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Ausstieg aus der Kernenergie : Schwierige Wende

  • -Aktualisiert am

Photovoltaikanlage in Hessen: Wie klappt die Energiewende? Bild: dapd

Fast drei Viertel der Deutschen halten den Ausstieg aus der Kernenergie für richtig. Höhere Strompreise wollen sie für den Ausbau erneuerbarer Energien aber nicht bezahlen.

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          Mehr als ein Jahr nach dem Beschluss, in einer überschaubar kurzen Frist aus der Kernenergie auszusteigen, gibt es noch kein überzeugendes Konzept für den Aufbau der neuen Versorgungsarchitektur, die Anpassung der Infrastruktur im vorgegebenen Zeitraum und die Sicherung eines für Industrie und Bevölkerung annehmbaren Preisniveaus. Der Bevölkerung ist durchaus bewusst, dass die sogenannte Energiewende seit den eiligen Beschlüssen unmittelbar nach der Katastrophe von Fukushima nur schleppend vorangekommen ist. Lediglich ein Fünftel der Bürger sieht große Fortschritte; die überwältigende Mehrheit hat dagegen den Eindruck, dass die Energiewende bisher nur langsam vorankommt, und macht dafür in erster Linie die Politik verantwortlich.

          Das Ziel, binnen zehn Jahren ganz aus der Kernenergie auszusteigen, wird von der überwältigenden Mehrheit der Bürger mitgetragen. Während Führungskräfte aus der Wirtschaft nach wie vor mit großer Mehrheit bezweifeln, dass die Festlegung auf den Ausstieg noch vor der Entwicklung einer überzeugenden neuen Versorgungsstruktur sinnvoll sei, stehen 73 Prozent der Bevölkerung hinter dem Ausstiegsbeschluss, nur 16 Prozent halten ihn für falsch. Die Anhänger der verschiedenen Parteien unterscheiden sich seit dem Wendemanöver von CDU/CSU und FDP nur noch wenig. So halten 79 Prozent der Anhänger der SPD, aber auch 64 Prozent der Anhänger der Unionsparteien den Ausstiegsbeschluss im Rückblick für richtig.

          Gleichzeitig glaubt jedoch nur eine Minderheit, dass der Beschluss tatsächlich in den vorgesehenen Fristen verwirklicht wird. Die große Mehrheit war stets überzeugt, dass es keinen schnellen Ausstieg aus der Kernenergie geben kann. Der Anteil, der glaubt, dass Deutschland schon in kurzer Zeit aussteigen könnte, schwankt seit Beginn der politischen Ausstiegsplanung Ende der neunziger Jahre in der engen Bandbreite zwischen 18 und 22 Prozent der Bevölkerung. Bemerkenswert ist jedoch, dass auch der für 2022 anvisierte Zeitpunkt von den meisten für unrealistisch gehalten wird. Lediglich 28 Prozent glauben, dass Deutschland tatsächlich innerhalb der nächsten zehn Jahre vollständig aus der Kernenergie aussteigen wird; 51 Prozent sind dagegen überzeugt, dass die Kernenergie auch nach 2022 weiter genutzt werden wird.

          Die Bevölkerung ist skeptisch

          Schon der erste Ausstiegsbeschluss der damaligen rot-grünen Bundesregierung traf auf eine ambivalente Reaktion: Die Mehrheit der Bevölkerung begrüßte den Beschluss, war aber gleichzeitig überzeugt, dass er nicht wie geplant umgesetzt werden würde. Auch darin gibt es zwischen den Anhängern der verschiedenen Parteien nur begrenzte Unterschiede; in allen politischen Lagern rechnet nur eine Minderheit fest mit einem Ausstieg innerhalb von zehn Jahren.

          Wer mag die Energiewende tragen?
          Wer mag die Energiewende tragen? : Bild: F.A.Z.

          Die Bürger verbinden die Energiewende bei allem Wohlwollen auch mit beträchtlichen Risiken und Unsicherheiten. So befürchtet knapp die Hälfte der gesamten Bevölkerung, dass es im Zuge des sukzessiven Ausstiegs zu Versorgungsengpässen kommt; lediglich die Anhänger der Grünen und der Piraten halten dies mehrheitlich für unwahrscheinlich.

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