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Fracking : Die Energiepreisschere

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Bayer verweist darauf, dass staatlich induzierte Maßnahmen zu extrem hohen Energiepreisen in Deutschland geführt hätten. Der Teilkonzern Bayer Material-Science (Kunststoffe), für den Energiepreise besonders wichtig seien, bezahle heute hierzulande doppelt so viel für Strom wie in Amerika. Auch Lanxess klagt über die seit 2005 durch Stromkosten fast verdoppelten Belastungen. Die Energiekosten lägen in der Produktion inzwischen über den Personalkosten. Zwar wären bei Investitionsentscheidungen die Energiekosten nur einer von mehreren Faktoren. Da der Gaspreis in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren um zwei Drittel gefallen ist, verändere sich aber dieser Faktor stark bei künftigen Investitionsentscheidungen von Lanxess.

„Wir sprechen von einer schleichenden Verlagerung“

Deutschlands größter Chemiekonzern, die BASF, hat seit 2003 rund 30 Milliarden Euro weltweit in Sachanlagen investiert. Dabei sei der Trend seit Jahren erkennbar, dass die relative Bedeutung Europas bei Investitionen in energie- und meist auch kapitalintensive Produktion abnehme. „Daher sprechen wir auch von einer schleichenden Verlagerung“, sagte Vorstandsmitglied Harald Schwager. Gemäß dem Grundsatz der kunden- und marktorientierten Investition habe BASF unabhängig von der Frage der Energiekosten verstärkt in die Wachstumsmärkte in Asien investiert.

Bei erdgasbasierten Investitionen haben in den letzten Jahren für den Ludwigshafener Chemiekonzern die Vereinigten Staaten aufgrund der niedrigen Gas- und Energiepreise deutlich an Attraktivität gewonnen. „Rund 3 Milliarden Euro, also ein Viertel unserer weltweiten Chemie-Investitionsmittel und damit im Vergleich zum Umsatzanteil ein überproportionaler Anteil, sollen zwischen 2013 und 2017 in den Vereinigten Staaten eingesetzt werden“, kündigte Schwager an. Er verwies auf eine neue Produktionsstätte für Methylamine, einen auf mehr erdgasbasierte Rohstoffe umgerüsteten Cracker und einen beschlossenen Werksbau für Ameisensäuren.

Der Beweis im politischen Alltag steht noch aus

Angela Merkel hat gerade unterstrichen, dass die Chemieindustrie auch in Zukunft in Deutschland fest beheimatet bleiben muss. Dafür brauche die Branche bei aller Leistungsstärke insbesondere angesichts von Entwicklungen wie in den Vereinigten Staaten wettbewerbsfähige Preise. Deswegen werde sie auch in Brüssel entschieden dafür kämpfen, dass die Ausnahmeregelungen für die energieintensive Industrie weiterhin Gültigkeit haben. Es war der Festvortrag der Bundeskanzlerin zum 150. Geburtstag von Bayer. Der Beweis im politischen Alltag steht noch aus.

Der BASF-Vorstand verweist darauf, dass von den Energiepreisen mehr als nur die Zukunft der Basischemie mit ihren besonders energieintensiven Produkten abhänge. Diese Fabriken seien Zulieferer für viele andere Industrien. Angesichts der Bedeutung der Kundennähe „geht es bei der Frage wettbewerbsfähiger Energiekosten nicht um die Verschiebung einzelner Produkte, sondern um die Gefahr einer langfristigen Verlagerung ganzer Wertschöpfungsketten“, warnt Schwager.

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