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Energiewende : Die Ökostrom-Lobbyisten

Da schlummerte Potential, erkannte Kittelmann und stieg ein. Als er in den ersten Jahren zu den Branchentreffen gefahren ist, war er einer der wenigen Anzugträger. „Heute können Sie da nicht mehr ohne Anzug hingehen“, sagt er.

Über die Motivation der meisten Großinvestoren hat Kittelmann eine klare Vorstellung: „Eine angemessene Rendite, ein stabiler Cash-Flow, die Zusagen für die Kunden erfüllen.“ Dass man dem Klima Gutes tue, sei für den Großteil ein angenehmer Nebeneffekt. Er selbst bezeichnet sich mittlerweile als „Überzeugungsinvestor“. Es sei bedauerlich, dass immer nur über die Kosten der Energiewende gesprochen werde. „Dass es eigentlich darum geht, den Klimawandel einzugrenzen - was nicht kostenneutral möglich sein wird -, ist leider aus dem Blick geraten.“ Die EEG-Sätze jetzt zu kürzen, hält er für falsch. Das steigere die Risiken für Investoren und erhöhe damit die Kosten der Energiewende, anstatt sie zu reduzieren.

In der kurzen Zeit von 15 Jahren, in denen Kittelmann nun der Branche angehört, hat sich die mächtige Allianz derer gebildet, die am Tropf der EEG-Förderung hängen. Bundesumweltminister Peter Altmaier war bis heute der Letzte, der Widerstand gegen die Lobby geprobt hat. Anfang des Jahres preschte der CDU-Mann mit seinem Vorschlag zur Strompreisbremse vor. Sogar in der Vergangenheit zugesagte Förderungen wollte er kürzen. Es dauerte wenige Tage, dann ruderte er zurück. Nach der Wahl soll das Thema wieder auf die Tagesordnung.

Doch beim Blick in die Wahlprogramme dämmert es: Egal, welche Parteien am 22. September gewinnen - niemand wird an den Grundfesten des EEG rütteln. Warum sollte etwa die FDP den Versicherungen, Fondsmanagern, Anwälten und 450.000 Handwerksbetrieben, die sich in ihren Verbandsbroschüren als „Ausrüster der Energiewende“ vermarkten, einen Strich durch die Rechnung machen? Warum sollte die CDU es sich mit den Kommunen, die mehr Gewerbesteuern kassieren, verscherzen, warum mit Kirchen und Großgrundbesitzern, die als Verpächter von Windparkflächen profitieren? Welches Interesse sollte die CSU in Bayern haben, ihren Besitzern von rund 375.000 Solaranlagen das Geschäft zu verderben. Und warum sollte das Bundesland, dessen Bewohner durch die EEG-Umverteilung 1,2 Milliarden Euro vom Rest der Republik kassieren, einer harten EEG-Novelle zustimmen?

Johannes Lackmann haben solche Fragen schon vor mehreren Jahren umgetrieben. „Die gesamte politische Spitze steht hinter der Entwicklung, konservative Wirtschaftsverbände sind mittlerweile auf diese Linie eingeschwenkt, und Berater wie Roland Berger sagen der Branche die gleiche wirtschaftliche Bedeutung voraus wie der Autoindustrie heute“, schrieb der BEE-Präsident am 21. November 2007. Es war sein letztes Schreiben in dieser Funktion.

„Es ging um Besitzstandswahrung“

Lackmann fand, er habe seine Aufgabe als Türöffner erledigt - und er vermisste in der Branche die Bereitschaft, sich jetzt für sinkende Fördersätze starkzumachen, die die Innovationsanreize hoch halten - so wie, es geplant war. „Es ging mehr und mehr um Besitzstandswahrung“, bemängelt er.

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