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Kommentar : Gabriels Grenzen

Im Gespräch mit dem türkischen Außenminister hat Sigmar Gabriel den Nazi-Vergleich Ankaras zurückgewiesen. Doch Erdogan braucht derzeit ein Feindbild.

          Gut und ehrlich, hart und kontrovers – so fasste Sigmar Gabriel sein Gespräch mit Außenminister Cavusoglu zusammen. Das zweite Wortpaar trifft den Zustand des deutsch-türkischen Verhältnisses ziemlich genau. Seit der Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker in Deutschland konnte man den Eindruck gewinnen, dass es die Führung in Ankara auf die Zerrüttung der Beziehungen zu ihrem nach wie vor wichtigsten europäischen Partner abgesehen hat, ob aus wahltaktischen oder aus anderen Gründen.

          Wenn die erste Garnitur der türkischen Politik die Bundesrepublik auf eine Stufe mit Nazi-Deutschland stellt, wenn abstruse Vergleiche gezogen werden, dann handelt es sich nicht um das Resultat großer Erregung und Kenntnislosigkeit. Bestimmte Dinge kann Deutschland sich nicht bieten lassen, nicht von Leuten, die aus einem Nato-Land einen autoritären Führerstaat machen wollen. Dennoch wäre zu wünschen, dass Gabriels erstes Wortpaar („gut und ehrlich“) eine Prognose für die Zukunft wäre. Im Moment braucht Erdogan, der sich für allmächtig und unantastbar hält, jedoch ein Feindbild.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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