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Erneuerbare Energien : Schröder will Umweltkonferenz nach Deutschland holen

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"Energiewende ist eingeleitet": Grünen-Chefin Roth im F.A.Z. Business-Radio Bild:

Der Bundeskanzler macht sich in Johannesburg für den weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien stark.

          Bundeskanzler Gehard Schröder (SPD) hat am Montag auf dem Weltgipfel in Johannesburg vor über 100 Staats- und Regierungschefs angekündigt, er werde zu einer internationalen Konferenz zum Thema erneuerbare Energien nach Deutschland einladen. Schröder kündigte weiter an, die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern auf dem Gebiet mit 500 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren zu fördern. Darüber hinaus werde sich Deutschland an dem am Sonntag beschlossenen weltweiten „Netzwerk der Energieagenturen“ beteiligen.

          Zur Eröffnung der Beratungen der internationalen Spitzenpolitiker hatte der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki die Teilnehmer gedrängt, sich auf einen konkreten Aktionsplan zu einigen. Die Staats- und Regierungschefs haben bis Mittwoch Zeit, sich über den 71-seitigen Entwurf zu verständigen.

          Kompromiss bei erneuerbaren Energien

          Lange umstritten war vor allem der Passus über erneuerbare Energie im Aktionsplan. Während die EU-Staaten den Anteil bis 2010 weltweit von 13 auf 15 Prozent erhöhen wollen, lehnten die USA und die Opec-Staaten dies ab. Der am Montag errungene Kompromiss sieht nur noch eine „bedeutende Steigerung“ des Anteils erneuerbarer Energien vor, die „dringend“ zu geschehen habe. Die Kontrahenten konnten sich jedoch weder auf ein konkretes Ziel noch auf einen Zeitplan einigen.

          Je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht

          Vielversprechender sieht die Einigung der Delegierten bei einem anderen Thema aus: Der Anteil der Menschen, die bislang keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung haben, soll bis 2015 um die Hälfte reduziert werden.

          Nicht durchsetzen in den Marathon-Verhandlungen konnte sich die Forderung Deutschlands und der Entwicklungsländer nach einem klar vereinbarten Abbau wettbewerbsverzerrender Subventionen, etwa im Agrarbereich. Neben den USA sperren sich auch EU-Länder wie Frankreich, Spanien und Irland dagegen, solche Direkthilfen für ihre Landwirte abzubauen.

          Der Kanzler appellierte an Länder wie die USA und Russland, das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz so schnell wie möglich zu ratifizieren. Staaten, die dies ablehnten, sollten zumindest einen gleichwertigen Beitrag zur Verringerung der Treibhausgase leisten.

          Gute Noten für die deutsche Delegation

          Angesichts wichtiger Teilerfolge bei den Gipfel-Verhandlungen in Johannesburg haben Umweltschützer der deutschen Delegation ein gutes Zeugnis ausgestellt. „Die Deutschen sind die Lokomotive in der EU“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Naturschutzringes, Helmut Röscheisen, am Rande des Gipfels. „Da sind wir stolz drauf.“

          Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die Staats- und Regierungschefs angesichts des Klimawandels eindringlich zu raschem Handeln auf. Mit Blick auf die vor allem durch Dürre verursachte Hungersnot im südlichen Afrika, die zurzeit 13 Millionen Menschen bedroht, sagte er: „Wenn es einer Erinnerung daran bedürfte, was passiert, wenn wir bei der Planung und dem Schutz der langfristigen Zukunft unseres Planeten versagen, dann kann man sie in den Hilfeschreien dieser 13 Millionen armen Seelen hören.“

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