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Energiewende : Darum geht es in der Debatte um die EEG-Reform

Liefert Ökostrom: Windrad in der Lausitz Bild: dapd

Die deutsche Wirtschaft fordert bezahlbaren Strom trotz Energiewende. Der Ökostrom soll sich im Wettbewerb bewähren. Die wichtigsten Fragen im Überblick.

          Mit Vehemenz fordern große Teile der deutschen Wirtschaft ein Umlenken in der Energiepolitik. Unmittelbar nach der Bundestagswahl preschten die Vorstände mehrerer Dax-Unternehmen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit Reformforderungen vor. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und die Chemische Industrie erhöhten den Druck mit konkreten Konzepten: Im Kern geht es darum, den anhaltenden Anstieg der Strompreise, der durch den unkontrollierten Ausbau der Ökostromerzeugung verursacht wird, abzubremsen. Diese Fragen sind in der Reformdebatte wichtig.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Was bedeutet Direktvermarktung?

          Wer künftig eine neue Photovoltaikanlage installiert oder einen Windpark errichtet, soll sich selbst darum kümmern, den Strom zu verkaufen. Das fordern die Wirtschaftsverbände. Der Zwang zu einer solchen Direktvermarktung wäre ein Bruch mit der bisherigen Förderpraxis und – zumindest bei Neuanlagen – das Ende der festen Einspeisevergütung, auf die sich Ökostromerzeuger bislang verlassen können. Die durch die EEG-Umlage finanzierte Einspeisevergütung wird Ökostromerzeugern derzeit für zwei Jahrzehnte garantiert, was den rasanten Ausbau der Erneuerbaren erklärt. Eine Direktvermarktung an Stadtwerke oder Unternehmen ist schon heute möglich. Ende 2012 machte sie bei Windenergie rund 80 Prozent aus, bei Solarenergie weniger als 10 Prozent. Mit der Pflicht zur Direktvermarktung würde die Marktprämie wichtiger.

          Was ist eine Marktprämie?

          Ökostrom ist noch immer teurer als Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken. Darum erhalten Ökostromerzeuger, die ihren Strom für einen vergleichsweise niedrigen Börsenpreis an Unternehmen verkaufen, eine Marktprämie. Diese Prämie gleicht für den Stromerzeuger die Differenz zwischen Börsenpreis und der höheren EEG-Einspeisevergütung aus. Von den rund 20 Milliarden Euro, die in diesem Jahr an Ökostromerzeuger ausgezahlt werden, macht die Marktprämie nach Berechnungen des BDEW 6,3 Milliarden Euro aus. Diese Marktprämie, in etwas veränderter Form, soll nach Wunsch des BDEW der neue Standard werden.

          Welche Vorteile hat eine Marktprämie?

          Auf den ersten Blick ist es für den Stromverbraucher egal, ob er den Ökostromausbau durch die EEG-Umlage oder die Marktprämie bezuschusst. Dabei wird übersehen, dass eine Marktprämie die Kalkulation für die Ökostromerzeuger grundsätzlich verändert. Dafür darf die Prämie nicht wie bislang die gesamte Differenz zur EEG-Vergütung ausgleichen, sondern nur ein kleines Extra je verkaufte Kilowattstunde garantieren. So entsteht für den Erzeuger der Anreiz, den Strom nur noch dann einzuspeisen, wenn der Preis an der Strombörse hoch ist, der Strom also vergleichsweise knapp ist. Nur dann kann er Geld verdienen. Gibt es ohnehin Strom im Überfluss (Börsenpreis geht gegen null), lohnt sich das Einspeisen nicht. Auf diese Weise wird der Erzeuger vom Subventionsempfänger zum Unternehmer.

          Was ist technisch für die Marktlösung notwendig?

          Bislang speisen Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen zwangsläufig sehr viel Strom ein, wenn das Wetter günstig ist. Deshalb fordert der BDEW – vereinfacht gesagt – einen Ausschalter für Ökostromanlagen. Nur so können Ökostromerzeuger auf die schwankenden Marktpreise reagieren. Eine Fernsteuerung würde Ökostromanlagen erst einmal teurer machen. In einem Marktmodell könnte sie die Wettbewerbsfähigkeit jedoch mittelfristig erhöhen. Unabhängig von der Art der Ökostromförderung ist der Netzausbau der technisch wichtigste Baustein für das Gelingen der Energiewende.

          Wie funktioniert ein Quotenmodell?

          In einem Quotenmodell, das alternativ diskutiert wird, erhalten die Stromversorger die Vorgabe, einen bestimmten Anteil Ökostrom in ihrem Energiemix aufzunehmen. Wie sie den nötigen Ökostrom beschaffen – ob aus Sonnen-, Bio-, Wind- oder Wasserenergie –, ist ihnen überlassen. Weil die Versorger nur den günstigsten Ökostrom kaufen würden, stünden die verschiedenen Erzeugungsarten im Wettbewerb. Zahlreiche Ökonomen machen sich für diese Lösung stark, sie versprechen sich vom Quotenmodell die niedrigsten Preise für die Endkunden.

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