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Unter der Wärmeglocke : Ist dieser Sommer noch normal?

Mit Wasserwerfer gegen Hitze - Die Frankfurter Polizei erfrischt im Frankfurter Güntersburgpark Kinder mit einem Wasserwerfer Bild: Mai, Jana

Seit Anbeginn der Wetteraufzeichnung gab es in Deutschland noch nie so viele Sommertage wie in diesem Jahr. Ist dieser Sommer schon der Ausweis eines Klimawandels?

          Verheerende Waldbrände in Schweden und Griechenland, Feuer auch in Finnland, Lettland und Kalifornien, Dutzende Hitzetote in Japan, Rekordtemperaturen in Sibirien und Kanada. In Europa und in vielen Regionen der Nordhalbkugel herrscht eine Gluthitze. Selbst am Polarkreis stieg diesen Sommer das Thermometer auf mehr als 30 Grad. In Deutschland machen Trockenheit und Dürre besonders den Landwirten zu schaffen, die bereits massive Ernteausfälle befürchten und für ihr Vieh nicht mehr ausreichend Futter zur Verfügung haben. Und die Hitzewelle wird nicht abreißen. Die ganze kommende Woche, so sagt der Deutsche Wetterdienst voraus, soll es so weitergehen. Kein Regen, keine Abkühlung in Aussicht.

          Die Meteorologen in Offenbach sahen sich Anfang der Woche gezwungen, für viele Teile Deutschlands Hitzewarnungen auszugeben. Die Gesundheitsämter raten besonders älteren Menschen dazu, Schatten aufzusuchen, sich nicht allzu sehr anzustrengen und reichlich zu trinken. An vielen Orten hat sich die Waldbrandgefahr verschärft. Auch die Winzer, die sich normalerweise über sonniges Wetter freuen, müssen ihre Weinstöcke künstlich bewässern. Das Wachstum der Reben ist um mehr als zwei Wochen voraus, so dass hier und da schon die Weinlese begonnen hat.

          Dürre in Europa

          Die große Hitze hat Europa schwer getroffen. Satellitenbilder zeigen, wie sich die Vegetation von üppigem Grün im Mai zu trockenem Braun Ende Juli verändert hat. Satellitenbilder: Nasa

          Viele fühlen sich in diesen Tagen an den Jahrhundertsommer 2003 erinnert. Damals stiegen die Temperaturen mehrere Tage hintereinander auf Rekordwerte von fast 40 Grad, Flüsse trockneten aus, Bäume verdorrten; viele ältere Menschen wurden in die Krankenhäuser gebracht, viele starben. Noch betrachten die Fachleute in Offenbach den Sommer mit Gelassenheit. Denn für einen echten Jahrhundertsommer seien der Juni und der Juli bisher insgesamt zu mild gewesen. Extrem heiße Tage in Folge mit mehr als 30 Grad waren in diesem Jahr noch vergleichsweise rar.

          Wo die Ursache zu finden ist

          Den Rekord aus dem Jahre 2003 könnte der August aber durchaus noch brechen – wenn die Hitzewelle, verursacht durch warme Luft, die seit Anfang dieser Woche aus dem Mittelmeerraum zu uns strömt und hier weiter aufgeheizt wird, noch länger anhält. Doch weiter als etwa sieben Tage in die Zukunft können die Meteorologen mit ihren Modellen nicht blicken. Einen Rekord hat der Sommer 2018 schon jetzt aufgestellt: Noch nie gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland vor rund 130 Jahren so viele Sommertage, also Tage, an denen es wärmer war als 25 Grad.

          Die Ursache für das anhaltend schöne Sommerwetter in Europa ist über dem Nordatlantik und Skandinavien zu finden. Dort hat sich seit Wochen ein Hochdruckgebiet festgesetzt, welches das aktuelle Wetter bestimmt. Die Hochdruckwetterlage blockiert die Tiefdruckgebiete, die von Westen her normalerweise feuchte, kühlere Atlantikluft heranschaffen und es dadurch auch in den Sommermonaten länger regnen lassen. Die Tiefs werden jetzt in Richtung Norden abgedrängt und können so nicht ostwärts über Europa hinwegziehen. Der ersehnte Regen bleibt also aus, oder er beschränkt sich auf lokale Ereignisse mit Starkregen und Hagel.

          Ähnlich wie Europa stecken derzeit viele Regionen der Nordhalbkugel unter einer Hitzeglocke. Auch sie stehen unter stabilem Hochdruckeinfluss; Meteorologen sprechen von einer Omega-Lage. Tiefdruckgebiete haben da kaum Chancen, die Wetterregie zu übernehmen. Solche Großwetterlagen sind eigentlich nicht ungewöhnlich. Sie treten, auf das Jahr verteilt, immer wieder auf und sind in unseren Breiten unter anderem der Grund für den Altweibersommer. Dass Europa jetzt schon so lange unter Hochdruckeinfluss steht, ist für die Meteorologen und Klimaforscher aber schon sehr überraschend. Die stabile Wetterlage hat unter anderem schon für den bislang wärmsten April und auch für den wärmsten Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gesorgt.

          Hitzerekorde nehmen zu

          Ist der Sommer 2018 noch ein normaler Sommer, wie ihn sich viele wünschen, oder ist er schon ein Ausweis für den Klimawandel? Die Meinungen der Fachleute gehen hier auseinander. Die einen sprechen von Wetterkapriolen, die anderen wollen schon klare Zeichen erkennen, dass das Klima kippt. Freilich ist der Klimawandel ein viel zu komplexes Phänomen, als dass man aus einigen warmen und heißen Wochen eindeutige Schlüsse ziehen könnte. Nicht zu leugnen ist, dass es seit Beginn der offiziellen Wetteraufzeichnungen in Deutschland im Schnitt um 1,4 Grad wärmer geworden ist. Und dies hinterlässt bereits seine Spuren. So scheint die Zahl der Hitzerekorde pro Jahr verdächtig zuzunehmen.

          Die Meteorologen und Klimaforscher erkennen in ihren Tabellen, dass die Häufigkeit der Hitzeperioden in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich zugenommen hat. Und britische Wissenschaftler haben in den aktuellen Wetterdaten klare Indizien dafür gefunden, dass die aktuelle Hitzewelle in Europa und Asien auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Müssen wir uns also langfristig auf Sommermonate mit Dauerhitze und extremer Trockenheit einstellen? Zumindest für dieses Wochenende sind hierzulande einige Gewitter zu erwarten. Sie lassen die Temperaturen kurzzeitig fallen. Der dabei niedergehende Regen wird aber nicht viel mehr sein als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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