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Entführte Israelis : Eine neue Intifada?

Wie in den schlimmsten Tagen des Palästinenseraufstands sind in Hebron und Umgebung Tausende israelische Soldaten im Einsatz. Sie suchen die entführten Zivilisten. Jetzt darf sich die Politik ihre Reaktionen nicht von Extremisten diktieren lassen.

          Die Szenen im Westjordanland erinnern an die zweite Intifada. Wie in den schlimmsten Tagen des Palästinenseraufstands kurz nach der Jahrtausendwende sind in Hebron und Umgebung Tausende israelische Soldaten im Einsatz. Selbst in den schlimmsten Jahren war es Terroristen damals nicht gelungen, drei Zivilisten auf einmal in ihre Gewalt zu bringen.

          Israel steht im Juni 2014 trotzdem nicht vor dem Beginn einer dritten Intifada. Weder die israelische Regierung noch die palästinensische Führung hat daran ein Interesse. Das zeigen die vergangenen Jahre, die dank der Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte so ruhig wie selten zuvor waren. Umfragen belegen, dass auch die Mehrheit der Israelis und Palästinenser kein Interesse an einer neuen Konfrontation hat.

          Die Gefahr einer Eskalation ist damit jedoch nicht gebannt. Siedler attackierten Palästinenser, aus Gaza wurden Raketen abgefeuert, die israelische Luftwaffe fliegt Vergeltungsangriffe. Umso wichtiger ist es jetzt, dass Politiker sich ihre Reaktionen nicht von Extremisten diktieren lassen.

          Die palästinensischen Sicherheitskräfte beteiligen sich zwar an der Suchaktion. Aber Präsident Mahmud Abbas, der vor kurzem zusammen mit der Hamas eine Übergangsregierung bilden ließ, hat die Entführung bisher nicht verurteilt.

          Diese Zurückhaltung hilft genauso wenig weiter, wie die aggressive Rhetorik des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Ihm reichen die ersten Spuren, die in Richtung Hamas weisen, als Beweise aus. Damit will er die internationale Gemeinschaft davon überzeugen, sich endlich dem israelischen Boykott der neuen palästinensischen Regierung anzuschließen – als gäbe es gerade nichts Wichtigeres als das Begleichen alter Rechnungen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

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