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Energiewende : Ökostromproduzenten verzichten auf Fördergeld

Stark subventioniert: Solarparks Bild: dpa

Es geht auch ohne EEG: Weil sie sich nicht auf Subventionen und die Politik verlassen wollen, entstehen neue Geschäftsmodelle mit Ökostrom. Ein paar Beispiele.

          Tim Meyer macht das, was Unternehmer, Politiker und Verbände seit Monaten lautstark fordern. Er verkauft Solarstrom aus Deutschland - und das, ohne auf staatliche Ökostromförderung oder sonstige Privilegien für die erneuerbaren Energien zurückzugreifen. Der Geschäftsführer des Hamburger Ökostromanbieters Grünstromwerk will beweisen, dass sich mit Strom aus Sonne und Wind auch abseits der Fördermilliarden des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) Geld verdienen lässt. „Wir stellen uns voll und ganz dem Wettbewerb“, sagt er.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Im Normalfall speisen Ökostromerzeuger in Deutschland ihren Strom in das Netz ein. Sie kassieren dafür 20 Jahre lang für jede Kilowattstunde Strom eine garantierte Einspeisevergütung oder eine Marktprämie, die Einnahmen in identischer Höhe garantiert. Diese Förderpraxis hat einerseits zu einem rasanten Ausbau der Erneuerbaren Energieträger geführt. Andererseits hat sie die Kosten, die von allen Privathaushalten und den meisten Unternehmen zu zahlen sind, in die Höhe schießen lassen. Allein im kommenden Jahr werden sich die Kosten des EEG auf 24 Milliarden Euro summieren.

          Das Grünstromwerk umgeht diese Förderlogik, indem es Ökostromerzeugern ihren Strom direkt abkauft. „Vor allem Bürgergenossenschaften, die Solarparks betreiben, sind für uns interessant“, sagt Geschäftsführer Meyer. Die Betreiber müssen auf die staatlich garantierte Einspeisevergütung verzichten, wenn sie an den Ökostromanbieter verkaufen. Der Preis ist Verhandlungssache.

          Günstiger Ökostrom aus dem Ausland

          Um die Solarpark-Betreiber zu überzeugen, müsse sein Unternehmen in der Regel Preise bieten, die oberhalb der Einspeisevergütung liegen, sagt Meyer. Das macht den Strom teuer. Um Verbrauchern trotzdem einen konkurrenzfähigen Tarif anbieten zu können, deckelt das Grünstromwerk den Anteil des deutschen Ökostroms auf ein Viertel, den restlichen Ökostrom liefern günstigere Wasserkraftanlagen aus dem Ausland.

          Durch die Mischkalkulation und eine schlanke Unternehmensstruktur sei es in Großstädten möglich, den Tarif für etwa 27 Cent je Kilowattstunde anzubieten. „Wir können zwar nicht mit Billiganbietern konkurrieren, aber durchaus mit den großen Ökostromanbietern.“ Kunden- oder Umsatzzahlen will der 43 Jahre alte Elektroingenieur noch nicht nennen. Das Unternehmen richte sich gezielt an Menschen, die mit ihren Kaufentscheidungen etwas bewegen wollen. „Bei den Lebensmitteln funktioniert die bewusst regionale Vermarktung ja auch“, sagt er.

          Einen Wettbewerbsvorteil sieht er darin, dass das Unternehmen nach eigenen Angaben bundesweit der einzige Anbieter sei, der 25 Prozent Solarstromanteil aus deutschen Anlagen garantieren kann. Der Ökostrom, den beispielsweise der Versorger Greenpeace Energy anbietet, stammt zu 91 Prozent aus Wasserkraftanlagen, die meist schon lange im Betrieb sind.

          Solarstrom-Produktion viel günstiger geworden

          Noch vor wenigen Jahren wäre ein solches Direktvermarktungsmodell von Solarstrom ohne Subventionen schwer vorstellbar gewesen. Nach Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) sind die realen Kosten für eine Kilowattstunde Solarstrom in den vergangenen zehn Jahren um 73 Prozent gefallen, von 55,71 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2003 auf 14,90 Cent je Kilowattstunde in diesem Jahr. Die Kosten für Strom aus Windkraftanlagen fielen demnach im selben Zeitraum um 18 Prozent auf 9,04 Cent je Kilowattstunde.

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