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Energie : Intelligente Stromzähler sind oft unintelligent

  • -Aktualisiert am

Alles digital: Neue Stromzähler in Deutschlands Kellern Bild: Sick, Cornelia

Bis zum Jahr 2022 will die EU den Stromverbrauch in 80 Prozent der Privathaushalte mit „intelligenten“ Stromzählern messen lassen. Ein neues Gutachten zeigt jetzt: Die Kosten für den Einbau übertreffen die erwartbaren Einsparungen deutlich.

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          Der flächendeckende Einbau von sogenannten „intelligenten“ Zähl- und Messsystemen für den Stromverbrauch ist unwirtschaftlich, weil die Kosten die erwartbaren Einsparungen weit übertreffen. Zu dem Ergebnis kommt ein Gutachten der Beratungsgesellschaft Ernst & Young im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. Es stützt die Position der Regierung, anders als in anderen Mitgliedsländern der EU, den Einbau der sogenannten „smart meter“ nicht pauschal vorzuschreiben.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Vielmehr soll die Technik auf die von wachsender Einspeisung regenerativer Energien geprägte deutsche Situation angepasst werden. Im Kern geht es um eine effizientere Steuerung der Ökostromeinspeisung und eine optimale Auslastung der Netze. Die von der EU angestrebte allgemeinverbindliche Einbauquote intelligenter Messsysteme in 80 Prozent der Privathaushalte bis 2022 sei in Deutschland „für den Großteil der Kundengruppen wirtschaftlich nicht zumutbar“, urteilen die Gutachter.

          Empfohlen wird eine Konzentration auf spezielle Kunden

          „Ein Systemkostenbeitrag von 29 Euro im Jahr und Kunde zusätzlich zum heutigen Entgelt für Messstellenbetrieb, Messung und Abrechnung in durchschnittlicher Höhe von 21,60 Euro war nicht zu rechtfertigen.“ Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Kapferer hält eine Einbaupflicht für unverhältnismäßig.

          Von den Geräten erhoffen sich Befürworter, dass Kunden leichter herausfinden, wann sie viel Strom verbrauchen, und das dann ändern, etwa indem sie ihre Maschinen zu anderen Tageszeiten zu günstigeren Tarifen laufen lassen. Statt einer pauschalen Einbaupflicht empfehlen die Gutachter, sich auf jene Kunden und Erzeuger zu konzentrieren, die das Stromsystem besonders be- oder entlasten. Dazu gehöre, Kleinsterzeuger von Ökostrom mit Regeltechnik auszustatten, um sie so in eine Netzfernsteuerung einzubeziehen.

          Damit stehe an erster Stelle eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes: Sie wollen die Einspeisung des Ökostroms besser steuern. Würden Erzeugungsspitzen „abgeriegelt“, könnte auf Investitionen von Hunderten Millionen Euro in die Verstärkung lokaler und regionaler Stromnetze verzichtet werden. Dazu müssten die Netzbetreiber die Anlagen fernsteuern und sie abschalten können. Heute ist das nur in Notfällen möglich, auch besteht eine Abnahmepflicht des Ökostroms für Netzbetreiber.

          Den Gutachtern schwebt vor, die Jahresproduktion der Ökostromanlagen um maximal 5 Prozent zu kappen. In der Regel dürften das Erzeugungsspitzen sein, die das Netz an seine Belastungsgrenzen oder darüber hinaus bringen. Nur so kehre sich die Belastung für die Volkswirtschaft um in einen Vorteil von 1,6 Milliarden Euro. Auch mit diesem Vorgehen werde schrittweise die von der EU verlangte Umrüstung auf moderne Messtechnik erreicht. Schon seit 2010 ist bei Neubauten und Grundrenovierungen der Einbau von „smart meter“ vorgeschrieben.

          Kostenfrei wird das für die Haushalte nicht

          Bis zum Jahr 2022 könnten zwei Drittel aller Haushalte durch den turnusmäßigen Wechsel der Zähler mit den modernen Messsystemen ausgestattet sein. Kostenfrei wird das für die Haushalte dennoch nicht. Die Gutachter schlagen eine Mischfinanzierung vor, nach der die Nutzer moderner Mess- und Regelsysteme mit 72 Euro im Jahr den höchsten Beitrag übernehmen. Die, die nur „intelligente“ Zähler verwendeten, wären mit 42 Euro dabei.

          Wer die neue Technik gar nicht nutzt, müsste dennoch die „Systemkosten“ mit 8 Euro im Jahr solidarisch mitfinanzieren. Dazu sind keine politischen Entscheidungen gefallen, eine Arbeitsgruppe mit der Netzagentur werde sich um den Finanzierungsmechanismus kümmern, erklärte Staatssekretär Kapferer und versprach: „Die Bezahlbarkeit von Energie für den Verbraucher ist dabei oberste Leitlinie.“

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