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Entwicklungshilfe : Mehr für Afrika

  • -Aktualisiert am

Bei allem Gezerre um Seehofers „Masterplan“ erscheint es geradezu grotesk, dass Entwicklungsminister Müller jetzt wichtige Vorhaben herunterfahren muss. So werden keine Fluchtursachen bekämpft.

          Es gibt keinen Politiker, der nicht fordern würde, die Fluchtursachen in den Krisenregionen dieser Welt zu bekämpfen. Diese Formel mit Heilsversprechen verwendet nun wirklich jeder. Aber wenn es darum geht, sie mit Leben zu füllen, wird es plötzlich schwierig. Finanzminister Olaf Scholz von der SPD will nicht das nötige Geld bereitstellen, obwohl es im Koalitionsvertrag vereinbart wurde: Die Oda-Quote, also der Anteil für die Entwicklungszusammenarbeit am Bruttonationaleinkommen, sollte nicht unter 0,5 Prozent sinken. Nun sinkt die Quote aber doch. Und das, obwohl das Entwicklungsministerium neben dem Verteidigungsministerium als prioritär eingestuft worden ist. Weil alle verstanden hatten, dass Flüchtlingshilfe in Deutschland viel, viel teurer ist als in Afrika oder im Krisengürtel rund um Syrien.

          Zwar steigt der Etat des Entwicklungsministeriums leicht an, aber das reicht nicht annähernd, um wichtige Maßnahmen in diesen Krisenländern zu finanzieren. Wie zum Beispiel das Programm „Cash for work“, mit dem im Nahen Osten in kurzer Zeit 140.000 Jobs geschaffen werden konnten. In Mossul sorgt Entwicklungsminister Müller gemeinsam mit Unicef dafür, dass die Leute ihre Stadt wieder aufbauen können. Sie bekommen zwanzig Euro am Tag, dazu Material, und stellen ihre Häuser wieder her. Müller war dort und hat die Schubkarren gesehen, mit denen die Iraker die Trümmer wegräumen. Sie verlegen Wasserleitungen, bauen aus Containern ein Krankenhaus. 19.000 Lehrer werden mit dem Programm bezahlt, Schulen gebaut. So konnten 270.000 Binnenflüchtlinge im Irak bereits in ihre Heimatorte zurückkehren. Und so wird auch die Rückkehr aus Deutschland wieder möglich.

          Unterkunft, Nahrung, ärztliche Versorgung, Schulbildung

          Ein Euro schafft im Nahen Osten und in Afrika ein Vielfaches an Wirkung – dieses Mantra chantet Müller seit Jahren. Denn dort leben ja die meisten Flüchtlinge, neunzig Prozent ziehen in die Nachbarländer und nicht zu uns. In Ägypten sind es inzwischen sechs Millionen Flüchtlinge, in Uganda leben zwei Millionen. Ihre Lebensbedingungen müssen menschenwürdig sein. Unterkunft, Nahrung, ärztliche Versorgung, Schulbildung. Wenn das auf Dauer nicht da ist, dann wandern die Menschen weiter. Nach Europa. Bei alldem Gezerre um Seehofers Masterplan erscheint es geradezu grotesk, dass Müller jetzt das Programm „Cash for work“ runterfahren muss. Auch die Initiative zur Ausbildung und Beschäftigung von Menschen in den Maghreb-Staaten ist davon betroffen. Müller kann sie nicht wie geplant finanzieren.  Vor allem in Afrika muss sich Deutschland engagieren, und zwar langfristig, ohne dass Müller ständig mit dem Bettelstab herumgehen muss.

          Wir zahlen afrikanischen Arbeitern immer noch keine fairen Löhne für Kaffee, Kakao und das Coltan in unseren Handys. Wir, die Industriestaaten, sind die Hauptverursacher des Klimawandels. Unsere Lebensweise schadet der Umwelt, unser Energieverbrauch ist um ein Vielfaches größer. Aber die Folgen spüren nicht wir, die spürt Afrika. Südsudan ist überschwemmt, in Djibouti herrschte zuletzt eine schlimme Dürre. Bis zu dreißig Millionen Klimaflüchtlinge sind es jetzt schon. Wenn das Thermometer wochenlang 52 Grad anzeigt, ohne Regen, dann sterben die Pflanzen. Dann kann keine Rinderherde überleben. Dann ist auch menschliches Leben nicht mehr möglich. Und dann wandern die Menschen in kältere Zonen.

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