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Nach Einnahme von Afrin : Das nächste Ziel ist schon ausgemacht

Von der Türkei unterstützte syrische Kämpfer halten eine türkische und eine syrische Flagge vom Ratsgebäude im kurdischen Afrin. Bild: EPA

Schneller als gedacht haben die türkische Armee und ihre Verbündeten die Kurdenstadt Afrin in Syrien eingenommen. Doch der siegreiche Heerführer Erdogan will dort nicht halt machen.

          Am Ende ging es schnell. Noch Anfang März sah es so aus, als müsse sich die türkische Armee bei ihrem zweiten Feldzug in Syrien auf einen langwierigen Kampf einstellen. Da waren schon knapp sechs Wochen seit dem Beginn der „Operation Olivenzweig“ verstrichen, doch die Streitkräfte der Türkei und ihre arabischen Hilfstruppen von der „Freien Syrischen Armee“ hatten nicht einmal die Vororte der Kantonshauptstadt Afrin erreicht. Manche Militärfachleute prophezeiten, es werde einen „blutigen Häuserkampf“ um Afrin geben.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Sie irrten. Am Sonntag haben die Türken und ihre Verbündeten Afrin eingenommen, ohne dabei auf schwere Gegenwehr zu stoßen. Die kurdischen „Volksschutzeinheiten“ (YPG) hatten sich zuvor offenbar weitgehend geschlossen zurückgezogen. Von ihrer viel gerühmten Kampfkraft, die sie im Krieg gegen die Terrorbande „Islamischer Staat“ (IS) oft demonstriert hatten, schien nichts geblieben. Freilich waren die Bedingungen in Afrin auch andere. Bei der erfolgreichen Verteidigung der kurdisch besiedelten nordsyrischen Stadt Kobane gegen die Belagerer vom IS im Jahr 2014 konnten sich die Kurden auf amerikanische Luftunterstützung verlassen, die nach anfänglichen Koordinationsmängeln immer treffsicherer wurde. Über Afrin aber schwieg der Himmel – und wenn er doch sprach, dann Türkisch.

          Washington, von Ankara vor die Wahl gestellt, sich zwischen kurdischen Freischärlern und dem Nato-Partner Türkei zu entscheiden, griff in Afrin nicht ein. Die Begründung lautete, dass sich die amerikanisch-kurdische Koalition zur Bekämpfung des IS nie auf Afrin erstreckt habe. Das ist nicht falsch, denn im fast nur von Kurden besiedelten Afrin hatte es, anders als von Ankara behauptet, keine IS-Präsenz gegeben. Da die Amerikaner nicht eingriffen und auch Russland der türkischen Operation indirekt Rückendeckung gab, konnte die Türkei den Vormarsch gegen Afrin mit Kampffliegern unterstützen. Das machte einen großen Unterschied.

          Mit der Einnahme Afrins hat der zweite Syrienfeldzug der türkischen Armee knapp zwei Monate nach seinem Beginn das erste wichtige Ziel erreicht: Der Kanton und sein Hauptort befinden sich nunmehr weitgehend unter militärischer Kontrolle der Türkei. Die türkische Armee verbreitete am Sonntag zum Teil sorgsam inszeniert wirkende Bilder, auf denen zu sehen ist, wie die Flagge der Türkei an verschiedenen Gebäuden in Afrin gehisst oder geschwenkt wird. Das passte nicht recht zu Ankaras Beteuerungen, die Türkei sei keineswegs als Besatzungsmacht in Afrin einmarschiert. Doch die Bilder waren für das Publikum in der Türkei inszeniert, wo die Kriegsbegeisterung genährt werden will.

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