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Energiewende : Atommoratorium gefährdet Netzstabilität

Nach der Einigung von Bund und Ländern auf einen Zeitplan für die Energiewende ist eine heftige Debatte um die Kosten entbrannt Bild: dapd

Laut Bundesnetzagentur unterbleiben derzeit notwendige Arbeiten zu Ausbau und Wartung des Netzes. In der Debatte über die Kosten verweist Greenpeace auf eine Studie, wonach Strom aus Wind- und Wasserkraft bereits deutlich billiger ist als Atom- und Kohlestrom.

          Das Atommoratorium der Bundesregierung zeigt erste Folgen für die Versorgungssicherheit. Nach Angaben der Bundesnetzagentur unterbleiben derzeit dringend nötige Arbeiten zum Ausbau des Netzes ebenso wie Wartungs- und Reparaturarbeiten. Die Netzbetreiber wagten nicht, Leitungen kurz abzuklemmen, weil sie einen großen Stromausfall befürchteten, berichtete die F.A.S. Seit der Abschaltung der acht Kernkraftwerke sei die Situation im deutschen Hochspannungsnetz kritisch wie nie zuvor. Die Bundesnetzagentur hatte in ihrem Bericht für die Regierung über die Auswirkungen des Moratoriums darauf hingewiesen, dass die Netzsituation im Sommerhalbjahr voraussichtlich beherrschbar sei, es aber im Herbst und Winter zu Schwierigkeiten kommen könne.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          In ihrem Bericht für die Bundesregierung fordert die Bundesnetzagentur die Koalition dazu auf, vor weiteren Maßnahmen die konkreten Berechnungen der Energieversorger abzuwarten. Für zusätzliche Stilllegungen von Kraftwerkskapazitäten gebe es derzeit „keinen Puffer“, warnt die Behörde. Die Netzbetreiber sorgen sich vor allem über ein erhöhtes Risiko bei außergewöhnlichen Ereignissen. Der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgungsunternehmens EnBW, Hans-Peter Villis, forderte daher am Wochenende einen „Stresstest“ zur Leistungsfähigkeit des Stromnetzes.

          Greenpeace: Atomstrom kostet fast doppelt so viel wie Wasserkraft

          In die Diskussion über die Kosten der Energiewende, die nach Einschätzung von Fachleuten einen zweistelligen Milliardenbetrag im Jahr erreichen könnten, hat sich am Wochenende die Umweltorganisation Greenpeace mit einem Gutachten eingemischt. Nach der Studie ist Strom aus Wind- und Wasserkraft unter Berücksichtigung aller Kosten schon heute deutlich billiger als Atom- und Kohlestrom. Atomstrom koste in Wirklichkeit fast doppelt so viel wie Wasserkraft und zwei Drittel mehr als Windenergie, heißt es in der Studie, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) erstellt hat. Dabei werden alle Stromkosten, staatliche Förderungen sowie externe Kosten wie Umweltschäden addiert, die den jeweiligen Energieträgern zurechenbar sind.

          Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, eine Kilowattstunde Windstrom habe 2010 7,6 Cent und Wasserstrom 6,5 Cent gekostet. Die Gesamtkosten für Strom aus Braun- und Steinkohle beliefen sich hingegen auf 12,1 Cent und für Atomkraft auf 12,8 Cent je Kilowattstunde. Photovoltaik sei aber noch deutlich teurer und habe 46,5 Cent gekostet. „Bislang wurden die Verbraucher über den wahren Preis von Kohle und Atom dadurch getäuscht, dass ein Großteil der Kosten gar nicht auf der Stromrechnung auftaucht“, sagte Robert Werner, Vorstand von Greenpeace Energy. Die gesellschaftlichen Kosten für Atom und Kohle würden nicht ehrlich beziffert. Die Atomstromindustrie habe in den vergangenen 40 Jahren von 186 Milliarden Euro staatlicher Förderung profitiert. Der Steinkohle seien 165 Milliarden Euro und der Braunkohle 57 Milliarden Euro zugutegekommen. Die erneuerbaren Energien hätten 28 Milliarden Euro erhalten, einschließlich der Kosten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

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