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Pumpspeicherkraftwerk : Am Edersee setzt Eon auf Wasserkraft

  • -Aktualisiert am

Pumpspeicherkraftwerk Waldeck: Eon will seine Kapazitäten am Edersee erheblich ausbauen Bild: dpa

Der Ausbau erneuerbarer Energien erfordert zum Ausgleich von Lastspitzen moderne Pumpspeicherkraftwerke. Rund 15 Prozent der gesamten in Deutschland installierten Kapazität kommen bald aus der Nähe des Edersees. Die Bevölkerung hat damit kein Problem, im Gegenteil.

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          Der Ausbau der Energielieferanten Sonne, Wasser, Wind und Biomasse soll nach der Havarie des Atomkraftwerks im japanischen Fukushima noch schneller vorangetrieben werden. Dafür sind viele Menschen. Aber nicht wenige dann auch nur so lange, bis in ihre schöne Landschaft ein Windrad oder auch ein Pumpspeicherkraftwerk gebaut werden soll. Tauchen derartige Pläne auf, regt sich Widerstand. Wie es schon seit Jahrzehnten anders geht, kann man in Nordhessen am Edersee erleben, wo sie Energietechnik und Natur symbiotisch ergänzen: Für andere Bürgermeister in Deutschland wird die Kommune deshalb zum Ziel von Bildungsreisen in Sachen nachhaltiger Energieerzeugung. Von hier kommen nach dem Abschluss der jüngsten Ausbauvorhaben von Eon nicht weniger als 15 Prozent der gesamten in Deutschland installierten Pumpspeicherleistung.

          Kommen die Besucher in Nordhessen an, sehen sie zuerst die Staumauer des Edersees, der mit 199,3 Millionen Kubikmeter Stauraum drittgrößten Talsperre Deutschlands. Der See wurde zwischen den Jahren 1908 und 1914 angestaut, um den Wasserstand in der Weser, aber auch in dem weitverzweigten Kanalsystem zwischen dem Duisburger Binnenhafen und dem Ruhrgebiet im Westen sowie der Hauptstadt Berlin im Osten zu regulieren. An Ort und Stelle ist der See längst zu einem Paradies für Urlauber und Wassersportler geworden. Der ihn umgebende Landkreis Waldeck-Frankenberg ist mit mehr als drei Millionen Übernachtungen im Jahr Hessens beliebteste Ferienregion. Zu den Attraktionen gehört der Nationalpark Kellerwald-Edersee.

          1929 begann der Bau des ersten Pumpspeicherkraftwerks am Edersee

          Es gibt hier einen Nationalpark samt Besucherzentrum, obwohl hier eine Energieerzeugungsanlage neben der nächsten steht. Gleich am Fuß der Staumauer findet sich zum Beispiel das Speicherkraftwerk Hemfurth, das 12 500 Kilowatt Strom liefern kann und unmittelbar aus der Talsperre gespeist wird. Und das Laufwasserkraftwerk Affoldern liegt unterhalb der Staumauer flussabwärts. Einem Wehr ähnlich wird die Eder dort abermals gestaut. Dank des natürlichen Gefälles zwischen dem Niveau des flachen, dem eigentlichen Edersee flussabwärts vorgelagerten Sees, erzeugen zwei Maschinensätze eine Leistung von 2000 Kilowatt.

          Bild: F.A.Z.

          Schon 1928 errechnete der heute in Eon aufgegangene Stromversorger Preussen Elektra zudem, dass der Strombedarf steigen und vor allem während „Starklastzeiten“ Kraftwerkskapazitäten fehlen werden. Von 1929 an bis 1933 entstand am Edersee deshalb das Pumpspeicherkraftwerk I.

          Das Kraftwerk liegt ebenfalls unterhalb der Staumauer. Aus dem künstlichen Affoldener See, der der Staumauer flussabwärts vorgelagert ist, wird Wasser 300 Höhenmeter in ein Oberbecken gepumpt, das in einer Talmulde zwischen Peterskopf und Ermerod auf der Südseite der Talsperre liegt. Über 960 Meter Länge wurden zwei Rohrstränge von mehr als zwei Meter Durchmesser verlegt, die in der Sekunde 60 000 Liter Wasser durch vier Maschinensätze strömen lassen, die insgesamt 140 Megawatt leisten. Vier Dekaden später baute die Preussen Elektra Waldeck II. Sein Oberbecken fasst 4,6 Millionen Kubikmeter Wasser, die 329 Meter über dem Unterbecken lagern. Das Wasser stürzt mit einer Geschwindigkeit von 6 Meter pro Sekunde durch eine 5,75 Meter starke Druckleitung in die Turbinen des Kraftwerks, das in einer Kaverne 800 Meter tief im Berg liegt.

          Ein technisches Wunderwerk im Inneren des Berges

          Es ist eine der größten, jemals von Menschen geschaffenen Höhlen der Welt. Die Kaverne ist 100 Meter lang, 50 Meter hoch und 34 Meter breit. Die beiden Turbinen geben maximal 440 Megawatt Strom ab. Hoch zum Oberbecken führt eine Standseilbahn. Bis zu 40.000 Besucher nutzen die Bahn, die unmittelbar auf die Höhen des Nationalparks führt, und bestaunen das technische Wunderwerk im Inneren des Berges Jahr für Jahr.

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