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Energiewende : Die Ökostrom-Lobbyisten

Johannes Lackmann, der Erziehungswissenschaften und auch Elektrotechnik studiert hat, vernetzte Energiepioniere wie Aloys Wobben miteinander und wurde dann zu einem ihrer Sprachrohre. Zuerst in einem regionalen Verband von Windmüllern, ab 1999 als Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE). Man darf sich diesen Verband, der heute in Berlin-Mitte residiert, in dieser Zeit noch nicht sonderlich professionell vorstellen. „Wir hatten ein Jahresbudget von 45.000 Mark, ich habe das ehrenamtlich gemacht“, erinnert sich Lackmann. Eine umgebaute Scheune, in der er noch heute sein Büro hat, wurde vorübergehend zum Sitz der Interessenvertretung.

Nun auch ein Freund der Sonne: Manfred Kittelmann, Fondsmanager, im Frankfurter Westend-Carree
Nun auch ein Freund der Sonne: Manfred Kittelmann, Fondsmanager, im Frankfurter Westend-Carree : Bild: Fiechter, Fabian

Als Lobbyist - Lackmann selbst benutzt lieber das Wort „Politikberater“ - hat der Windkraftpionier in dieser Zeit aus nächster Nähe miterlebt, wie die milliardenspuckende Fördermaschine geschaffen wurde, wie sie sich in Gang gesetzt hat. Und wie sie schließlich nicht mehr aufzuhalten war. Der Plan für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) habe in der Anfangsphase der Schröder-Regierung kaum jemanden gekümmert, erzählt er. Die großen Energieversorger hätten das Gesetzesvorhaben aus der Öko-Ecke gar nicht ernst genommen. Und das Wirtschaftsministerium hatte andere Sorgen. In den Büros von gerade einmal vier Abgeordneten - der prominenteste war der 2010 verstorbene Sozialdemokrat Hermann Scheer - seien wesentliche Teile des Gesetzes erarbeitet worden. Und ihm, Lackmann, standen viele Türen offen.

Es sei darum gegangen, den Ausbau der Erneuerbaren zu fördern und mit sinkenden Fördersätzen Anreize für technische Innovationen zu setzen. An eine ausufernde Förderpraxis oder daran, dass sich einmal findige Geschäftsleute eine goldene Nase verdienen könnten, habe niemand gedacht. „99 Pfennig für eine Kilowattstunde Solarstrom, dabei sollte es natürlich nicht bleiben.“ Das war der Anfangsfördersatz. Wälzt man heute die Statistiken, erkennt man, dass es lang dabei geblieben ist: Eine Solaranlage, die 2011 in Betrieb war, wurde mit rund 40 Cent pro Kilowattstunde vergütet, also immer noch mit etwa 80 Pfennig. Erst jetzt sinken die Sätze spürbar. Das Essener Forschungsinstitut RWI hat ausgerechnet, dass die in den vergangenen zwölf Jahren installierten Solaranlagen insgesamt 100 Milliarden Euro verschlingen - finanziert zu einem großen Teil von allen Privathaushalten. Eine Industrie, die auf eigenen Beinen steht, sie sieht anders aus.

Mächtige Allianz am Tropf der EEG-Förderung

Manfred Kittelmann hatte ursprünglich nicht vor, in dieser Branche zu arbeiten. Dass es so kam, ist geschäftlichem Kalkül geschuldet. Ende der neunziger Jahre heuerte Kittelmann bei einer großen Fondsgesellschaft an, dort sollte er sich um Leasinggeschäfte kümmern. Die Geschäfte liefen nicht wie erhofft, darum stand er vor der Wahl: „Entweder suche ich mir ein neues Geschäftsfeld, oder ich gehe.“ Der Volkswirt stieß auf die erneuerbaren Energien, denen damals noch etwas Exotisches anhaftete. Kittelmann fiel auf, wie unprofessionell Windpark- und Solarprojekte von den Öko-Pionieren angegangen wurden - ohne „due diligence“, ohne sorgfältige Prüfung der Risiken.

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