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Stromautobahnen-Wettbewerb : Kabelkampf um 50 Milliarden Euro

Im Kleinen schon in Betrieb: Alstom demonstriert die Offshore-Anbindung und strebt nach Höherem Bild: Johannes Penenkamp

Neue Stromautobahnen und Offshore-Anbindungen versprechen Milliarden. Alstom will sich ein großes Stück vom Kuchen sichern - und konkurriert mit den Platzhirschen Siemens und ABB.

          Die Windräder ragen weit entfernt von der Küste in den Himmel, auf dem offenen Meer rotieren ihre Blätter rasend schnell. Nicht weit von den Türmen entfernt schwimmt eine graue Plattform, von der Strom zum Festland geleitet wird und dort eine ganze Stadt zum Leuchten bringt. Noch ist dieser mit modernster Gleichstromtechnik verkabelte Meereswindpark nur im Miniatur-Format zu besichtigen. Unter einer Glashaube steht das Modell im Konferenzsaal des französischen Industriekonzerns Alstom, der Anfang des Jahres vom Netzbetreiber Tennet den Zuschlag für die Anbindung des Nordsee-Windparks Dolwin 3 an das deutsche Höchstspannungsnetz erhalten hat.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Noch in diesem Jahr könne der Plattformbau beginnen, verspricht Grégoire Poux-Guillaume, Vorstand der Alstom Stromnetz-Sparte. 2017 soll alles fertig sein. Das Windpark-Projekt ist die Nagelprobe für eine neue Gleichstromtechnologie, die Alstom erstmals für eine Anbindung auf hoher See anwendet. Vor allem aber genießt Dolwin 3 strategisch gesehen höchste Priorität. Die Alstom-Manager betrachten das Projekt als einen Türöffner für den Bau der in Deutschland geplanten Stromautobahnen, die ebenfalls von Gleichstrom und nicht wie bislang üblich von Wechselstrom durchflossen werden sollen.

          Riesiger Markt, wenig Wettbewerber

          „Es ist ein riesiger Markt mit nur wenige Wettbewerbern - und wir sind einer davon“, sagt Poux-Guillaume. Und damit nichts schief läuft geht er die Sache kontrolliert an. Er weiß, was passiert, wenn man zu forsch wird. Der Konkurrent Siemens hatte sich überschätzt und gleich Aufträge für die Anbindung von vier Nordsee-Windparks in die Bücher genommen. Die neue Technik hat aber ihre Tücken. Alle vier Projekte (Helwin 1 und 2 vor Helgoland, Borwin 2 vor Borkum, Sylwin 1 vor Sylt) werden sich verzögern und haben den Siemens-Konzern bislang fast 700 Millionen Euro an Abschreibungen gekostet. Der Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher sprach offen von Fehlern.

          Die technische Umsetzung habe man ebenso falsch eingeschätzt wie die Probleme der behördlichen Genehmigungen. „Idealerweise“, sagte Löscher in seinem Bekenntnis vor mehr als einem Jahr, „hätte Siemens vielleicht nur mit einem statt mit vier Projekten beginnen und die anderen den Wettbewerbern überlassen sollen. „Wir lassen die anderen erst durch die Lernkurve gehen und haben den großen Vorteil, von den Wettbewerbern lernen zu können“, sagt Poux-Guillaume. Der Konzern aus Frankreich hat zwar schon Hunderte Kilometer an Gleichstromleitungen im Ausland gebaut, geht nun aber, etwas später, in die Offensive. Das hängt auch damit zusammen, dass Alstom seine Stromnetzsparte erst im Juni 2010 von der französischen Areva-Gruppe zurückgekauft hat.

          Marktpotential für Gleichstrom

          2004, der Konzern steckte damals in erheblichen Schwierigkeiten, musste die Sparte vorübergehend abgegeben werden. Auch ein anderer Wettbewerber ging die Herausforderungen besonnener an als Siemens. Vorsichtig hatte sich ABB, der Hauptkonkurrent der Münchner, erst einmal mit einem Auftrag herangetastet. Heute setzten die Schweizer drei Projekte um (Borwin 1, Dolwin 1 und 2). Probleme sind bislang nicht bekannt geworden. Der Konzern mit Hauptsitz in der Schweiz bezeichnet sich selbst als Weltmarkt- und Technologieführer für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung - und Deutschland sei das Schlüsselland für den Einsatz dieser neuen Technologie.

          In den letzten Jahren habe ABB ein konzernweites Forschungs- und Entwicklungsprogramm für dieses Segment entwickelt, für 50 Millionen Euro entsteht in Schweden ein neues Zentrum für die Gleichstromtechnologie. Alstom scheut keinen Aufwand, um sich gegen die beiden Konkurrenten in Stellung zu bringen. Aus der ganzen Welt hat der Konzern Journalisten nach Stafford in Mittelengland eingeladen, wo 2.000 Mitarbeiter an der neuen Technologie tüfteln. Selbstbewusst präsentiert das Unternehmen eine neue, mehr als 60 Millionen Euro teure Fabrik, in der Stromkonverter in Serie gefertigt werden können, wie sie auch beim Dolwin 3-Windpark zum Einsatz kommen sollen.

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