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Energiewende : Stromverkauf mit Verlust

Hier wird Strom gehandelt: Mitarbeiter der Energiebörse in Leipzig. Bild: dpa

An der Börse kostet eine Kilowattstunde Strom zeitweise weniger als ein Cent - auch wenn Haushaltskunden 25 Cent und mehr dafür zahlen müssen. Das kommt leider immer häufiger vor.

          In Deutschland teuer erzeugter Strom wird immer öfter mit Verlust verkauft, teilweise wird den Käufern sogar noch Geld dafür gezahlt. Nach einer Analyse im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen wurde im ersten Halbjahr für die Kilowattstunde Strom an der Börse 2013 viermal so oft ein Preis von weniger als 1 Cent erzielt. (Haushaltskunden zahlen 25 Cent und mehr.)

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Zugleich habe die Anzahl der Stunden, in denen Käufern noch eine Prämie gezahlt worden sei, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 um die Hälfte auf 36 Stunden zugenommen. Erzeugung und Ausfuhr von Strom sei in den Zeiten aber nicht reduziert worden. Der Stromexport habe sich in den 196 Stunden, als weniger als 1 Cent die Kilowattstunde gezahlt wurde, auf 778 Gigawattstunden ebenfalls fast vervierfacht. Die Untersuchung wurde vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme verfasst.

          Viele Kraftwerke kann man nicht einfach drosseln und wieder anfahren

          Darin werden die Betreiber der Braunkohle- und Kernkraftwerke für die Entwicklung verantwortlich gemacht, denn sie hätten auch in Niedrigpreisphasen die Produktion nur unwesentlich gedrosselt. Grund seien technische Restriktionen, wie lange Anfahrzeiten für einmal heruntergefahrene Kraftwerke. Im Gegensatz dazu sei die Erzeugung in Kohle- und Gaskraftwerken in den fraglichen Zeiten auf bis zu 10 Prozent ihrer installierten Leistung reduziert worden.

          Im Vergleich der beiden Halbjahre 2012 und 2013 habe die Stromproduktion aus Braunkohle um 2 Terawattstunden (TWh) auf 72 TWh und die aus Steinkohle um 4 TWh auf 57 TWh deutlich zugenommen. Gleichzeitig sei die aus Gaskraftwerken um 4,6 TWh auf 22 TWh gesunken. Knapp 37 TWh stammen aus Solar- und Windanlagen.

          Über den Einfluss der regenerativen Erzeugung in Folge garantierter Preise und bevorzugter Einspeisung für Ökostrom ins Netz auf die Niedrigpreisphasen an der Börse äußern sich die Autoren nicht. Sie halten hingegen die Anpassung der Großkraftwerke an die zunehmende fluktuierende Einspeisung aus Wind-, Sonnen- und Biomassestrom für „essentiell“.

          Die wachsende Zahl von Stunden mit Niedrigpreisen zeige, dass schon heute mehr Flexibilität im konventionellen Kraftwerkspark notwendig sei. Mit dem weiteren Ausbau regenerativer Energien werde der Bedarf an flexibler gesicherter Leistung wachsen. „Schreibt man den derzeitigen Trend fort, werden sowohl die Exportüberschüsse als auch die Stunden mit extrem niedrigen oder negativen Börsenstrompreisen weiter zunehmen und langfristig zu einem unüberwindbaren Systemkonflikt führen“, heißt es.

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