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Fracking : Die Energiepreisschere

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Wenn der Strompreis eine entscheidende Rolle spielt

Schon vor Jahren haben die Werkstoffproduzenten, bei denen der Strompreis eine wettbewerbsentscheidende Rolle spielt, den Anfang gemacht. So hat der norwegische Aluminiumhersteller Hydro 2002, als die Industriestrompreise nach der vier Jahre zuvor erfolgten Marktliberalisierung ihren Tiefpunkt erreicht hatten, den führenden deutschen Aluminiumkonzern, die VAW, übernommen. Wenige Jahre später hat Hydro wegen erheblich gestiegener Stromkosten die Strategie radikal geändert.

Im Erdgas-Emirat Qatar wurde eine Aluminiumhütte errichtet, deren Kapazität schon in der ersten Baustufe die der drei deutschen Aluhütten von Hydro weit übersteigt. Dafür haben die Norweger die Aluminiumproduktion in Deutschland radikal zurückgefahren.

Im Jahr 2010 haben der deutsche Kohlenstoffspezialist SGL Carbon und der Autobauer BMW den Bau einer gemeinsamen Produktionsstätte im amerikanischen Bundesstaat Washington angekündigt. Nach der Investition von 100 Millionen Euro sollen in diesem Werk in Moses Lake, drei Autostunden von Seattle entfernt, Kohlefasern zum Bau leichterer Autos hergestellt werden. Zur Standortwahl hat beigetragen, dass der für die Herstellung von Karbonfasern in gewaltigen Mengen benötigte Strom nur ein Drittel so viel kostet wie in Deutschland.

Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine wollte vor einiger Zeit eine neue Stahlhütte außerhalb der Europäischen Union irgendwo am Schwarzen Meer bauen, um sich vor der kostentreibenden Energie- und Umweltpolitik in der Gemeinschaft zu schützen. Dieser Plan wurde 2008 nach Ausbruch der Finanzmarktkrise aufgegeben. Fünf Jahre später will Voest die zwischenzeitlich extrem günstig gewordenen Gaspreise in den Vereinigten Staaten nutzen. Soeben wurde der Bau eines 550 Millionen Euro teuren Werkes zur Veredelung von Eisenerz in Texas in Auftrag gegeben.

In dieser Direktreduktionsanlage wird Eisenoxid durch den Einsatz von Gas als Reduktionsmittel zu Eisenschwamm verarbeitet, das anstelle von Roheisen zur Stahlerzeugung verwendet wird. Zu dem Kostenvorteil günstiger Gaspreise in Nordamerika kommt die deutlich geringere Umweltbelastung der Eisenschwammerzeugung gegenüber der Roheisenschmelze im Hochofen. Angesichts der im internationalen Vergleich eher mittelständischen Struktur der energieintensiven Branchen in Deutschland - der Papier,- Glas- und Zementhersteller, ja auch der Stahl- und Aluminiumindustrie - werden solche großen, von den Energiekosten geleiteten Auslandsinvestitionen eine Ausnahme bleiben.

Die Energiepreise werden immer wichtiger für Investitionsentscheidungen

Anders ist die Ausgangslage der deutschen Chemiebranche, die in der zurückliegenden Dekade viele Milliarden Euro jenseits der Landesgrenzen in neue Produktionsstätten investiert hat. Auf Anfrage betonten BASF, Bayer, Evonik und Lanxess durchweg, bei dem Bau neuer Fabriken werde in Wachstumsmärkte investiert. Die Nähe zu den Kunden sei bei der Standortwahl grundsätzlich das wichtigste Kriterium. Gleichwohl fordern die angesprochenen Chemieunternehmen, dass die Energie- und Umweltpolitik in Berlin und Brüssel die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht weiter beeinträchtigen dürfe. Mit anderen Worten: Die Energiepreise werden immer wichtiger für Investitionsentscheidungen.

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