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Pietro Parolin Bild: Picture Alliance

Papst und Ukraine : Die „Nummer zwei“ des Vatikans bekräftigt das Recht der Ukrainer zur Selbstverteidigung

Lange hatte Franziskus darauf bestanden, zuerst nach Moskau und dann nach Kiew zu reisen. Nun scheint ein Besuch in der Ukraine an die erste Stelle zu rücken.

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          „Die Völker haben das Recht, sich zu verteidigen, wenn sie angegriffen werden.“ Das sagt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, die „Nummer zwei“ im Vatikan, in einem Gespräch mit „Limes“, der italienischen Monatsschrift für Geopolitik. Das August-Heft trägt den Titel „Der große Krieg“. Im Austausch mit dem Chefdiplomaten des Heiligen Stuhls und einem der wichtigsten Vertrauten des Papstes geht es nicht nur um den „heißen“ Krieg in der Ukraine, sondern auch um die großen geostrategischen Konflikte unserer Tage.

          Die Aussagen Parolins zum Ukrainekrieg, vor allem die unzweideutige Bekräftigung des Rechts der Ukrainer, sich mit Waffengewalt gegen den russischen Überfall zu verteidigen, sind freilich von besonderem Interesse. Der treue Diener Parolin will sie zwar als Klarstellung der Position von Franziskus verstanden wissen, sie kommen aber einer faktischen Korrektur gleich. Diese Wende manifestiert sich in den modifizierten Reiseplänen des Papstes. Bis Anfang Juli hatte Franziskus darauf bestanden, eine mögliche Friedensmission für die Ukraine mit einem Besuch bei den Russen zu beginnen, erst danach könne er nach Kiew reisen. Wenn nicht alles täuscht, gibt der Papst dem wachsenden Druck der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche sowie von Politik und Gesellschaft in der Ukraine nach und reist nun in der ersten Septemberhälfte zunächst nach Kiew. Erst danach, bei einem Treffen von Religionsführern in der kasachischen Hauptstadt Nur-Sultan, dürfte er am 14. September mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill zusammenkommen.

          Parolin verteidigt in „Limes“ den Papst gegen den nicht nur in der Ukraine erhobenen Vorwurf, Franziskus habe eine moskaufreundliche Haltung eingenommen, indem er etwa mehrfach „das Bellen der NATO an den Toren Russlands“ als mitursächlich für den Krieg bezeichnet hatte. „Ist der Papst prorussisch, weil er zum Frieden aufruft?“, fragt Parolin. „Ist der Papst prorussisch, weil er das Wettrüsten verurteilt?“ Wegweiser der Diplomatie des Heiligen Stuhls sei das Evangelium, sagt Parolin. Damit folge die Kirche „dem Beispiel ihres Herrn: Sie glaubt an den Frieden, kämpft für den Frieden, legt Zeugnis ab für den Frieden. In diesem Sinne ist sie pazifistisch.“



          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Was den Einsatz von Waffen angehe, so sehe der Katechismus der katholischen Kirche aber eben auch „eine legitime Verteidigung“ im Falle eines Angriffs vor. Mit Blick auf das vorläufige Abkommen mit Peking vom September 2018 über die Ernennung von Bischöfen in China sagt Parolin, es seien bei den Gesprächen über dessen Verlängerung zwar Fortschritte erzielt, aber nicht alle Hindernisse überwunden worden. Um eine „gute Anwendung“ des geheimen Vertrags zu erreichen, müsse noch „ein langer Weg“ zurückgelegt werden.

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