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Entsetzen über Skandal-Video : „Null Chancen, dass ich aufgebe“

  • Aktualisiert am

Unter Druck wie noch nie: Donald Trump Bild: dpa

Die in einem Video festgehaltenen obzönen Entgleisungen ihres Kandidaten haben die Republikaner in einen Schock versetzt. Parteifreunde lassen Donald Trump fallen, unter ihnen Schwarzenegger. Auch seine Ehefrau und der Vize-Präsidentschaftskandidat distanzieren sich deutlich.

          Nach der Veröffentlichung eines Videomitschnitts aus dem Jahr 2005 am Freitag durch die Zeitung „Washington Post“, in dem Donald Trump im Gespräch mit einem Fernsehmoderator in obszöner Sprache sexuelle Übergriffe auf Frauen schildert, fordern erste republikanische Politiker seinen Rückzug als Präsidentschaftskandidat.

          Wie die „New York Times“ berichtet, berieten führende Republikaner noch in der Nacht zu Samstag darüber, wie die Partei mit einem derart schwer angeschlagenen und belasteten Kandidaten weiter Wahlkampf führen könne. Die Partei kann zwar Trump nicht mehr als ihren Kandidaten zurückziehen, aber einige Rechtsexperten der Republikaner schlugen laut New York Times in der internen Beratung vor, Trump zu einem freiwilligen Rückzug aufzufordern.

          Trump selbst sieht keinerlei Veranlassung, sich aus dem Rennen um die Präsidentschaft zu verabschieden. Es gebe „null Chancen, dass ich aufgebe", sagte Trump am Samstag dem "Wall Street Journal" zu Forderungen von Parteikollegen, seine Kandidatur zu beenden. „Ich werde niemals aufgeben."

          Auch der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence hat mit Empörung auf die Äußerungen von Trump reagiert. „Als Ehemann und Vater war ich empört über die Worte und von Donald Trump beschriebenen Handlungen", erklärte Pence am Samstag. „Ich billige seine Äußerungen nicht und kann sie nicht verteidigen.“ Das TV-Duell mit Clinton sei eine Gelegenheit „zu zeigen, wie es in seinem Herzen aussieht", erklärte Pence. Der erzkonservative Gouverneur des Bundesstaats Indiana ist ein evangelikaler Christ. Trumps Ehefrau Melania nannte seine Aussagen inakzeptabel. Sie hoffe aber, dass die Wähler seine Entschuldigung annehmen würden, so wie sie es getan habe.

          Republikaner Schwarzenegger: Stimme nicht für Trump

          Kaliforniens ehemaliger Gouverneur und Schauspieler Arnold Schwarzenegger will bei der Präsidentschaftswahl nicht für Trump stimmen. Es sei das erste Mal, dass er einen republikanischen Spitzenkandidaten nicht unterstütze, seit er 1982 Staatsbürger geworden sei, schrieb Schwarzenegger am Samstag. Seit seiner Übersiedelung nach Amerika 1968 sei er ein stolzer Republikaner gewesen, betonte Schwarzenegger in der Erklärung. „Aber so stolz ich auch bin, mich als Republikaner bezeichnen zu können, gibt es ein Etikett, dass ich stärker als alles andere hochhalte: Amerikaner zu sein.“ Es sei sein Anliegen, seine Parteifreunde daran zu erinnern, „dass es nicht nur akzeptabel ist, dein Land über deine Partei zu stellen - es ist deine Pflicht“.

          Unter den Politikern, die Trumps Rückzug forderten, waren Senator Mark S.Kirk aus Illinois, der schon vorher angekündigt hatte, Trump nicht zu unterstützen sowie die Kongressabgeordneten Mike Coffmann aus Colorado und Barbara Comstock aus Virginia.

          Der republikanische Senator Mike Lee aus Utah veröffentlichte ein Video auf seiner Facebook Seite, in dem er Trump aufforderte, „zur Seite zu treten“.  Donald Trump sei „eine Ablenkung“ von den „erfolgreichen Ideen“, mit denen die Republikaner im November bei den Kongresswahlen einen Sieg erringen würden.

          Senator Mitch McConnell, der Mehrheitsführer der Republikaner  im Senat, veröffentlichte noch am Freitag ein Statement, in dem er Trump ultimativ zu einer Entschuldigung aufforderte und anderen Senatoren indirekt riet, sich von dem Kandidaten zu distanzieren, falls er eine solche Geste verweigere: „Als der Vater von drei Töchtern, bin ich fest davon überzeugt, dass Trump sich bei allen Frauen und Mädchen entschuldigen und die volle Verantwortung übernehmen muss für den Mangel an Respekt gegenüber Frauen, der in seinen Äußerungen auf diesem Band zu sehen ist.“

          Der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Senator John McCain aus Arizona, sagte: „Es gibt keine Entschuldigung für Donald Trumps unverschämte und abwertende Bemerkungen“. Trump alleine sollte unter den Konsequenzen seiner Verfehlungen leiden.

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