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Endlagersuche : Weiße Landkarte mit ein paar bunten Klecksen

  • -Aktualisiert am

Atomkraftwerke in Niederaichbach (Bayern) Bild: dpa

Die Endlager-Kommission hat ihren Abschlussbericht vorgestellt. Doch die Auswahl des Standorts, an dem in Zukunft nukleare Abfälle gelagert werden sollen, wird viel Zeit in Anspruch nehmen.

          5 Min.

          „Verantwortung für die Zukunft“ hat die Endlager-Kommission ihren Abschlussbericht überschrieben. Zwei Jahre lang haben ihre 34 Mitglieder aus Politik von Bund und Ländern, Umweltgruppen, Wissenschaft und Wirtschaft um ein Modell für die bestmögliche Endlagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe gerungen. Immerhin geht es um ein Lager, das eine Million Jahre überdauern soll, weil die ungeliebten Reststoffe aus der Atomstromerzeugung so lange strahlen. Wie das gehen könnte, steht nun in einem mit Anhängen fast 700 Seiten langen Bericht. Dem haben alle Mitglieder – mit Ausnahme des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland – zugestimmt, was als ein Wert an sich gilt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Doch hält das Vertreter aus Bayern, Sachsen und Niedersachsen nicht davon ab, die jeweils eigene Position im gemeinsamen Bericht hervorzuheben. Nein, ein Lager in Granit komme nicht in Frage, schallt es aus Bayern und Sachsen, wo es solche Vorkommen gibt; der Standort im Salzstock von Gorleben sei praktisch ausgeschlossen, macht sich Niedersachsens Umweltminister Mut.

          In dem seit Jahrzehnten umstrittenen Bergwerk wurde schon für mehr als 1,5 Milliarden Euro gebaut. Doch ob das Bergwerk tauglich ist, ist nicht nur unter Wissenschaftlern umstritten. Auch in der Kommission gab es darüber geteilte Meinungen. Es gehörte zum Neustart der Atomendlagersuche vor drei Jahren, dass die Erkundung in Gorleben eingestellt, der Standort aber nicht aus dem Suchverfahren gestrichen wurde. Das alleine erfüllt die nicht wenigen Gorleben-Gegner mit tiefen Misstrauen.

          Die Suche nach einem geeigneten Endlager muss bei Null anfangen

          Allen Einwürfen zum Trotz spricht die Kommissions-Vorsitzende Ursula Heinen-Esser (CDU), früher einmal parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, bei der Vorstellung des Berichtes von einer „weißen Landkarte“, auf der man völlig neu mit dem Suchen anfangen wolle. Eigens hebt sie hervor, dass keines der drei bekannten Wirtsgesteine Salz, Ton und Granit ausgenommen werde. Ihr Ko-Vorsitzenden Michael Müller – auch er war einmal parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium – bat um eine faire Debatte. Er ruft in Erinnerung: „Es geht nicht um ja oder nein, es geht um wo und wie.“

          Von der Frage, wie und wo – auf diese Reihenfolge kommt es an – ein Endlager mit „bestmöglicher Sicherheit“ für hochradioaktiven Müll gesucht und gebaut werden kann, handelt der Bericht. Seine Empfehlungen soll der Gesetzgeber im Herbst zur Reform des Standortauswahlgesetzes nutzen. Die Kommission verspricht Vorrang für Sicherheit sowie umfassende Transparenz und Beteiligungsrechte, sie setzt auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens.

          Dabei geht sie von folgenden Bedingungen aus: Das Lager entsteht in Deutschland. Die Ausfuhr von Atommüll soll verboten werden. Der strahlende Abfall soll tief in der Erde verborgen werden. Geprüfte geologische Barrieren sollen jene Sicherheit gewähren, die man für gesellschaftliche Strukturen über den Zeitraum von Jahrtausenden nicht voraussetzen kann. Aber es soll sichergestellt sein, dass die Behälter während des Betriebs und nach dem Einschluss des Lagers auf die Dauer von 500 Jahren wieder zurückgeholt werden können. Denn vielleicht wird das einmal nötig oder es fällt späteren Generationen Besseres für die Reststoffe der atomaren Kernspaltung ein, als sie zu vergraben.

          Zu den Ausgangsbedingungen der Suche nach einem Lagerplatz gehört die Frage, wie viel Abfall überhaupt in Rede steht. Es geht im Jahre 2022, wenn das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet worden ist, um 30000 Kubikmeter hoch radioaktive Abfallstoffe. Womöglich kommen noch schwach- und mittelradioaktive Abfälle in erheblichem Umfang hinzu, die in dem eigentlich dafür gedachten Lager Schacht Konrad bei Salzgitter keinen Platz finden könnten.

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