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Entführungen : Im grünen Knast von Abu Sayyaf

Inszenierung des Terrors: Ein Entführer der beiden Deutschen auf einem Propagandabild Bild: AFP

Die philippinische Terrorgruppe Abu Sayyaf droht mit der Enthauptung zweier Segler aus Deutschland. Vor Mindanao herrscht mittlerweile eine wahre Entführungsindustrie, die Angst und Schrecken verbreitet.

          Die beiden deutschen Segler ahnten wahrscheinlich nichts. Um den 14. April herum machten sich Stefan O. und Henrike D. von der philippinischen Insel Palawan aus auf den Weg in Richtung des malaysischen Teils der Insel Borneo. „Die haben immer einige Monate in Borneo verbracht, sind dann in der richtigen Jahreszeit nach Palawan, El Nido. Das haben die jahrelang so gemacht“, sagt Giovanni Scarlata. Der Deutschitaliener ist selbst seit einiger Zeit mit dem Segelboot in der Region unterwegs und hat dabei ein paar Dinge über den Fall der Deutschen in Erfahrung gebracht.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Diesmal musste bei den beiden Seglern irgendetwas schiefgegangen sein. Zuletzt war ihre Segelyacht „Catherine“ im Ort Aborlan in Palawan gesehen worden, berichtete das Online-Portal „Rappler“. Demnach wurde die Yacht am 26. April gegen vier Uhr nachmittags leer aufgefunden: „Die Yacht wurde in Bgy Tagnato gefunden, im Ort Bataraza auf Palawan, von dem Dorfoffiziellen Pery Cabacang, als er gerade zum Fischen gehen wollte.“ Schon am Vortag hatten die philippinischen Sicherheitskräfte mit Schiffen und einem Hubschrauber nach den Deutschen gesucht. Offenbar galten sie zu diesem Zeitpunkt bereits als vermisst.

          Bataraza liegt am Südwestzipfel der Insel. Die deutschen Segler hatten vorher wahrscheinlich in Puerto Princesa, der Hauptstadt Palawans, Halt gemacht, so, wie es viele Segler tun. Auch Giovanni Scarlata nahm diese Route einige Zeit später. Dorthin wurde auch das verwaiste Segelboot der Deutschen gebracht. Am 8. Mai veröffentlichte Scarlata einen Eintrag im Segler-Forum „Trans-Ocean“: „Folgende Umstände wurden an Bord vorgefunden: Es lag Geld und Geldbörsen herum, zwei Badetücher liegen bereit auf Deck, Laptop, Badeleiter heruntergelassen, Tablet, Kompressor, Ersatzmaschine, 26000 Pesos, 380 Euro, 180 Dollar, Tauchtanks, Tauchflaschen, Küche sauber, Kaffeetassen ... Die Überprüfung auf Fingerabdrücke ergab kein Ergebnis, dass ein Fremder an Bord war. Das sind nun erst mal die Fakten.“

          Noch am Tag des Fundes mutmaßte die örtliche Presse jedoch, dass das Seglerpaar womöglich von Rebellen verschleppt wurde. Die Insel Palawan liegt im Norden der Sulusee, einem Seegebiet zwischen den Philippinen und Borneo, in dem es immer wieder zu Überfällen von Piraten, Kidnappern und Aufständischen kommt. In den Monaten zuvor waren schon mehrere chinesische und philippinische Staatsbürger von Banditen entführt worden. In Internetforen wurde allerdings eher über einen Badeunfall oder einen Angriff von Krokodilen diskutiert. Schließlich erzählt man sich, dass es im nahegelegenen Rio Tuba von den großen Reptilien nur so wimmelt. Im Mai war dort ein Fischer beim Tauchen nach Seegurken von einem Krokodil zerfleischt worden.

          Auswärtige Amt in Berlin habe einen Krisenstab eingerichtet

          Nur einige Tage später hieß es, das Auswärtige Amt in Berlin habe einen Krisenstab eingerichtet. Das sprach Bände, denn es ist das typische Vorgehen bei einer Geiselnahme. Aus Berlin hieß es, wie bei Entführungsfällen ebenfalls üblich: „Kein Kommentar.“ Den ersten konkreten Hinweis auf eine Entführung lieferte deshalb ein philippinischer Professor der „Universität Mindanao“, ein gut vernetzter Friedensaktivist, der vor einigen Jahren selbst von Rebellen verschleppt worden war: Octavio Dinampo berichtete unter Berufung auf „lokale Quellen vor Ort“, dass die Deutschen mit einem Schnellboot in die Provinz Sulu gebracht worden seien. Dort würden sie zusammen mit zwei Vogelkundlern, dem Holländer Ewold H. und dem Schweizer Lorenzo V., festgehalten. Im Februar 2012 waren H. und V. auf den Tawi-Tawi-Inseln entführt worden.

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