https://www.faz.net/-gpf-yglm

Atomprogramm wird überprüft : China legt Reaktorbau nun doch auf Eis

Bild:

Noch am Montag zeigte sich die chinesische Regierung unbeeindruckt: Ungeachtet der Katastrophe in Japan kündigte China im Fünfjahresplan ein massives Aufstocken seines Atomprogramms an. Jetzt überdenkt die chinesiche Zentralregierung doch das Programm.

          Angesichts der Katastrophe in Japan überdenkt China nun doch sein Atomprogramm. Die Genehmigung neuer Kernkraftwerke werde vorübergehend ausgesetzt, gab die Zentralregierung am Mittwoch bekannt. Zunächst müssten alle Sicherheitsfragen geklärt werden. Alle bestehenden Anlagen liefen aber weiter und seien sicher. Kein anderes Land der Welt baut und plant so viele Reaktoren wie China.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Gemäß dem gerade beschlossenen Fünfjahresplan soll die Kapazität bis 2015 von 10,8 auf 40 Gigawatt erhöht werden. Bis 2020 sind 80 Gigawatt vorgesehen. Noch zu Wochenbeginn hatte die Regierung keinen Grund gesehen, von ihrem Kurs abzuweichen (siehe China baut mehr Atomreaktoren als jedes andere Land ). Am Mittwoch hieß es hingegen: „Wir müssen die Dringlichkeit und Wichtigkeit nuklearer Sicherheit einsehen und ihr in der Entwicklung der Kernkraft Vorrang geben.“ Für Unbehagen sorgten Gerüchte über eine aus Japan heranziehende verseuchte Wolke. Dem trat die Weltgesundheitsorganisation WHO entgegen. Es gebe bisher keine Anhaltspunkte für eine internationale Gefahr, sagte ein WHO-Vertreter in Peking.

          Von den 65 auf der Welt im Bau befindlichen Atommeilern entstehen 27 in China, vor allem an den Küsten, wo der meiste Strom benötigt wird. Sie werden jetzt alle überprüft. In der Vergangenheit hat es vereinzelt Warnungen vor den Gefahren von Naturkatastrophen für die Sicherheit gegeben, insbesondere von Erdbeben. Auch gilt die Endlagerung als ungelöst. Im Kraftwerk Daya Bay in der Nähe von Hongkong zeigten sich kürzlich zwei kleinere Lecks. China baut seit den achtziger Jahren Kernkraftwerke, begonnen wurde mit einer Eigenentwicklung aus dem Atomwaffenprogramm heraus. Die meisten Anlagen entstehen mit ausländischer Technik. Inzwischen plant Chinas Atomindustrie aber ebenfalls Exporte, als erstes nach Pakistan.

          Weitere Themen

          Trump kritisiert toten McCain Video-Seite öffnen

          „Ich war nie ein Fan“ : Trump kritisiert toten McCain

          McCain habe ein gefälschtes Dossier an das FBI weitergegeben ohne ihn zu informieren, sagte Trump weiter. Zudem habe er gegen die Krankenversicherung Obamacare in Arizona gekämpft, in der entscheidenden Abstimmung aber dafür gestimmt.

          Drag Queen will in die Politik Video-Seite öffnen

          Thailand : Drag Queen will in die Politik

          Natalia Pliacam will als Drag Queen die Politik. Zielgruppe sind die Schwulen und Lesben des Landes. Er möchte Geschlechterrollen aufbrechen und beweisen, dass die thailändische Gesellschaft reif für neue Töne sind.

          Topmeldungen

          Wahlen in den Niederlanden : Das Potential der Rechtspopulisten

          Zwei sehr unterschiedliche Politiker versprechen den Niederländern ein Ende der Einwanderung und einen Austritt aus der EU. Baudet und Wilders sind Konkurrenten. Aber sie schöpfen aus einem großen Wählerreservoir.
          In den vergangenen Jahren erreichten immer mehr Menschen unterschiedlicher Schichten höhere Bildungsabschlüsse. Wird sich dies ändern? (Symbolbild)

          Modernisierung : Das absehbare Ende des Aufstiegs

          Gesellschaftliche Modernisierung und die Zunahme der höheren Bildung gehen Hand in Hand. Für die unteren Schichten ging es jahrzehntelang nach oben. Damit könnte irgendwann Schluss sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.