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Meereswindparks : Baustelle auf See

  • -Aktualisiert am

Bereit zum Auslaufen: Vor dem Errichterschiff von RWE liegt noch viel Arbeit Bild: RWE Innogy

Meereswindparks in der Nordsee gehören zu den größten Herausforderungen der Energiewende. Viele sollen entstehen, nur wenige werden gebaut. Den Betreibern rennt die Zeit davon.

          Aus der Luft betrachtet, wirken die gelben Stahlgerüste inmitten der Nordsee wie Bauklötze. Dabei ist jedes dieser Fundamente, auf denen im kommenden Jahr ebenso gewaltige Windturbinen stehen sollen, rund 50 Meter hoch und bis zu 580 Tonnen schwer. Daher dauert es auch seine Zeit, bis diese Fundamente von der „Victoria Mathias“, einem ebenfalls gewaltigen Errichterschiff, abgelassen und dort in rund 25 Meter Wassertiefe am Boden befestigt werden können. Wenn das Wetter mitspielt und die See einigermaßen ruhig bleibt, können zwei solcher Fundamente innerhalb von 10 Tagen auf ihrer Position angebracht werden, erläutert Marcel Sunier, der Projektdirektor für den Meereswindenergiepark Nordsee Ost. Befestigt werden diese Stahlgestänge auf dem Meeresgrund von jeweils vier Stahlrohren. „Das ist, als brächte man Heringe an einem Zelt an“, sagt Sunier in unverkennbar schweizerischem Dialekt und lacht. Allerdings würde an Land niemand auf den Gedanken kommen, einen Hering gut 30 Meter tief in den Boden zu rammen.

          Tempo bewusst gedrosselt

          Ungefähr 35 Kilometer nördlich von Helgoland entsteht Nordsee Ost, einer der ersten großen Meereswindparks in deutschen Gewässern, unter der Regie und Eigentümerschaft des Energiekonzerns RWE und seiner Tochtergesellschaft RWE Innogy. 48 Windturbinen sollen sich hier einmal drehen, die jeweils eine Leistung von 6,15 Megawatt haben. Wenn sie alle Strom produzieren, „dann reicht das für umgerechnet rund 300.000 Haushalte“, sagt Hans Bünting, der Vorstandsvorsitzende von RWE Innogy. Direkt angrenzend wird derzeit der Windpark Meerwind gebaut, für den die Beteiligungsgesellschaft Blackstone verantwortlich ist. Und ein Stück weiter nördlich soll ein dritter Park (Amrumbank West) entstehen, der Eon gehört. Zusammen kämen sie auf gewaltige fast 1000 Megawatt Leistung.

          Wie Heringe für ein Zelt: Große Stahlrohre, die gut 30 Meter tief in den Meeresboden hinein gerammt werden, halten das Fundament fest, auf dem anschließend die Windturbine befestigt wird

          Doch noch dreht sich dort keine einzige Turbine. Sie werden stattdessen schon seit Monaten auf diversen Hafen- und Fabrikgeländen in Bremerhaven gelagert, zusammen mit den Türmen und Rotorblättern. „Wir haben an Land fast einen kompletten Offshore-Park“, sagt Bünting bedauernd. RWE hat das Tempo bewusst gedrosselt, bislang stehen erst 18 Fundamente in der See, und wann die Türme, Turbinen und die mehr als 60 Meter langen Rotorblätter angebracht werden, wird sich erst im Laufe des Jahres zeigen.

          Täglich neue Herausforderungen

          Denn es fehlt die entscheidende Komponente eines jeden Offshore-Windparks: die große Umspannstation, die den vom Wind erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom umwandelt und in Richtung Land weiterleitet. Schon vor gut einem Jahr hätte sie vom Netzbetreiber Tennet errichtet werden sollen, eigentlich hatte RWE Innogy für Ende 2012 die Inbetriebnahme des Parks geplant. Aber dann offenbarten sich die mangelnde Finanzkraft von Tennet sowie ungeplante Haftungsfragen, und praktisch alle Baustellen in der deutschen Nordsee wurden mehr oder weniger stillgelegt. „Wir sind rund zwei Jahre hinter die ursprünglichen Pläne gerutscht“, beklagt Bünting vor Journalisten auf einer Reise zum eigenen Windpark, die RWE zum Teil finanziert hat.

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