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Fall Khashoggi : Ermordung politischer Gegner als Strategie?

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Der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman fährt einen außenpolitischen Kurs, der für Konfliktpotential sorgt. Bild: AP

Vertraute von Muhammad bin Salman sollen schon vor einem Jahr über die Tötung iranischer Feinde gesprochen haben – als dieser zum saudischen Kronprinz ernannt wurde. Unterdessen wurden die letzten Worte von Khashoggi vor seiner Ermordung bekannt.

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          Die Tötung von Jamal Khashgoggi offenbart eine neue Strategie des saudi-arabischen Königshauses. Bereits vor einem Jahr sollen ranghohe Geheimdienstmitarbeiter, die dem saudi-arabischen Kronprinzen nahe stehen, über die Ermordung von politischen Gegnern aus dem Iran gesprochen haben. Das berichtet die New York Times am Sonntag unter Berufung auf drei Personen, die mit den Diskussionen vertraut sein sollen. Demnach sollten private Firmen beauftragt werden, um politische Feinde aus dem Weg zu räumen.

          Die New York Times setzt die Vereidigung des neuen Kronprinzen und die Diskussionen über politische Morde in direkten Zusammenhang. Denn die Gespräche sollen zum Zeitpunkt der Ernennung Muhammad bin Salmans zum Thronfolger aufgenommen worden sein. Der 33 Jahre alte Kronprinz sorgte schon mehrfach für Kritik mit seiner wagemutigen Außenpolitik. Attentate, verdeckte Operationen und Militärinterventionen wie im Jemen sind ein Bruch in der bisherigen außenpolitischen Linie Saudi-Arabiens. Der Wüstenstaat konzentriert sich als einer der größten Öl-Lieferanten weltweit bislang vor allem auf die Bewahrung von Sicherheit und Stabilität in der Region und vermied riskante außenpolitische Manöver.

          Khashoggis letzte Worte: Ich ersticke!

          Unterdessen verkündete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag, dass es Tonaufnahmen der Ermordung gibt und dass die aufgezeichneten Gespräche mit weiteren Ländern geteilt worden seien. Neben Deutschland auch mit den Vereinigten Staaten, Frankreich, Großbritannien und Saudi-Arabien. Regierungssprecher Steffen Seibert bestätigte am Montag, dass es „einen nachrichtendienstlichen Austausch“ zwischen Deutschland und der Türkei gegeben habe. Weitere Details wollte er allerdings nicht nennen. „Wie bei allen Fragen der operativen Tätigkeit der Nachrichtendienste geben wir dazu in der Öffentlichkeit keine Auskunft.“

          Medienberichten zufolge sollen nun die letzten Worte Khashoggis bekannt geworden sein. „Ich ersticke! Nimm diese Tüte von meinem Kopf, ich habe Platzangst!“, soll Khashoggi laut Nazif Karaman, Reporter der türkischen Zeitung „Sabah“, gesagt haben. Der Reporter bezieht sich auf eine Audioaufnahme aus dem saudischen Konsulat in Istanbul. Der Todeskampf Khashoggis soll demnach sieben Minuten gedauert haben.

          Der „Washington Post“-Kolumnist war am 2. Oktober in das Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul gegangen, um ein Dokument abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Unter internationalem Druck und nach wochenlangen Dementis gab Saudi-Arabien schließlich die Tötung des 59-Jährigen zu, weist aber weiter Vorwürfe zurück, dass die Tat von der saudi-arabischen Führung um Kronprinz Mohammed angeordnet worden sei.

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