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Kommentar : Opfer der Energiewende

Kämpft mit Folgen der Energiewende: Marie-Luise Wolff-Hertwig, Chefin der HSE in Darmstadt Bild: Eilmes, Wolfgang

Mitarbeiter des Versorgers HSE sollen auf ihr 13. Gehalt verzichten, weil dem Unternehmen die Energiewende zu schaffen macht. Auch der Aufschrei einer Gießerei passt in das von energiepolitischer Planwirtschaft verursachte Bild.

          Der Weg in die Planwirtschaft ist stets ein Irrweg. Zurzeit lässt sich das sinnfällig in der Energiepolitik beobachten, bei der Unternehmen, ob sie nun in öffentlichem oder privatem Eigentum sind, regelrecht herumgestoßen werden, und zwar gemeinsam mit ihrer Belegschaft. Nun kamen gleich zwei solche Nachrichten. Bei dem Darmstädter Energieversorger HSE soll nun die Belegschaft auf das dreizehnte Monatsgehalt verzichten, weil das Management keinen anderen Weg mehr sieht, wie sonst auf Kündigungen verzichtet werden kann. Und aus Wetzlar ist der dramatische Aufschrei aus der Eisengießerei Duktus Rohrsysteme zu hören, die von dem Kleingedruckten in der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes derart heimgesucht wird, dass das Management um die Zukunft des mittelhessischen Betriebs fürchtet.

          Nun haben Unternehmer und ihre Verbände in den vergangenen Jahren etwas zu oft und bei jeder Gelegenheit das Ende ihres eigenen Werks, der Branche oder auch gleich des Standorts Deutschland beschworen. Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuhören, wenn ein Unternehmer berichtet, welche Folgen es zeitigt, wenn ihm eine Vergünstigung, die ihm einmal wegen seiner hohen Stromkosten bewilligt wurde, auf einmal genommen wird. Sie war ja nicht gedacht, ihm ein schönes Leben zu verschaffen, sondern vielmehr, um den Betrieb im Wettbewerb mit internationalen Konkurrenten im Spiel zu halten.

          Braunkohle statt Erdgas

          Auf ganz andere Weise leiden auch Stadtwerke unter der Energiewende. Sie haben in hochmoderne Gaskraftwerke investiert, die anspringen sollten, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Doch nun laufen bei solchen Gelegenheiten alte Braunkohleanlagen, und Konzerne in Kommunaleigentum wie die Mainova in Frankfurt und die HSE in Darmstadt müssen Millionen abschreiben.

          In der südhessischen Großstadt führt dies nun gemeinsam mit älteren, hausgemachten Fehlern dazu, dass die Belegschaft große Opfer bringen soll. Gehaltsverzicht bei öffentlichen Unternehmen ist äußerst selten, weil sich der Blick dann umso mehr auf die Politiker richtet, die solche Unternehmen über Jahre beaufsichtigt haben; Einsparungen dieser Art dürfen daher als nahezu letztes Mittel gelten. Die neue HSE-Chefin Wolff-Hertwig geht mit viel Elan ans Werk. An den völlig unzureichenden Rahmenbedingungen der in Berlin ausgerufenen Planwirtschaft in der Energiepolitik kann aber auch sie nichts ändern.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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