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Altmaier gründet „Renewables Club“ : Koalition der Energiewende-Willigen

  • -Aktualisiert am

Freund des Waldes: Umweltminister Altmaier Bild: dpa

Bundesumweltminister Altmaier hat in Berlin den sogenannten „Club der Energiewendestaaten“ gegründet. Die zehn Mitglieder sehen sich als Wortführer der internationalen Erneuerbaren-Bewegung. Auch China ist dabei.

          3 Min.

          Das Umweltministerium allein ist für Peter Altmaier offenbar zu klein. Vorletzte Woche kümmerte sich der Minister persönlich um das von Teenie-Popstar Justin Bieber in München zurückgelassene Kapuzineräffchen Mally. In Berlin wurde er mit 500 Euro jüngst Teilhaber einer Genossenschaft, die dem Vattenfall-Konzern das Stromnetz entwinden will. Und am Samstag gründete Altmaier, der zuweilen mit seiner Geselligkeit antichambriert, nun einen Club der „Energiewende-Staaten“. Der Bedeutung des Ereignisses gemäß fand die Feier im feinen Berliner Hotel de Rome statt.

          Andreas Mihm
          (ami.), Wirtschaft

          Die Club-Idee treibt Altmaier seit einem Jahr um. Damals, auf der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro, musste er schmerzlich erkennen, dass auf internationalen Foren zwar viele schöne Worte über den Klimaschutz verloren werden, Taten aber zu oft fehlen. „Das wollen wir ändern“, sagte Altmaier und scharte gleichgesinnte Staaten mit ambitionierten Ökostrom-Zielen um sich. Er nennt sie „Pionierländer“: Neben Deutschland sind das Frankreich, Großbritannien, Dänemark, Marokko, Südafrika, China, Tonga, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien. Das hat allerdings als einiges Clubmitglied nur einen Botschaftsvertreter aus Berlin geschickt.

          Altmaier ist sich der Verschiedenheit seiner Clubmitglieder bewusst. Die einen setzten auf Kernenergie, die anderen fördern Öl. Es gibt Reiche und Arme und ganz Arme. Alle aber eint das Ziel, schnell den Anteil erneuerbare Energien auszubauen, um unabhängiger von Importen zu werden und das Klima zu entlasten. Fouad Douiri, der Energieminister aus Algerien, fügte eine entwicklungspolitische Komponente hinzu: Dezentrale Wind- und Sonnenstromerzeugung schaffe Arbeitsplätze und helfe bei der Entwicklung nicht nur der (Land-)Wirtschaft.

          Mitglieder müssen sich durch „Exzellenz“ auszeichnen

          Aus Amerika hat offenbar kein Staat die Aufnahmekriterien bestanden. Ob das noch anders wird, bleibt unklar. Altmaier macht einerseits deutlich, dass der Club keine „geschlossene Gesellschaft“ sei, andererseits müssten dessen Mitglieder sich durch „Exzellenz“ auszeichnen: Qualität statt Quantität. Jeder der Gäste weist auf seine Art die geforderte Exzellenz nach: Der Generaldirektor der Nationalen Energieagentur in China, Shi Lishan, berichtet von der geplanten  Vervielfachung des Ökostromproduktion bis 2020. Südafrikas Energieministerin Elizabeth Dipuo Peters schwärmt von Plänen für einen 5000 Megawatt großen Solarstrom-Park. Der britische Energiestaatsekretär Greg Barker erinnerte daran, dass kein anderes Land die Offshorewind-Stromerzeugung so stark ausbaue wie seines. Frankreichs Umweltministerin Delphine Batho, mit der Altmaier in der EU Umweltallianzen schmiedet, mahnt, die Erderwärmung nicht zu vergessen und will den Weltklimavertrag 2015 auf dem Klimagipfel in Paris zur Unterschrift fertig haben. Der Vertreter des dänischen Umweltministeriums sagt, die Erneuerbaren stünden weltweit unter Druck. „Wir müssen die Vorteile besser kommunizieren.“ Lord Tu’ivakano, der Premierminister des Südsee-Inselstaates Tonga, drängt auf eine aktivere Klimapolitik: „Wenn wir nicht schnell machen, gehen viele Inseln verloren.“

          Man könnte also von einer „Koalition der Willigen“ sprechen, wäre der Begriff nicht durch kriegerische Aktionen belastet. Die „Pioniere“ im „Renewables Club“ sollen den internationalen Klimaverhandlungsprozess beschleunigen, aber auch konkrete Projekte vorbereiten. Von bis zu 20 ist im Berliner Umweltministerium die Rede. Um das zu belegen, sind für den Nachmittag Wissenschaftler und Vorstandschefs von Energieunternehmen dazu geladen. Auf der Gästeliste stehen auch Boris Schucht, der Chef des Stromnetzbetreibers 50 Hertz und Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von RWE.

          Altmaier reagierte dünnhäutig auf die Frage, ob sein „Club der Energiewendestaaten“ die lange Liste der internationalen Klima-Konferenzen und Nachhaltigkeitsforen nicht nur um eine weitere verlängere. Auch die G8, die Gruppe der acht führenden Industriestaaten hätten einmal klein und als informelles Treffen angefangen. Das nächste Treffen der Clubmitglieder steht auch schon fest. Im Januar geht es nach Abu Dhabi auf das World Future Energy Summit, wer auch immer als deutscher Umweltminister dann teilnehmen mag. Minister Altmaier, den grün-schwarz-gestreiften Schlips um den Hals, war am frühen Abend schon wieder auf dem Weg zum nächsten Ziel. Am Brandenburger Tor eröffnete er das jährliche Umweltfestival der Grünen Liga. Vom Hotel zum Tor nahm er das Fahrrad.

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