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Gas für Japan : Alternative zur Kernenergie

Ungewohnte Dunkelheit: Immer wieder kommt es in Tokio zu Versorgungsengpässen Bild: dpa

Der Ausfall eines Teils der Atomkraftwerke in Japan führt zu einem neuen Energiemix: Die Gaskraftwerke haben erhebliche Reserven. Von bis zu 50 Prozent ist die Rede. Liefern wollen viele Länder.

          Keiji Takeuchi, einer der Chefkommentatoren der japanischen Tageszeitung Asahi hat es als einer der Ersten in Tokio geschrieben: „Wir müssen zurück zum Anfangspunkt unserer Diskussionen und gründlich die Grundsatzfragen stellen, wie weit wir in diesem erdbebengefährdeten Land auf Atomkraft setzen und ob Sicherheit der Nuklearanlagen je gewährleistet werden kann“, stellte er schon am ersten Tag nach dem verheerenden Erdbeben fest. Atomkraft ist in Japan eine zentrale Säule der Stromversorgung.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die zehn regionalen Energieunternehmen des Landes erzeugen jährlich rund 960 Milliarden Kilowattstunden Strom. Die 15 Atomkraftwerke mit zusammen 54 Reaktoren steuern dazu rund ein Drittel bei. Erneuerbare Energien werden seit kurzem zwar auch massiv gefördert, führen in Japan aber bislang dennoch eher ein Nischendasein. Wie kann das Land seine Energieversorgung kurzfristig sichern, wenn jetzt wegen des verheerenden Erdbebens nicht nur die Kraftwerke in Fukushima ausfallen?

          Wie die Lösung aussehen könnte, zeigte Russlands Vizepremier Igor Setschin den Japanern. Zusätzlich 200.000 Tonnen an verflüssigtem Erdgas bot er dem bedrängten Nachbarland an. Auch Südkorea will einen Teil seines Flüssiggases an japanische Gaskraftwerke abtreten. Kohlekraftwerke und Gaskraftwerke sollen nach den Vorstellungen der japanischen Regierung so schnell wie möglich die Stromlücke füllen, die durch den Ausfall mehrerer Atomreaktoren entstanden ist.

          Stromsperren und Zugausfälle

          Wie notwendig das ist, zeigten die vergangenen Tage. Im Großraum Tokio drohte am Donnerstag der Zusammenbruch der Stromversorgung, weil die Menschen wegen kühler Temperaturen am Morgen mehr geheizt hatten. Umgehend gab es wieder Stromsperren, fuhren weniger Bahnen. Dabei sind in dieser Woche viele Fabriken wegen der Erdbebenschäden noch geschlossen geblieben, arbeiteten viele Büros gar nicht oder nur mit Notbesetzungen, weil die Mitarbeiter wegen der Stromsperren nicht zu ihrem Arbeitsplatz kommen können.

          Es zeigt sich, dass Japan auch nach den Aufräumarbeiten lange mit einer großen Stromlücke kämpfen muss. Erste Stellungnahmen der Regierung in Tokio zeigen, dass Flüssiggas in ihrer neuen, kurzfristigen Energiestrategie eine große Rolle spielen wird. Während die Kohlekraftwerke des Landes nahezu ausgelastet sind, haben die Gaskraftwerke noch erhebliche Reserven. Von bis zu 50 Prozent ist gelegentlich die Rede. Sie sollen die Stromlücke schließen, die Japans Wirtschaft und seine Bürger jetzt bedroht.

          2009 - aus diesem Jahr liegen die letzten zuverlässigen Zahlen vor - verbrauchte Japan 87,4 Kubikmeter Gas. Das entspricht 64 Millionen Tonnen Flüssiggas. Das ostasiatische Land ist damit schon vor den Verwüstungen durch das Erdbeben der weltgrößte Importeur von Flüssiggas gewesen. Energiefachleute erwarten, dass Japan nach dem Ausfall zahlreicher Atomreaktoren rund 13 Milliarden Kubikmeter Gas zusätzlich benötigen wird, um die Energielücke zu schließen. Japans Gaskraftwerke tragen rund ein Viertel zur Stromerzeugung bei. Das ist etwas weniger als die Kernkraft, doch dieses Verhältnis dürfte sich nach der Katastrophe in Fukushima bald umkehren.

          Kaum noch Bauplätze für neue Kernkraftwerke

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