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Stromtrassen : Die hässliche Seite der Energiewende

Amprion „noch nicht festgelegt“

Amprion-Sprecher Marian Rappl sagt, der Eindruck der Bürgerinitiative, dass sein Unternehmen sich auf Osterath als Standort für den Konverter festgelegt habe, sei falsch. Amprion habe noch gar keine Detailplanung. „Wir werden aber mögliche Standorte im Umfeld des bestehenden Umspannwerks in Osterath und auch an anderen Orten prüfen.“ Aus dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium heißt es, es sei „denkbar und rechtlich möglich“, dass der Konverter auch an einem Ort in einem Radius von mehreren Kilometern um Meerbusch-Osterath gebaut werde. Als weiteres Hoffnungszeichen kann die Bürgerinitiative werten, dass sich der Bundesrat am Freitag mit Empfehlungen zum Gesetzgebungsverfahren befassen will. Mit Verweis auf die Bürgerproteste und rechtliche Vorbehalte wird darin auch die Verschiebung des Konverter-Standorts an einen anderen Netzverknüpfungspunkt vorgeschlagen.

Schon seit einiger Zeit werben Politiker wie der Fraktionsvorsitzende der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, Reiner Priggen, dafür, den Konverter nicht in Osterath zu bauen. Da Amprion die Stromtrasse durch das rheinische Braunkohlerevier plane, sei es sinnvoll, dort vorhandene großtechnische Standorte zu nutzen. Aber auch im Braunkohlerevier formiert sich Widerstand. Zwar nennt sich Grevenbroich stolz „Bundeshauptstadt der Energie“, denn auf seiner Gemarkung befinden sich die größte zusammenhängende Braunkohlelagerstätte Europas und mehrere Großkraftwerke, deren dampfende Kühltürme man schon von weither sieht, weil sie höher sind als der Kölner Dom. Aber einen Konverter hat der Grevenbroicher Stadtrat im Dezember vorsorglich einstimmig abgelehnt.

„Ergebnisoffene Suche“

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) sagt, sein Haus sei mit dem Netzbetreiber Amprion und der Bundesnetzagentur im Gespräch über alternative Standorte. „Allerdings ist auch der Standort in Meerbusch-Osterath nicht ausgeschlossen.“ Es gehe um die ergebnisoffene Suche nach der verträglichsten, technisch sinnvollsten und wirtschaftlichsten Lösung. „Dabei helfen weder pauschale Ausschlüsse noch Vorfestlegungen.“ Die westliche Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstrasse sei ein wichtiger Baustein des Kernenergieausstiegs, „den wir alle 2011 beschlossen haben“, sagt Duin.

„Daher setze ich mich für die Realisierung der Trasse und der ebenfalls zwingend notwendigen Nebenanlagen wie etwa dem Konverter ein.“ Wenn es nicht gelinge, bis zur endgültigen Abschaltung der Atomkraftwerke in Süddeutschland eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, sei die Versorgungssicherheit im ganzen Land gefährdet. „Das hätte unkalkulierbare Auswirkungen bis in das europäische Verbundnetz hinein“, warnt Duin. Doch der Minister zeigt auch Verständnis für die Bürgerinitiative. „Zu Recht wollen die Bürger vor Ort an der Suche nach dem besten Standort für den Konverter beteiligt werden. Schließlich geht es um ein Projekt in ihrem Wohnumfeld.“

„Wir haben unser Opfer längst gebracht“

Ewald Hövels öffnet das Tor zu seiner Gärtnerei und zerrt sein neuestes Transparent hervor. „Kein Doppelkonverter in Osterath“, steht darauf. Hövels plaziert das Transparent so, dass es genau vor dem beeindruckenden Panorama aus Strommasten steht. „Wir haben unser Opfer für die Energiewende hier wirklich schon längst gebracht“, sagt Frau Linn. Amprion müsse sich für den Konverter einen anderen Ort suchen. Mit dem Sankt-Florians-Prinzip habe das wirklich nichts zu tun. „Wir sind auch aus anderen Gründen schon viel zu sehr geplagt“, ergänzt Hövels und deutet auf die Autobahnen 52 und 57. Sie bedecken die Landschaft von Süden und Westen her mit einem dichten Rauschen. Mitten durch die Boverter Felder führt zudem eine Bahnlinie, die auch von Güterzügen stark befahren wird. Und wie bestellt, donnert ein gerade am Düsseldorfer Flughafen gestartetes Flugzeug den Himmel empor.

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