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Frühjahrs-Vollversammlung : Bischofskonferenz für Umsteuern in Energiepolitik

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch Bild: dpa

Die katholischen Bischöfe Deutschlands halten die Atomkraft nicht für eine „dauerhaft tragfähige Lösung“. Die Kernenergie müsse angesichts der Risiken „neu bewertet werden“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, am Donnerstag.

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          Die katholischen Bischöfe Deutschlands halten die zivile Nutzung der Atomenergie nicht für eine „dauerhaft tragfähige Lösung“. Angesichts kaum beherrschbarer Risiken und ungelöster Folgeprobleme müsse die Kernenergie „neu bewertet werden“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, am Donnerstag nach der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Über die aus ethischer und theologischer Sicht gebotenen Konsequenzen der Neubewertung äußerte sich der Erzbischof nur vage und verwies auf die Rolle von „Experten“. Zollitsch ließ aber durchblicken, dass er der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke skeptisch gegenübersteht. Nach seinen Worten ist ein „Umsteuern der Energiepolitik“ dringend notwendig. Dazu müsse der Energieverbrauch verringert, die Effizienz der Energienutzung verbessert und die Suche nach alternativen Energien mit aller Kraft vorangetrieben werden.

          Im übrigen berichtete Zollitsch, dass die deutschen Bischöfe in einer Botschaft an den Vorsitzenden der japanischen Bischofskonferenz das Mitgefühl der katholischen Christen in Deutschland mit den Opfern des Erdbebens und des Tsunamis sowie die Bereitschaft zur Solidarität zum Ausdruck gebracht hätten. Die katholischen Kirchengemeinden seien aufgerufen, sagte Zollitsch, in den Gottesdiensten am kommenden Sonntag für die Menschen in Japan zu beten.

          Im Blick auf Forderungen nach Reformen in der Kirche bekundete Zollitsch den gemeinsamen Willen aller Bischöfe, „das konkret Mögliche zu tun, um den Weg der Kirche in die Zukunft zu erleichtern und Orientierung, Freude und Stärkung durch den Glauben zu mehren.“ Dazu sollen in den kommenden Jahren auf vielen Ebenen Gespräche stattfinden, in denen sich Bischöfe und Laien über die Lage der Kirche angesichts der geistigen und religiösen Herausforderungen der Gegenwart gemeinsam Rechenschaft geben sollten. An der „Selbstverständlichkeit“, dass diese Gespräche „auf dem Boden der kirchlichen Glaubens-, Lehr- und Liturgietradition und ihrer Festlegungen und Entwicklungsmöglichkeiten“ stattfänden, ließ Zollitsch keinen Zweifel.

          Bischöfe wollen Gläubige zusammenbringen

          Über die Nutzung der Gesprächs- und Begegnungsforen in den Bistümern hinaus möchte die Bischofskonferenz bis zum Jahr 2015 einmal im Jahr zu einem zweitägigen Treffen zu einem Jahresthema einladen. Es soll Gläubige aus vielen Bereichen der Kirche „zusammenbringen und motivieren, dem Jahresthema nachzugehen“. Das Thema des ersten Treffens, das für Juli anberaumt wurde, lautet nach Angaben Zollitschs: „Im Heute glauben: Wo stehen wir?“

          Im Gespräch mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wollen die Bischöfe nach Worten des Freiburger Erzbischofs zwei Themenfelder bearbeiten: „Priester und Laien in der Kirche“ sowie „Präsenz der Kirche in Gesellschaft und Staat“. Geht es nach den Bischöfen, wird es in jedem Jahr wenigstens eine „Schwerpunktveranstaltung im Zusammenhang der Projektarbeit“ geben. Der Überwindung der „geistlichen Schwäche“, äußerte der Sekretär der Bischofskonferenz, Langendörfer SJ, sollen freilich auch die zahlreichen Großveranstaltungen dienen, die in den kommenden Jahren geplant sind: im kommenden September der Besuchs des Papstes, in den Jahren 2012 und 2014 die Katholikentage, im Juni 2013 der Nationale Eucharistische Kongress sowie als Zielpunkt im Jahr 2015 das Gedächtnis des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahr 1965.

          Im übrigen bekräftigte Zollitsch namens der Bischofskonferenz die kategorische Ablehnung der Präimplantationsdiagnostik (PID). Diese dürfe der Gesetzgeber unter keinen Umständen zulassen, „da diese Technik aus sich heraus mit der Selektion und der Tötung von menschlichem Leben einhergeht“. Die Kirche plädiere daher für ein Verbot der PID ohne Ausnahmen.

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