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Energiewende : Die Ökostrom-Lobbyisten

Lackmann will nicht falsch verstanden werden. Er befinde sich nicht im Streit mit seinen alten Mitstreitern und er sei nicht grundsätzlich gegen Subventionen, nur gebe es „Speck, der abgeschnitten werden kann“, es müsse bei den Förderungen nachjustiert werden, damit falsche Anreize verschwinden. Wenn er an Leute denke, die einfach abkassieren und im dicken Wagen vorfahren, da werde ihm schlecht.

Ästhetische Windräder

Otto Grote empfängt standesgemäß. Der stuckverzierte Raum ist mit Holz vertäfelt, das Wappen über dem Kaminsims zeigt ein stolzes Pferd. Der gastfreundliche Freiherr, der ein Gut in der niedersächsischen Gemeinde Jühnde bewohnt, legt einen Ordner auf den Tisch. Pläne für sein Windradprojekt. Der Mann besitzt Felder und Wälder so groß wie 1750 Fußballplätze. Eine Anhöhe am Ortsrand hat er schon lange als Standort für einen Windpark im Auge. Vor einem Jahrzehnt hätte es beinahe mit dem Bau geklappt, doch damals machte ihm die Lokalpolitik einen Strich durch die Rechnung. „Dieses Mal sieht es besser aus“, sagt Grote, der Windräder als ästhetisch empfindet.

Ein Windkraft-Projektierer will fünf moderne Anlagen vom Typ E101, das steht für 101 Meter Rotordurchmesser, auf die Fläche setzen. „Ende des Jahres kann es losgehen, wenn alles glattläuft“, sagt der Freiherr. Profitieren würden viele: Die Bürger, die in eine der Anlagen investieren. Die Bauern, die Gemeinde, die Kirche, die hier alle Land besitzen.

Aber vor allem würde Grote selbst kassieren, ihm gehören 82 Prozent der Flächen, um die es geht. Je Windkraftanlage ist in der Region eine Mindestvergütung von 20.000 Euro je Jahr üblich. Weht der Wind wie erhofft, sind 20 Prozent mehr für die Verpächter drin. Für eine Neiddebatte hat der Großgrundbesitzer aber kein Verständnis: „Wenn es jemanden stören sollte, die Hälfte meiner Einnahmen geht an das Finanzamt. Wie viel darf man denn auf dem freien Markt als Verpächter für Standorte erneuerbarere Energien verdienen, ohne aus Missgunst geteert und gefedert zu werden?“

Johannes Lackmann steht auf der Anhöhe nahe Paderborn. Tausend Windräder sehe man am Horizont, schätzt Lackmann. Im Großen und Ganzen sei die Energiewende ein riesiger Erfolg, die Redemokratisierung des Energiemarktes sei vorangekommen. Der Windkraftpionier führt zu der einzig verbliebenen Anlage des ersten Bürgerwindparks, den er hier Mitte der neunziger Jahre errichtet hat. Das war ein Projekt von Weltverbesserern. Ein paar Meter weiter ragen die neusten Modelle mehr als 100 Meter in den Himmel, sie gehören zu einem Bürgerwindpark, den Lackmanns Westfalenwind GmbH errichtet hat. Die Geschäfte laufen gut. „Ich habe nie behauptet, dass Grüne kein Geld verdienen dürfen“, sagt er. Jede Umdrehung eines Rotorblattes spült ein paar Cent in der Tasche eines Investors - Ceeent, Ceeent, Ceeent.

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