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Markus Söder : Ein Mann als Volkspartei

  • -Aktualisiert am

Der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) Bild: dpa

Bayerns Umweltminister Markus Söder hat genug von der Rettung des Sandmännchens: Jetzt versöhnt er Ökologie und Ökonomie und macht sich zum Protagonisten des postnuklearen Zeitalters.

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          Zu den sympathischen Zügen des bayerischen Umweltministers Markus Söder gehört, dass er nicht versucht, sich kleiner zu geben, als er sich fühlt. Wer ihm am Montag lauschte, als er im Konferenzraum K 1 seines Ministeriums die energiepolitische Verständigung in der Berliner Koalition feierte, konnte sich ganz im Zentrum der Geschichte wähnen.

          Mit triumphalem Gestus verkündete Söder, dass sich in der Berliner Koalition die Vernunft durchgesetzt habe – eine Vernunft bayerischer Provenienz selbstverständlich. In dieser „bedeutenden Nacht“ sei genau das Zieldatum 2022 für das Ende der Atomenergie vereinbart worden, das „wir vorgeschlagen haben“.

          Ex Bavaria lux – wer verstehen will, was mit der CSU gegenwärtig geschieht, kommt an Söder nicht vorbei. Er ist in die Rolle des Modernisierers geschlüpft, die der zeitweilige Parteiheros Karl-Theodor zu Guttenberg geräumt hat. Verglichen mit dem, was Söder propagiert – der Weg zu einer neuen Stufe der „Evolution“ in ein postnukleares Zeitalter – ist Guttenbergs Bundeswehrreform ein kleines Unterfangen gewesen.

          Minister Söder: Der ideale Gehilfe für Seehofers bewegliche Politik
          Minister Söder: Der ideale Gehilfe für Seehofers bewegliche Politik : Bild: dpa

          Söder, der früher dafür verspottet wurde, dass er sich nicht zu schade war, gegen die Vertreibung des Sandmännchens aus dem Fernsehen zu kämpfen, wirft sich jetzt für ein anderes großes Menschheitsthema in die Bresche, für die „Aussöhnung von Ökologie und Ökonomie“.

          Selbsterhöhung als weiß-blauer Al Gore

          Weltpolitiker war er schon im vergangenen Jahr, als er für die Verlängerung der Laufzeiten der Reaktoren stritt, „weil die Welt insgesamt auf eine erneuerbare Energie mit Brücken im Bereich der Kernenergie“ vertraue. Jetzt beansprucht er für die CSU, mit dem Verzicht auf die Kernenergie „Impulse für die ganze Welt“ zu setzen. Es mag an dieser Selbsterhöhung als weiß-blauer Al Gore liegen, dass so ungeheuer schwierig ist, etwas Freundliches über den bayerischen Umweltminister in Erfahrung zu bringen – vor allem in seiner eigenen Partei.

          Wen immer man auf die Seite nimmt, stets sind wenig schmeichelnde Einschätzungen zu hören, die im richtigen Leben, abseits der Politik, den Tatbestand der üblen Nachrede erfüllten. Legion sind die Geschichten, wie Söder in früheren Jahren sich in Sitzungen nach Redebeiträgen Edmund Stoibers zu Wort gemeldet habe, um kundzutun, wie treffend, wie erhellend, wie wegweisend doch die Ausführungen des Vorsitzenden wieder einmal gewesen seien.

          Projektionsfigur gängiger Vorurteile

          Traut man diesen Stimmen, ist Söder, der neue Öko-Wundermann der CSU, eine Inkarnation des Banalen in der Politik, bestens geeignet für mindestens einen Absatz, wenn wieder einmal Klage über die Politik- und Parteienverdrossenheit geführt wird. Von Nachteil muss eine solche Existenz als Projektionsfigur gängiger Vorurteile nicht sein: Söder ist es in seinen vierundvierzig Lebensjahren gelungen, sich eine ansehnliche Reihe von Ämtern zu erkämpfen, vom CSU-Generalsekretär (2003 bis 2007) über Europaminister (2007 bis 2008) bis zum Umweltminister (ab 2008). An der Spitze des CSU-Bezirks Nürnberg-Fürth-Schwabach gehört er seit 2008 auch zu den einflussreichen Regionalfürsten der Partei.

          Viel spricht dafür, dass das Image als leichtfüßiger Wanderer auf den Spuren des Zeitgeistes ihm den Aufstieg erleichtert hat; nicht wenige, auch in der CSU, haben ihn unterschätzt – und unterschätzen ihn noch.

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