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Energie : Die Renaissance der Kernkraft

Deutschland schwimmt mit dem Atomausstieg gegen den Strom Bild: ddp

Insgesamt sind in der EU derzeit 158 Kernkraftwerke am Netz. Weitere sind auf der ganzen Welt in Planung. Dass die Kommission nun vorprescht, bringt Bundeskanzlerin Angela Merkel in einen Zwiespalt.

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          Anfang Dezember fand in Wien ein außergewöhnliches Seminar statt. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), eine Agentur der Vereinten Nationen, veranstaltete einen „technischen Workshop“ für Länder, die über den Einstieg in die Atomenergie nachdenken. Das Interesse war bemerkenswert groß: Nicht weniger als 28 Staaten, die derzeit keine Kernkraftwerke haben, schickten Vertreter.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          „Es gibt ein steigendes Interesse an der Verwendung der Kernenergie zur Stromerzeugung und zur Wasserentsalzung“, stellte Yuri Sokolov zufrieden fest, der zuständige Abteilungsleiter der IAEA. Ein deutscher Diplomat war freilich nicht erschienen. Was hätte ein Land, das aus der Atomenergie aussteigen will, auf einer solchen Veranstaltung auch sagen sollen? (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial zur Energiestrategie: Besser hart)

          Merkel im Zwiespalt

          In der Europäischen Union gibt es keine einheitliche Atompolitik. Zwar hat die EU-Kommission am Mittwoch ein Strategiepapier vorgelegt, in dem sie für den Ausbau der Atomenergie wirbt, um die Union vom russischen Gas und Öl unabhängig zu machen und die EU-Klimaschutzpolitik voranzutreiben (Siehe auch: EU-Kommission setzt auf Atomenergie). Energiekommissar Andris Piebalgs sagte in Brüssel, mit Hilfe der Kernenergie könne Strom nahezu ohne Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen erzeugt werden. Doch spricht die Kommission zurzeit nicht einmal für die EU-Ratspräsidentschaft. Die deutsche Bundesregierung hat für 2007 eine energiepolitische Initiative angekündigt, wollte dabei die Kernenergie aber aussparen.

          Dass die Kommission nun vorprescht, bringt Angela Merkel in einen Zwiespalt: Als CDU-Vorsitzende unterstützt sie das Anliegen Brüssels, als Bundeskanzlerin einer großen Koalition muss sie aus Rücksicht auf die SPD den deutschen Status quo - also den rot-grünen Atomausstiegsbeschluss - wahren. Bundesumweltminister Gabriel (SPD) schimpfte am Mittwoch denn auch, Atomkraft sei enorm risikobehaftet. Zudem hätten 17 von 27 EU-Mitgliedstaaten einen Verzicht auf Atomkraftwerke verfügt oder nutzten die Kernenergie gar nicht zur Stromherstellung.

          Neue Kernkraftwerke auf der Insel?

          Insgesamt sind derzeit in der EU 158 Kernkraftwerke in 16 Ländern am Netz. Sieben Länder der Union bauen zudem neue Atommeiler beziehungsweise planen den Ausbau ihrer Atomkraftwerke beziehungsweise den Einstieg in die Kernkraft. In Frankreich, das zur Zeit über 59 Atomkraftwerke verfügt, soll schon 2012 ein neuer Reaktor ans Netz gehen. Ein weiterer ist in Planung. In Großbritannien, das sich demonstrativ dem Klimaschutz verschrieben hat, hat die Regierung von Premierminister Blair im Sommer vergangenen Jahres angekündigt, ein deutlich vereinfachtes Genehmigungsverfahren einzuführen, um den Bau neuer Kernkraftwerke zu ermöglichen. Ein Energiebericht der Regierung deutete an, dass langfristig auf der Insel sechs bis zehn neue Kernkraftwerke gebaut werden könnten.

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