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Klimaforscher Barry Brook : „Deutschland muss Atomkraftwerke bauen“

  • Aktualisiert am

Barry Brook Bild: Privat

Der australische Klimaforscher Barry Brook kämpft unverdrossen für die Kernkraft. Sie sei sauber und sicher. Die wahre Gefahr für die Menschheit geht von Kohlekraftwerken aus, sagt der Wissenschaftler. Ein Interview.

          Herr Brook, sind Sie nach Fukushima noch Anhänger von Atom-Energie?

          Oh ja, absolut.

          Das Unglück beeindruckt Sie nicht?

          Nein. Die Welt muss sich unabhängig von fossilen Energien machen, und ein sicherer Weg dazu ist ganz klar die Atomenergie.

          Seit einer Woche kämpfen die Japaner darum, ihre Unglücksreaktoren unter Kontrolle zu bringen. Beweist das nicht, dass diese Energieform zu gefährlich ist?

          Nukleare Energie birgt ein extrem geringes Risiko für die Bevölkerung. Dafür ist Japan der beste Beweis: Dort ereignete sich ein Beben von historischer Schwere und eine Flutwelle gigantischer Ausmaße. Trotzdem haben die Kraftwerke bisher kein einziges Menschenleben gefordert.

          Die Arbeiter im Werk dürften schwere Strahlenschäden davon tragen. Und im entfernten Tokio misst man erhöhte Strahlenwerte.

          Wie gesagt, der Bevölkerung droht zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Gefahr - abgesehen vom der Zusammenbruch ihrer Stromversorgung. Die Strahlung durch Gase aus den Reaktoren lag in Tokio nur kurzzeitig im zehnfachen Bereich des Normalen. Wenn diese Strahlenbelastung dreißig Tage konstant bleibt - und wie gesagt, sie ist schon gefallen - wäre gerade die Belastung erreicht, der ein normaler Menschen in einem Jahr ausgesetzt ist. Wir reden also über eine extrem geringe Gefahr, die sich nur mit extrem geringer Wahrscheinlichkeit verwirklicht.

          Leider zeigte sich, dass auch Industriestaaten extrem wenig Kontrolle über diese Energie haben.

          Angesichts der Naturgewalt bin ich beeindruckt, wie gut die Kontrolle war. Jetzt ist die Situation stabil, ohne dass sich das worst-case-Szenario nur ansatzweise verwirklicht hat. Und es stand trotz aller Panik zu keinem Zeitpunkt unmittelbar bevor.

          Wir wissen doch nur nicht, was genau in Fukushima passiert ist. Regierung und Betreiber vernebeln die wahre Situation.

          Wenn Sie argumentieren, dass Informationen fehlen - wieso sind Sie dann so sicher, dass Ihre Risikoanalyse stimmt?

          Selbst wenn sie falsch ist gilt: ein winziges Risiko kann einen gewaltigen Schaden verursachen.

          Mich wundert, dass immer nur über abstrakte Risiken und unbekannte Wirkungen gegrübelt wird. Dabei ist in Japan soeben ganz konkret eine große Öl-Raffinerie explodiert. Dabei sind Dutzende Menschen gestorben und über den umliegenden Gebiete hängt eine Wolke aus giftigen Gasen. Diese Wolke hat die Gesundheit der Bewohner unvergleichlich mehr geschädigt als alle Strahlenfolgen.

          Eine Kernschmelze hätte unvergleichlich mehr Lebewesen unvergleichlich länger geschädigt.

          Wenn Sie die menschlichen Kosten aller Energieformen vergleichen, ist die Nuklearenergie die sicherste und umweltschonendste. Allein die Null-Risiko-Windkraft kostet jedes Jahr Menschenleben, weil Arbeiter bei der Wartung abstürzen. Zahllose Menschen sterben infolge der Erzeugung fossiler Energien, ganz zu schweigen von den Opfern durch Kohlendioxidemissionen, Dürren und Fluten. Japan hatte über Jahrzehnte eine sichere, emissionsfreie Versorgung. Das Land sollte die Vorteile nicht wegen eines Jahrtausendereignisses opfern.

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