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Energiewende : „Auf uns rollt ein Kosten-Tsunami zu“

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Die Arbeitsplätze zählen nicht?

Erstens werden die Arbeitsplätze sehr teuer erkauft. Mit diesen Milliardensubventionen ließen sich auch an anderer Stelle Arbeitsplätze schaffen, sofern in der Nettobetrachtung überhaupt welche entstehen, denn das Geld fehlt ja an anderer Stelle. Und zweitens sind hohe Einspeisevergütungen auch kein Mittel gegen die chinesische Konkurrenz.

Deshalb haben die Vereinigten Staaten Anti-Dumping-Zölle gegen chinesische Lieferungen verhängt. Sollte Europa folgen?

Der internationale Wettbewerb hält schlank und macht erfinderisch. In der Solarindustrie hat man stattdessen jahrelang einen Streichelzoo betrieben. Und jetzt versucht man diese Tiere auszuwildern, und das geht schief. Da hilft es auch nicht, wenn die Preise für Solarpanels ein bisschen steigen. Und für Klimaschutz und Versorgungssicherheit ist es ohnehin egal, ob die Solarpanels aus China oder aus Deutschland kommen. Jetzt scheint es vor allem um Industriepolitik zu gehen.

Und wo bleibt der Klimaschutz?

Inzwischen ist es ziemlich offensichtlich, dass die Förderung der Erneuerbaren in Deutschland dem Klima nicht hilft. Die Energiewende vermindert die Wirksamkeit des europäischen Emissionshandelssystems. Wir brauchen weniger Zertifikate, die Preise für die Verschmutzungsrechte sinken. Was wir hier an Emissionen einsparen, wird anderswo wieder ausgestoßen.

Muss Europa die Emissionsrechte verknappen?

Auf jeden Fall muss das Emissionshandelssystem effizienter werden, auch indem wir weitere Industrien einbeziehen, und auch den Individualverkehr und den Wärmemarkt. Die Politik und viele Wissenschaftler denken heute über die falschen Probleme nach. Der Klimaschutz ist gar nicht mehr auf der Agenda. Diese Fehlallokation intellektueller Ressourcen ist eigentlich das größte Problem der Energiewende: Alle denken über die Energiewende nach und niemand mehr über echten Klimaschutz.

Hätte es Alternativen zu dem jetzt vorgelegten teuren Netzentwicklungsplan gegeben?

Es gibt immer Alternativen, sonst benötigte man keine Politik mehr, die Entscheidungen trifft. Der Netzausbau verläuft sehr stark in Nord-Süd-Richtung. Man könnte auch mehr Ost-West-Leitungen bauen, um Deutschland enger an den europäischen Binnenmarkt anzuschließen. So ließen sich etwa Schwankungen im Aufkommen von erneuerbarem Strom leichter auffangen, schon deshalb, weil die Spitzenlastzeiten in Europa nicht überall gleich sind.

Teuer wird es vor allem deshalb, weil der Strom aus dem Norden nach Süden transportiert werden muss.

Man könnte die erneuerbaren Energien auch verbrauchernäher aufbauen, um Netzkosten zu sparen. Aber der Anreiz dafür ist gering, weil Stromerzeugung und Netze voneinander getrennt sind. Seit der Entbündelung ist den Stromerzeugern relativ egal, ob ihre Anlagen verbrauchsnah oder -fern stehen, weil sie die notwendigen Leitungen nicht mehr direkt bezahlen müssen. Es fehlt eine verursachergerechte Zuordnung der Kosten, so dass gesamtwirtschaftlich suboptimale Ergebnisse herauskommen.

Je mehr erneuerbarer Strom ins Netz kommt, desto uninteressanter wird der Bau neuer Gas- und Kohlekraftwerke, die notfalls an sonnenarmen und windstillen Tagen einspringen. Muss der Staat eingreifen?

Wir sollten lieber die Grenzkuppelstellen ausbauen und unser Stromnetz enger mit den europäischen Nachbarstaaten verzahnen. Und wenn es tatsächlich ohne staatlich unterstützte Kapazitätsmärkte nicht gehen sollte: Dann bitte in europäischer Regie. Das ist eine Aufgabe für die EU-Kommission und die Gruppe der europäischen Regulierer. Je kleinteiliger man versucht, Spitzenlast abzufangen, desto mehr Überkapazitäten würden entstehen und desto teurer würde es.

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