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Entführung in Afghanistan : Taliban: Zweite deutsche Geisel lebt

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Der Leichnam des in Geiselhaft ums Leben gekommenen deutschen Ingenieurs soll noch an diesem Montag nach Deutschland überführt werden. Eine Obduktion soll die Todesursache klären. Die zweite deutsche Geisel soll nach Angaben von Taliban noch am Leben sein.

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          Nach dem Tod des in Afghanistan entführten deutschen Bauingenieurs dringt die Bundesregierung nach den Worten Außenminister Steinmeiers „mit aller Kraft“ auf die Freilassung des zweiten am Mittwoch in der afghanischen Provinz Wardak verschleppten Ingenieurs. Der Krisenstab des Auswärtigen Amts in Berlin stehe in engem Kontakt mit der afghanischen Regierung, sagte Steinmeier.

          Der Leichnam seines ums Leben gekommenen Kollegen sollte so schnell wie möglich zur Obduktion nach Deutschland geflogen werden, wie das Auswärtige Amt berichtete. Bemühungen, die Leiche noch am Montag zur Obduktion nach Deutschland auszufliegen, sind aber anscheinend an bürokratischen Formalitäten gescheitert, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ unter Berufung auf deutsche Regierungskreise berichtet. Noch hat die Bundesregierung widersprüchliche Informationen darüber, wie der Mann zu Tode kam. Steinmeier sagte in Brüssel, der Leichnam werde in Deutschland obduziert: „Wir wollen Gewissheit über die Todesursache haben.“ Die Bundesregierung habe die Hoffnung, diese in den nächsten Stunden und Tagen zu bekommen.

          „Verlangen Freilassung inhaftierter Kämpfer“

          Die zweite deutsche Geisel in Afghanistan ist nach Angaben der Taliban noch am Leben. „Ein Deutscher und vier Afghanen, über die wir berichtet hatten, dass sie getötet wurden, sind noch am Leben“, sagte Taliban-Sprecher Kari Mohammed Jusuf telefonisch der Nachrichtenagentur Reuters. Die Taliban verlange die Freilassung von zehn ihrer Kämpfer aus afghanischer Haft und den Abzug der deutschen Truppen aus dem Land als Gegenleistung für die Freigabe der Geiseln, sagte er. Weitere Agenturen bestätigten diese Angaben.

          Außenminister Steinmeier: Sorge um verschleppte Geisel
          Außenminister Steinmeier: Sorge um verschleppte Geisel : Bild: dpa

          Über die Ursache des Todes seines verschleppten deutschen Kollegen gibt es weiter widersprüchliche Angaben. Außenminister Steinmeier hatte am Samstag gesagt, der Ingenieur sei an Erschöpfung gestorben, und nichts weise auf einen Mord hin. Nach Informationen der F.A.Z. wurde auf die Geisel geschossen, nachdem sie bei einem Fußmarsch zusammengebrochen war. Sie wäre somit nicht hingerichtet worden.

          Nach Informationen von „Spiegel online“ vom Montag ist dem Mann anscheinend mehrmals in die Brust geschossen worden. Das hätten Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) nach einer ersten Untersuchung der Leiche am Sonntagabend in Kabul nach Berlin gemeldet.

          Zuvor hatte der Gouverneur von Wardak mitteilen lassen, der Leichnam weise eine Schusswunde im Rücken auf. Am Sonntagabend hatte das Auswärtige Amt dies bestätigt. Deutsche Beamten hätten dies gesehen. In Berlin hieß es auch, die beiden Deutschen seien eher durch Zufall verschleppt worden; Ziel der Entführung sei offenbar ein Afghane gewesen, der mit dem stellvertretenden Parlamentspräsidenten verwandt sei.

          Ringen um Freilassung südkoreanischer Geiseln

          Indes bemühen sich die afghanische und südkoreanischen Regierungen intensiv auch um eine Freilassung der 23 in Afghanistan entführten Südkoreaner. Die Regierung halte weiter über verschiedene Kanäle „indirekt oder direkt“ Kontakt zu den Geiselnehmern, hieß es in Seoul. Nach Berichten der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap verhandelten Diplomaten aus Seoul über die Regierung in Kabul mit den radikal-islamischen Taliban, um eine friedliche Beendigung der Geiselnahme zu erreichen. Die Entführer haben außerdem am Montag ihr Ultimatum zur Freilassung der Geiseln zum zweiten Mal um einen Tag verlängert. Da die Regierung in Kabul sich bislang noch nicht ernsthaft darum bemüht habe, das Problem zu lösen, räumten die Taliban der südkoreanischen Regierung weitere 24 Stunden Zeit für Verhandlungen ein, sagte ein Taliban-Sprecher namens Jussif Ahmadi der Deutschen Presse-Agentur.

          Die Rebellen hatten schon am Sonntag auf ihrer Internetseite verkündet, sie hätten das Ultimatum zur Freilassung der mutmaßlich in ihrer Gewalt befindlichen Koreaner wegen laufender Verhandlungen um einen Tag verlängert. Die einer christlichen Kirche angehörende südkoreanische Gruppe war am Donnerstag in der südlichen Provinz Ghasni entführt worden. Die Saemmul Gemeindekirche, der die Geiseln angehören, kündigte an, ihre Hilfsaktivitäten in Afghanistan einzustellen. Ein Vertreter der Freikirche in dem Seouler Vorort Pundang wies den Vorwurf zurück, dass die Gruppe der Entführten mit dem Ziel nach Afghanistan gereist sei, vor allem missionarische Arbeit zu leisten.

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