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Fracking : Die Energiepreisschere

  • -Aktualisiert am

Macht in Amerika die Energie billig: Fracking in Colorado Bild: AP

Während Deutschland teure Energie erntet, erweckt in Nordamerika Schiefergas die ergraute energieintensive Industrie zu neuem Leben. Das lenkt Investitionen über den Atlantik.

          6 Min.

          Für den angeschlagenen Thyssen-Krupp-Konzern ist der nordamerikanische Schiefergasboom wie Balsam auf die durch missratene Stahlinvestitionen in Amerika geschundene Seele. Seit Monaten füllen Bestellungen in den Vereinigten Staaten die Auftragsbücher beim Anlagenbauer Thyssen-Krupp Uhde. Im Herbst erhielt Uhde einen Milliardenauftrag des ägyptischen Düngemittelproduzenten Orascom Construction Industries.

          Mit dieser umgerechnet knapp 1,1 Milliarden Euro teuren Investition im Bundestaat Iowa wird nach fast 25 Jahren in den Vereinigten Staaten erstmals wieder ein großer Düngemittelkomplex gebaut. Wenige Wochen später orderte die FF Industries Holdings, einer der führenden Düngemittelhersteller der Welt, zwei Ammoniakanlagen im Gesamtwert von mehr als einer Milliarde Euro. Uhde hat nach Angaben der Geschäftsleitung 30 bis 40 Projekte im Visier, die von Schiefergas abhängen.

          Auch für die Essener Ferrostaal sind die Vereinigten Staaten ein wichtiger Zukunftsmarkt geworden. „Der niedrige Gaspreis und die politischen Rahmenbedingungen schaffen ein günstiges Klima für Investitionen“, sagt Klaus Lesker, der Geschäftsführer von Ferrostaal Industrial Projects. Ferrostaal verfolge mehrere Milliardenprojekte, bei denen Gas zu petrochemischen Produkten wie Methanol, Ammoniak, Benzin oder Düngemittel weiterverarbeitet wird. „Für die meisten Projekte bringen wir ausländische Investoren nach Nordamerika“, berichtet Lesker.

          Überschüssiges Gas wird abgefackelt - der Ölboom hat das Leben in der Stadt Williston in North Dakota völlig verändert Bilderstrecke

          Die seit 2007 stark erhöhte Schiefergasförderung in Nordamerika hat erhebliche Auswirkungen auf das Energiepreisgefüge in den Vereinigten Staaten. Dadurch hat sich die Schere bei den Energiepreisen dies- und jenseits des Atlantiks stark geöffnet. Während im Boomjahr 2007 die Gaspreise in den Vereinigten Staaten, Deutschland und Japan noch recht eng beieinander lagen, haben sie sich seither in entgegengesetzte Richtungen verschoben. In den Vereinigten Staaten hat sich der Preis am bedeutenden Handelspunkt Henry Hub mehr als halbiert und in Japan gut verdoppelt. In Deutschland beträgt die Verteuerung gut ein Drittel.

          Völlig anders ist die Lage in Deutschland

          Während hierzulande die energieintensive Industrie über den Kostenauftrieb durch die Energiewende klagt, hat der Boom bei unkonventionellem Gas und Öl jenseits des Atlantiks die Stimmung zumindest in Teilen der Wirtschaft deutlich aufgehellt. In der Basischemie, der Aluminiumproduktion und bei den Düngemittelherstellern herrscht in Nordamerika Aufbruchsstimmung. Bei Uhde geht man davon aus, dass sich diese Investitionswelle mittelfristig auf höherwertige Erzeugnisse ausdehnen wird.

          „Momentan werden Anlagen gebaut, in denen das Schiefergas ohne weitere Veredelung eingesetzt werden kann, zum Beispiel in Kraftwerken oder Düngemittelanlagen. Die zweite Welle erwarten wir in den nächsten vier oder fünf Jahren durch die gegenwärtig geplanten Gascracker, die Olefine für die Grundstoffindustrie liefern werden“, heißt es im jüngsten Uhde-Jahresbericht. Dem würde dann der Bau von Polyethylen-, Propylen- und anderen Basiskunststoffanlagen folgen.

          Völlig anders die Lage in Deutschland: Ulrich Grillo, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), warnt in vielen seiner Reden vor den Standortnachteilen in Deutschland durch die steigenden Energiepreise. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) unterlegt dies mit Zahlen: Energieintensive Unternehmen ersetzen in Deutschland nach Angaben von IW-Direktor Michael Hüther nur noch 75 Prozent ihrer Abschreibungen durch neue Anlagen und investieren dafür stärker im Ausland.

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