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Im Gespräch: Jürgen Hambrecht : „Atomausstieg kann länger dauern“

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Jürgen Hambrecht: „Wir wollen und werden aus dieser Form der Stromerzeugung aussteigen” Bild: AFP

Die Ethikkommission hält den Ausstieg binnen eines Jahrzehnts für möglich. Im F.A.Z.-Interview spricht der frühere BASF-Chef Jürgen Hambrecht, der einzige Wirtschaftsvertreter in dem Gremium, über die nötigen Zwischenschritte und die Gefahren.

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          Herr Hambrecht, als Mitglied der Ethikkommission überholen Sie mit dem Atomausstieg bis 2021 nun sogar Rot-Grün. Wie kommts?

          Langsam. Wir haben gesagt, den Ausstieg kann man in einer Dekade schaffen. Aber nur mit einem strikten Projektmanagement, der Definition von Zwischenschritten und Zielen sowie der Kontrolle, ob wir diese auch erreichen. Dies sollte durch den von uns vorgeschlagenen unabhängigen Energiebeauftragten des Deutschen Bundestages erfolgen.

          Welche Zwischenziele meinen Sie?

          Garantierte Versorgungssicherheit, wettbewerbsfähige Preise, Umweltverträglichkeit und die Einbeziehung der Öffentlichkeit. Gerade Letzteres wird erfahrungsgemäß nicht zu einer Beschleunigung der Verfahren führen. Wenn absehbar ist, dass Zwischenziele wie der Netzausbau oder Neubau von Kohle- und Gaskraftwerken nicht erreicht werden, dann muss rechtzeitig gegengesteuert werden, damit es nicht zu Versorgungslücken kommt. Das können wir uns als modernes Industrieland nicht leisten. Das wäre eine Katastrophe.

          Sie relativieren das Ziel des Atomausstiegs?

          Nein, wir wollen und werden aus dieser Form der Stromerzeugung aussteigen. Punkt. Aber es kommt nicht darauf an, ob wir das in acht, zehn oder zwölf Jahren tun. Es kommt darauf an, einen Prozess so zu organisieren, dass wir ihn vernünftig abarbeiten können. Das kann auch dazu führen, dass der Ausstiegsprozess länger dauert. Behutsamkeit, Sorgfalt und Vernunft müssen vor emotionalen Aspekten Vorrang haben. Nur um ein Beispiel zu nennen: Von der Planung bis zur Inbetriebnahme braucht ein neues Gaskraftwerk mindestens sechs Jahre. Auch solche Zeiträume müssen wir einkalkulieren.

          Mehr Kohle- und Gaskraftwerke würden aber doch zu höheren Kohlendioxidemissionen und damit einem verstärkten Treibhauseffekt führen.

          Wir wollen aus der Kernkraft aussteigen, ohne die Klimaziele zu gefährden. Aber um die Versorgung sicherzustellen, brauchen wir neue Kohle- und vor allem Gaskraftwerke. Da beißt sich am Ende die Katze in den Schwanz. Denn es wird dann immer schwieriger unsere Ziele zur Kohlendioxidreduzierung einzuhalten.

          Die würden dann stattdessen an anderer Stelle verschärft, zum Beispiel auf EU-Ebene?

          Es ist vollkommen klar, dass die Energie- und Strompreise mit dem Atomausstieg steigen werden. Würden die Klimaschutzziele weiter verschärft, würde das alles sehr, sehr teuer werden. Ich weiß nicht, wie damit die Wettbewerbsfähigkeit des Industrie- und Beschäftigungsstandorts Deutschland noch sichergestellt werden sollte.

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