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Erdogan im „Guardian“ : „Jetzt müssen andere helfen“

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Erdogan während seiner Eröffnungsrede des Welthumanitätsgipfels in Istanbul. Bild: Reuters

Heute Vormittag begann der erste „Welthumanitätsgipfel“ in Istanbul. Gleichzeitig veröffentlichte der britische „Guardian“ einen Gastbeitrag des türkischen Präsidenten Erdogan zur Flüchtlingskrise und zur Lage in Syrien.

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          „Es ist noch nicht zu spät“ – das ist die dominierende Rhetorik in Erdogans Gastbeitrag im „Guardian“, und die Betonung liegt dabei klar auf dem „noch“. Denn der türkische Präsident warnt: Die Türkei könne die Flüchtlingskrise und den Bürgerkrieg in Syrien nicht alleine lösen. Erdogan betont ausdrücklich, dass die Europäische Union und die Türkei dazu zusammenarbeiten müssen und dabei auf legale Migration setzen sollen.

          Als positives Beispiel zitiert er den Flüchtlingspakt zwischen der Türkei und der EU, der im März beschlossen wurde. Indem man Flüchtlinge, die sich an die Regeln halten, belohne, und klar mache, dass andere wieder zurück in die Türkei geschickt werden, könne man Menschen davon abhalten, ihr Leben auf See zu riskieren, so Erdogan. Das in Deutschland sehr umstrittene Abkommen steht allerdings nur gut zwei Monaten nach seinem Start schon auf der Kippe. Unter anderem deswegen traf sich am Nachmittag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Istanbul mit Erdogan zum Gespräch.

          „Die Türkei und Syriens Nachbarländer wurden alleine gelassen“

          Aber nicht nur die zu scheitern drohende Verteilung der Flüchtlinge von der Türkei aus kritisiert Erdogan. Weiter mahnt er in scharfen Tönen an, dass die internationale Gemeinschaft in Syrien zu lange weg geschaut habe und Assads Gewalt gegen die eigene Bevölkerung ignorieren würde. „Die Türkei und Syriens Nachbarländer wurden bei der Bewältigung der Konsequenzen des Konflikts alleine gelassen“, schreibt Erdogan. Erst, als der Islamische Staat begann, Anschläge auf EU-Bürger zu verüben, hätten die europäischen Regierungsoberhäupter erkannt, dass man nicht länger wegschauen könne.

          Dazu appelliert der türkische Ministerpräsident auch an die Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Sie sollten ihre Macht nutzen, um in Syrien für Frieden und Stabilität zu sorgen. Zum Ende seines Beitrages warnt er nochmals ausdrücklich: „Macht keinen Fehler. Die syrische Bevölkerung wird weiter leiden, bis die internationale Gemeinschaft ernsthaft versucht, die Krise in Syrien zu beenden und die Zivilbevölkerung zu schützen.“

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