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Energiegipfel : Sorgen um Kraftwerksbau wachsen

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          2 Min.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will mit der Energiebranche rasch klären, wie viele neue Gaskraftwerke nötig sind, um den Atomausstieg bis 2022 zu schaffen. Am Mittwoch traf sie sich hierzu mit Spitzenvertretern der Energiebranche. „Die Gespräche waren getragen von dem Geist, dass alle die Energiewende wollen und gemeinsam nach Lösungen suchen“, verlautete anschließend aus Regierungskreisen. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen neben dem Zubau an konventionellen Kraftwerken die Gestaltung des Strommarktes, damit sich die Kraftwerke bei immer mehr Wind- und Solarenergie rechnen.

          Vor dem Treffen gab es Forderungen, Anreize zu schaffen, damit Kapazitäten vorgehalten werden, um die Schwankungen auszugleichen, die der wachsende Anteil von Solar- und Windkraft-Strom nach sich zieht. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warnte Frau Merkel. „Ich bin der festen Überzeugung, dass der Strommarkt in seiner derzeitigen Ausgestaltung nicht geeignet ist, die Herausforderungen der Energiewende zu meistern“, schrieb er.

          Frau Merkel selbst hält offenbar weitere Hilfen für die großen Windparks vor der Küste für notwendig. Das wirtschaftliche Risiko solcher Anlagen müsse beherrschbar werden, hob sie vor dem Treffen mit Vertretern von RWE, Eon, Siemens und dem Stadtwerkeverbund Thüga hervor. Auch Michael Vassiliadis, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, war eingeladen. Der Stromversorger Eon erhofft sich „klare Regeln für den Offshore-Windkraftausbau und eine klare Unterstützung für Gaskraftwerke“.

          84 Großkraftwerke sollen modernisiert werden

          Nach Angaben der deutschen Energiewirtschaft gibt es Pläne für den Bau oder die Modernisierung von 84 großen Kraftwerken. Doch zögern offenbar immer mehr Investoren, weil die sich verschlechternde Absatzlage für herkömmliche Kraftwerke die Rentabilität gefährdet. Da Strom aus Wind- und Sonnenkraft bevorzugt ins Netz gelangt, ist an windigen und sonnigen Tagen weniger aus anderen Quellen zu verkaufen. Doch für kürzere Zeiten am Netz lohnen sich andere Investitionen immer weniger. Wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft unlängst berichtete, sind 29 Gaskraftwerke geplant. Einige Projekte seien schon genehmigt, aber die Investitionsentscheidung stehe noch aus, weil die Unternehmen die Wirtschaftlichkeit prüften.

          Die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und Niedersachsen forderten, staatliches Engagement bei Netzen und Kraftwerken zu erwägen. Es bedürfe „marktnaher Anreize für neue Kapazitäten und kurz- beziehungsweise mittelfristig auch Anreize dafür, Bestandskraftwerke im Markt zu halten“, heißt es in Kretschmanns Brief. In Süddeutschland gingen wegen des Atomausstiegs und aus betriebswirtschaftlichen Gründen zunehmend konventionelle Erzeugungskapazitäten aus dem Markt, die in ihrer Summe die Versorgungssicherheit gefährden könnten, warnte der Regierungschef.

          Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister fürchtet um die Anbindung der Windparks auf dem Meer. Um den Netzausbau so schnell wie möglich voranzutreiben, solle geprüft werden, „ob eine einheitliche Netzgesellschaft mit staatlicher Beteiligung sinnvoll sein könnte“, sagte der CDU-Politiker dem „Handelsblatt“. So hat der Netzbetreiber Tennet offensichtlich Schwierigkeiten, die Stromtrassen in Niedersachsen auszubauen. Der Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler, forderte, den Netzausbau stärker mit dem Ausbau der regenerativen Energien zu synchronisieren. Die Schätzung, dass mehr als 4000 Kilometer neue Höchstspannungsleitungen nötig seien, dürften bald überholt sein.

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