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Energiekosten : Öko-Strom so billig wie nie zuvor

Ökostrom kann billig sein:am Freitag kostete die Kilowattstunde an der Börse weniger als 3 Cent Bild: dpa

Obwohl Strom aus Wind-, Sonne- und Biomasseanlagen so günstig wie nie zuvor ist, profitieren die Verbraucher nicht davon. Grund ist die Fördermechanik des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

          Strom aus Wind-, Sonne- oder Biomasseanlagen ist so billig wie nie zuvor. An der Strombörse EEX wurden im Mai nur noch 3,25 Cent je Kilowattstunde für Ökostrom bezahlt. „So niedrig war der Preis noch nie“, sagte ein Sprecher des Netzbetreibers Amprion auf Anfrage dieser Zeitung. Im Februar hatte der Verkauf einer Kilowattstunde Ökostrom an der Börse noch 4,4 Cent erbracht. Der Preisverfall spiegelt die insgesamt sinkenden Strompreise an der Börse. Aktuell kostete am Freitag dort die Kilowattstunde sogar weniger als 3 Cent.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die meisten Verbraucher und viele Unternehmen profitieren aber nicht von dem niedrigen Börsenpreis. Grund ist die Fördermechanik des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Denn die Erzeuger bekommen einen auf 20 Jahre garantierten Festpreis und die Zusage, dass ihr Strom abgenommen wird. An der Börse führt das zu einer von der Nachfrage losgelösten Angebotsausweitung.

          Wahrscheinlich muss die Umlage 2014 angehoben werden

          Die Zahlen der Netzbetreiber belegen das: Während im Februar nur 3.250 Gigawattstunden Ökostrom vermarktet wurden und der Preis bei knapp 4,4 Cent die Kilowattstunde lag, stieg das Angebot im Mai um mehr als 80 Prozent auf 5.900 Gigawattstunden, wobei der Preis ein Viertel nachgab. Deutlich wird das Dilemma, wenn man den aktuellen Preis mit dem vergleicht, der bei der Kalkulation der Umlage zugrunde lag: Das waren gut 5 Cent je Kilowattstunde.

          Die Entwicklung hat kurzfristige und langfristige Folgen. Auf kurze Sicht müssen die Netzbetreiber den Erzeugern mehr zahlen, als sie an der Börse erlösen oder mittels Umlage von den Verbrauchern kassieren. Deshalb ist es auf längere Sicht wahrscheinlich, dass die Umlage 2014 angehoben werden muss, weil wieder ein hohes Defizit aufläuft.

          Tatsächlich sind im Mai die Ausgaben für die Ökostromförderung mit 1,98 Milliarden Euro den Einnahmen von 1,86 Milliarden Euro davongelaufen. Erstmals in diesem Jahr verbuchten die Netzbetreiber auf dem EEG-Ausgleichskonto einen Verlust. Er waren 118 Millionen Euro. Da es trotz Anhebung der Umlage von 3,6 auf 5,3 Cent je Kilowattstunde nicht gelungen war, das im Vorjahr aufgelaufene Defizit bis April abzubauen, schieben die Netzbetreiber nun ein Minus von einer halben Milliarde Euro vor sich her.

          Auf die Folgen hat Umweltminister Peter Altmaier (CDU) noch einmal hingewiesen. In einem Brief an seine Länderkollegen heißt es: „Nach uns vorliegenden Informationen ist ein weiterer deutlicher Anstieg der EEG-Umlage auf über 6 Cent wahrscheinlich.“ Zugleich warnte er davor, dass wegen des Scheiterns der von ihm vorgeschlagenen „Strompreisbremse“ der Druck der EU-Kommission auf EEG-Veränderungen wachse.

          Brüssel sieht in der Befreiung vieler Betriebe von der Zahlung der EEG-Umlage eine verbotene Subvention. Noch ist das Verfahren nicht eröffnet. Aber Altmaier schreibt nun, die schleppende Debatte um eine EEG-Reform habe in der Kommission „zu Beunruhigung geführt, da man davon ausgeht, dass es noch lange Zeit dauern kann, bis es zu einem Konsens über die grundlegende Reform des EEG kommt“. Rot-Grün hatte die Strompreisbremse im Bundesrat gestoppt.

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