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Steigende EEG-Umlage : Die Industrie macht ihren Strom selbst

Immer mehr Unternehmen kümmern sich selbst um die Stromerzeugung Bild: dpa

Weil der Strompreis weiter steigt, erzeugen Unternehmen wie BMW zunehmend ihren eigenen Strom. Doch das schafft neue Probleme für Verbraucher und Energieversorger. Unter Umständen könnte der Strom für einige teurer werden. 

          Hier werden nicht nur Autos produziert, das ist schon aus der Ferne zu sehen: Vier riesige Windräder stehen vor dem BMW-Werk in Leipzig. Ihre Rotorblätter ragen 190 Meter in den sächsischen Himmel. Sie erzeugen den Strom, den BMW für die Herstellung seines neuen Elektroautos i3 benötigt. Die Windräder bringen es auf eine Leistung von zehn Megawatt und sollen mehr als 25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liefern – genug um 8000 Haushalte zu versorgen.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          An stürmischen Tagen kann es auch mehr Strom sein, als BMW benötigt. Dann wird der Überschuss in das Leipziger Stadtnetz eingespeist. Für den Autokonzern ist der Ökostrom auch deshalb wichtig, weil er seinen Kunden, die im November den Kleinwagen zu Preisen einer Mittelklasselimousine kaufen sollen, ein Werbeversprechen mitgibt: Der i3 fährt nicht nur weitgehend emissionsfrei, er soll auch in der Produktion CO2-neutral sein.

          BMW ist mit seiner Eigenstromerzeugung nicht alleine. Weil Strom – getrieben von der steigenden EEG-Umlage – immer teurer wird, steigt für Unternehmen und Privatverbraucher der Anreiz, ihren Strom mit Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerken und Windrädern selbst zu produzieren. Dank des im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebenen Eigenstromprivilegs sparen die Selbstverbraucher die EEG-Umlage, Stromsteuern und bei den Netzentgelte. „Der selbst erzeugte Strom ist dadurch für Haushalte, Dienstleister und viele produzierende Betriebe fast um zwei Drittel günstiger“, hat Georg Erdmann, Professor für Energiesystem an der TU Berlin, errechnet.

          Erstaunlicherweise gibt es trotz der wachsenden Bedeutung kaum valide Daten zur Eigenstromerzeugung. Weder die Bundesnetzagentur noch die Energieversorger führen eine entsprechende Statistik. In einem gemeinsamen Monitoringbericht des Wirtschafts- und Umweltministeriums, der sich größtenteils auf Daten des Jahres 2011 bezieht, ist nachzulesen, dass 8,5 Prozent des verbrauchten Stroms selbst erzeugt wurden, was rund 50 Terawattstunden entsprach. Lukrativ ist die Eigenerzeugung von Ökostrom. Nach Angeben der Netzbetreiber gingen im vergangenen Jahr 10 Prozent des mit Photovoltaikanlagen erzeugten Stroms in den Eigenverbrauch. „Wir empfehlen, diese Daten künftig genauer zu erfassen“, sagt Forscher Erdmann, der Mitglied in der von der Bundesregierung eingesetzten Monitoring-Kommission zur Energiewende ist.

          Die restlichen Verbraucher müssen mehr zahlen

          Dass Unternehmen die Stromerzeugung zunehmend selbst in die Hand nehmen, verdeutlicht eine Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter knapp 2400 Betrieben im Juni. 27 Prozent der Industrieunternehmen errichten demnach eine eigene Stromerzeugungsanlage oder haben dies in der Vergangenheit getan. 21 Prozent der Unternehmen plant entsprechende Maßnahmen. Zusammengenommen ist die Eigenstromerzeugung für beinahe jedes zweite Unternehmen von Bedeutung. „Spitzenreiter ist die Solartechnik, gefolgt von fossilen Energieträgersysteme (zumeist in KWK-Anlagen), Biogas und Windkraft“, heißt es in der Auswertung. Nach Ansicht des DIHK schlagen die Betriebe zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie sparen nicht nur Abgaben wie die EEG-Umlage, „sie stabilisieren so einen wichtigen Teil ihres Fixkostenblocks“, fassen die Autoren zusammen.

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