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Energiewende : Grüne Koalition

Die Kanzlerin legte ein Wende hin, dass nicht nur vielen Unionsanhängern die Spucke wegblieb, sondern auch manchem Grünen. Mit trockenem Mund aber machen nicht einmal mehr Zwischenrufe Spaß.

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          Die Katastrophe von Fukushima hat auf die Grünen wie ein politisches Konjunkturprogramm gewirkt. In den Umfragen mauserten sie sich zur kleinen Volkspartei, in Baden-Württemberg schnappten sie CDU und SPD den Posten des Ministerpräsidenten weg. Und doch gibt es jemanden, der diese Aufsteigerpartei, die vor Kraft kaum noch laufen kann, ins Stottern bringt: die Kanzlerin.

          All die Unkenrufe von SPD und Grünen, Frau Merkels Abwendung vom Atom sei nur ein kurzzeitiges Manöver, um über die Wahl im Südwesten zu kommen, erwiesen sich selbst als Wahlkampfgetöse. Die Kanzlerin legte eine Wende hin, dass nicht nur vielen Unionsanhängern die Spucke wegblieb, sondern auch manchem Grünen. Mit trockenem Mund aber machen nicht einmal mehr Zwischenrufe Spaß.

          Was soll man als Opposition in so einem Fall auch tun? Richtig in die Pfanne hauen können die Grünen die Kanzlerin nicht dafür, dass nicht etwa der Parteiheilige Fischer oder die Schmerzensmutter Roth die historische Mission erfüllten, derenthalben die Anti-Atomkraft-Bewegung sich widerwillig zur Partei formte und den Marsch durch die ursprünglich verhassten, nun aber geliebten Institutionen antrat, sondern die Vorsitzende der CDU. Diese dafür aber durchweg loben? Die Kanzlerin, die Rot-Grün den Atomausstieg stahl?

          Schärfster Kritiker der Kanzlerin war Steinmeier, nicht Trittin

          Da ist es verständlich, dass die Grünen wenigstens eine Ein-bisschen-dagegen-Partei bleiben wollen, und zwar eine, die eines Tages auch zur Ein-bisschen-dafür-Partei werden könnte, wenn man einmal wieder über Koalitionsoptionen nachdenken kann oder muss, weil die SPD einfach nicht wieder auf die Beine kommt. Schärfster Kritiker der Kanzlerin im Bundestag war entsprechend nicht der immer bürgerlicher auftretende Trittin, sondern Steinmeier. Auch ihm fiel freilich nicht viel Härteres ein als der Vorwurf, dass die Koalition mit ihren Ausstiegsgesetzen einen Irrtum bereinige.

          Interessanter dürfte es wieder werden, wenn sich auch in der Praxis zeigt, dass die „Quadratur des Kreises“ (Frau Merkel) selbst dann nicht möglich ist, wenn die größte und grünste aller großen Koalitionen das Gegenteil beschlossen hat. Keine deutsche Partei kann dann behaupten, sie habe den Ausstieg aus der Kernkraft nicht gewollt. Eigentlich müsste jetzt doch wenigstens Frau Roth sagen, eine solche nationale Front sei ihr irgendwie ganz unheimlich.

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