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Der Bau von Bard Offshore 1 : Ein Meereskraftwerk feiert Bergfest

  • -Aktualisiert am

Käufer dringend gesucht: Noch gehört Unicredit der Meereswindpark Bild: Bard

Die erste Hälfte des Meereswindparks Bard Offshore ist fertig, 40 Turbinen drehen sich auf hoher See. Das Unternehmen sucht aber weiter dringend nach einem Investor.

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          Erfolgsmeldungen sind rar in der noch jungen deutschen Meereswindindustrie, und deshalb ist ein „Bergfest“ eine herausragende Sache, findet Michael Baur, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Bard Holding GmbH. Insgesamt 80 Windräder sollen sich im Nordsee-Windpark Bard Offshore 1 spätestens Anfang 2014 drehen, 40 Anlagen mit einer Leistung von jeweils 5 Megawatt hat das Unternehmen inzwischen ans Netz gebracht. Damit sei Bard viel weiter als all die anderen ambitionierten Errichter in der deutschen See, sagt Baur. Und für die restlichen Windturbinen in seinem Park, für die schon viele Vorarbeiten erledigt wurden - so wurden schon mehr als 70 Fundamente und Stützkreuze am Meeresgrund angebracht - ist dem Bard-Chef auch nicht bang. „Wir wissen, dass wir jetzt im Sommer ein gutes Finish hinlegen müssen. Der Zeitplan wird gehalten“, verspricht er.

          Pionier-Rolle mit vielen Tücken
           

          Bard hätte diesen Erfolg auch dringend nötig. Denn die Pionier-Rolle in der deutschen Offshore-Branche ist dem Unternehmen lange nicht gut bekommen. Der Gründer Arngolt Bekker wollte alles in Eigenregie machen, von der Projektierung des Parks über den Bau der Windturbinen in eigener Fertigung bis hin zur Errichtung und Betrieb der Anlagen. Ende 2011 sollte alles fertig sein, aber Bekker und seine finanzierende Großbank Unicredit hatten gewaltig das Neuland unterschätzt, das sie rund 100 Kilometer nordwestlich von Borkum in 40 Meter Wassertiefe betraten. Die Kosten explodierten, der Zeitplan musste ein ums andere Mal gestreckt werden. Ende 2010 musste Bekker seine Mehrheitsanteile auf Druck der Kreditgeber an einen Treuhänder abgeben.

          Investor muss bis Sommer gefunden sein

          Der sucht seitdem vergebens nach einem neuen Investor sowohl für das Unternehmen als auch für den Park und das direkt daneben liegende, ebenfalls in Bard-Besitz befindliche Areal Veja Mate. Dieser „Schwesterpark“ sei fertig entwickelt und habe auch eine feste Netzzusage, erläutert Baur. Im Grunde könnte auch dort der Bau rasch beginnen – wenn sich denn Geldgeber fänden.


          Gute Gründe, das Unternehmen Bard mit seinen derzeit rund 1000 Mitarbeitern – davon etwa 500 auf hoher See im Einsatz – zu übernehmen, gibt es seiner Ansicht nach genügend. Niemand sonst habe so viel Erfahrung mit dem Bau von Windrädern in der schwierigen Nordsee gesammelt, kein anderes Unternehmen kenne die Tücken in der Offshore-Logistik so gut wie Bard, wirbt Baur. Große Fehler habe man anfangs gemacht, ein richtiges Projektmanagement gab es lange nicht, räumt der Bard-Chef ein, der in seinem Hauptberuf Deutschland-Leiter der Unternehmensberatung Alix Partners ist und die Bard-Geschäftsführung als Interimsmanager im vergangenen Sommer übernommen hat. Einen Teil seiner vielen Aktivitäten hat Bard inzwischen eingestellt, die eigene Rotorblattfertigung etwa, aber auch das Errichten der Fundamente. Die Tochtergesellschaft Cuxhaven Steel Construction (CSC, 120 Mitarbeiter) wurde deshalb „eingefroren“, wie Baur es formuliert. „Das ist ein Musterbetrieb, aber wenn es keine Folgeaufträge gibt, dann nutzt das nichts“, sagt er. Auch ein Verkauf der CSC scheiterte bislang an diesem Auftragsmangel.

          Großes Know-how im Offshore-Bau


          Bard habe aber trotz der vielen negativen Schlagzeilen eine gute Zukunft, hofft Baur. Als Spezialist für die Planung, Errichtung und Inbetriebnahme von Meereswindparks verfüge Bard über ein enormes Know-how. „Wir haben, was es am Markt sonst nicht gibt“, sagt Baur. Doch viel Zeit hat der Treuhänder nicht mehr. Bis zum Sommer müsse ein neuer Besitzer gefunden sein. Sonst seien die vielen Fachleute in der Bard-Mannschaft nicht zu halten.

          Strompreisbremse verärgert

          Dass die Bundesregierung ausgerechnet jetzt mit der sogenannten Strompreisbremse eine schnelle Änderung der Einspeisevergütung auch für Meereswindstrom durchsetzen will, ärgert Baur deshalb sichtlich. Das habe zu einer Art Schockstarre geführt, sagt er, die Investoren zögerten nun noch mehr. Wenn die Regierung den Bau der Nordsee-Parks wirklich wolle, dürfe sie eine Industrie, die sich noch im Frühstadium ihrer Entwicklung befinde, nicht in einen Topf werfen mit den etablierten Photovoltaikanlagen oder den Windparks an Land. Sonst drohe an der deutschen Küste, wo sich viele Werften und Häfen auf eine Offshore-Zukunft umgerüstet haben, eine neue Industriebrache. „Die Investoren denken europäisch, und im Augenblick ist es für sie viel attraktiver, Parks in englischen Gewässern zu bauen. Deshalb verlegen sie ihre Aktivitäten dorthin“, warnt Baur – eine Einschätzung die zum Beispiel auch im Energiekonzern RWE geteilt wird.


          Um den Weiterbetrieb des Parks Bard 1 macht er sich dagegen keine Sorgen. Die Unicredit ist über die Gesellschaft Ocean Breeze inzwischen Eigentümerin des Offshore-Parks und will die Anlagen vorerst behalten – bis sie einen Käufer gefunden hat. Dass die Großbank mit Bard schon viel Geld verloren hat, ist unbestritten; unbestätigten Meldungen aus der Finanzwelt zufolge summieren sich die Baukosten für Bard 1 inzwischen auf fast 3 Milliarden Euro und die Abschreibungen auf die Unicredit-Kredite dürften immens sein. Aber je mehr Windräder sich auf dem Areal drehen, desto mehr laufende Einnahmen erhält die Bank und desto höher sind die Verkaufschancen. „Die größte Herausforderung auf See sind die Technik und die Logistik“, sagt Baur. Werden sie beherrscht, dann könnten solche Parks in der Nordsee auch für die veranschlagten 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro errichtet werden, zeigt er sich sicher.

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