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Atomausstieg : Netzbetreiber warnen vor Blackouts

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Gerade im Winter könne es zu kaum beherrschbaren Situationen kommen, warnen die Netzbetreiber Bild: dapd

Vier Netzbetreiber warnen angesichts des möglichen Aus für mehrere Kernkraftwerke vor Stromausfällen vor allem bei Lieferengpässen im Winter. Umweltminister Röttgen nimmt den Aufruf sehr ernst und spricht von „keiner leichten Situation“.

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          Die Bundesregierung will bei einem Atomausstieg kein unkalkulierbares Risiko für das Stromnetz eingehen und nimmt die neuesten Blackout-Warnungen der Netzbetreiber ernst. „Das ist keine leichte Situation“, sagte die Sprecherin von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Montag in Berlin. Die Lage sei schwierig, aber beherrschbar. Es gehe nun vor allem um ein kluges Netzmanagement, da neue Stromnetze nicht von heute auf morgen gebaut werden könnten.

          Zuvor hatten die Übertragungsnetzbetreiber ENBW Transportnetze AG (Karlsruhe), 50Hertz (Berlin), Amprion (Dortmund) und Tennet (Bayreuth) davor gewarnt, dass es bei einem dauerhaften Aus für bis zu acht Kernkraftwerke gerade im Winter zu kaum noch beherrschbaren Situationen kommen könnte. Als Gründe nannten sie die geringere Menge von Solarstrom und weniger Importmöglichkeiten, da andere Länder dann auch einen erhöhten Strombedarf haben.

          „Die Übertragungsnetzbetreiber werden dafür sorgen, dass es dazu nicht kommt“, betonte die Sprecherin mit Blick auf die Sorge vor flächendeckenden Ausfällen. „Die Versorgungssicherheit ist oberstes Gebot bei der Energiewende.“ Daher würde bei den anstehenden Entscheidungen diesem Aspekt höchste Priorität eingeräumt.

          Die Anti-Atom-Organisation „Ausgestrahlt“ wies die Warnung der Netzbetreiber sogar mit Vehemenz zurück. Der Sprecher der Organisation verwies am Montag in Berlin darauf, dass zwei von vier Übertragungsnetzbetreibern im Besitz der Akw-Eigentümer RWE und ENBW seien. Entsprechend seien „ihre Prognosen bezüglich Stromengpässen interessengeleitet und mit Vorsicht zu genießen“.

          Nur noch 4 von 17 Atomkraftwerken liefern Strom

          Wegen der Katastrophe in Japan hatte die Regierung acht Meiler im Zuge eines Moratoriums zeitweise stillgelegt, was das Netz vor neue Herausforderungen stellt. Wegen Wartungsarbeiten in fünf weiteren Anlagen liefern derzeit nur noch 4 der 17 Atomkraftwerke in Deutschland Strom. Am 6. Juni will die Regierung über den Atomausstieg entscheiden.

          Röttgens Sprecherin sagte nicht, ob die Warnungen konkrete Auswirkungen darauf haben könnten, wie viele Atomkraftwerke nach Ende des Moratoriums im Juni für immer vom Netz bleiben müssen. Die gesicherte Leistung, die zur Verfügung steht, werde immer höher sein, als der zu Spitzenzeiten benötigte Strom, betonte die Sprecherin. Es gehe vor allem um ein Transport-, nicht um ein Angebotsproblem.

          Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums betonte, im Winter gebe es generell einen hohen Verbrauch bei wenig Einspeisung von Solarstrom. Dieses Szenario werde derzeit von der Bundesnetzagentur noch einmal analysiert.

          Diese sieht sogar dank des Sonnenstroms derzeit keine konkrete Blackout-Gefahr für das Netz. Denn ausgerechnet die häufig als zu teuer geschmähte Solarenergie federt derzeit den Ausfall von 13 der 17 deutschen Atomkraftwerke etwas ab. Je nach Wetterlage konnten zuletzt gerade um die Mittagszeit, wo besonders viel Strom verbraucht wird, bis zu 13,5 Gigawatt (GW) Leistung aus Solaranlagen in das Netz eingespeist werden. Das ergibt sich aus Zahlen der Strombörse in Leipzig.

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