbild dafür könnte die Regel gelten, dass Kardinäle, die älter als 80 Jahre alt sind, nicht mehr beim Konklave einen Papst wählen dürfen. Als erster Papst in der Neuzeit war Benedikt XVI. zum 28. Februar 2013 aus freien Stücken und mit Hinweis auf seine Altersschwäche von seinem Amt zurückgetreten.

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