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Empfängnisverhütung : Die Kirche und die Kondome

Gefeiert: Der Papst in Kamerun Bild: dpa

Mit seiner Äußerung über Kondome hat Benedikt XVI. noch einmal bekräftigt, was Papst Paul VI. 1968 in einer der strittigsten päpstlichen Verlautbarungen ausführlich dargelegt hatte. Aber die katholische Moraltheologie ist über die Verwendung von Präservativen uneins.

          Mit seiner Äußerung über die Verwendung von Kondomen vom Dienstag hat Papst Benedikt XVI. im Wesentlichen noch einmal das bekräftigt, was Papst Paul VI. im Jahr 1968 in der Enzyklika „Humanae vitae“ – einer der strittigsten päpstlichen Verlautbarungen der vergangenen Jahrzehnte – ausführlich dargelegt hatte und seine Nachfolger wiederholt bestätigt haben.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          In diesem Lehrschreiben, das den Untertitel „Über die rechte Ordnung und Weitergabe des menschlichen Lebens“ trägt, lehnt Paul VI. künstliche Mittel der Empfängnisverhütung unter Berufung auf ein „natürliches Sittengesetz“ als in sich „verwerflich“ ab. Jeder „eheliche Akt“ müsse auf die Erzeugung menschlichen Lebens hingeordnet bleiben. „Liebende Vereinigung“ und „Fortpflanzung“ stünden „in einer von Gott bestimmten unlösbaren Verknüpfung“, die der Mensch nicht eigenmächtig auflösen dürfe.

          „Stumpf geworden“

          Hinter dieser Argumentation steht die traditionelle katholische Lehre vom Naturrecht. Was genau unter Naturrecht zu verstehen ist, ist eines der umstrittensten Themen der Theologie. Im Gespräch mit dem deutschen Philosophen Jürgen Habermas sagte Joseph Kardinal Ratzinger im Jahr 2004, die Idee des Naturrechts setze „einen Begriff von Natur voraus, in dem Natur und Vernunft ineinander greifen, die Natur selbst vernünftig ist“. Ratzinger sagte weiter, „mit dem Sieg der Evolutionstheorie“ sei dieses Instrument aber „stumpf geworden“.

          Gegen die Auffassung, dass Verhütung der Hinordnung des Geschlechtsaktes auf die Zeugung widerspreche, wenden Kritiker ferner ein, dass man sich dann auch konsequenterweise nicht die Barthaare schneiden dürfe, die auch von der Natur auf Wachstum hingeordnet seien. Diese Kritik lässt allerdings außer Acht, dass Naturrecht im Unterschied zum Naturgesetz erst durch die Vernunft erkannt werden muss, um Wirkung zu entfalten.

          Geschlechtsakt und Zeugung dürfen nicht eigenmächtig voneinander getrennt werden

          Nach katholischer Auffassung kann keineswegs aus jeder natürlichen Gegebenheit abgelesen werden, dass der Mensch darin nicht verändernd eingreifen darf. Zu denjenigen sittlichen Gesetzen, die dem Mensch von Natur aus zu eigen sind, zählt nach Auffassung des kirchlichen Lehramtes auch, dass Geschlechtsakt und Zeugung nicht eigenmächtig voneinander getrennt werden dürfen. Sehr wohl erlaubt ist demnach aber, worauf die Enzyklika auch eigens hinweist, eine Geburtenregelung, bei der man die unfruchtbaren Perioden der Frau beachtet.

          Dass Sexualität und Zeugung nicht grundsätzlich entkoppelt werden dürfen, stand in der Debatte, die durch die Enzyklika „Humanae vitae“ entfacht wurde, nicht in Frage. Ob sich aus dem Naturrecht allerdings auch Aussagen über die Wahl der Verhütungsmittel ableiten lassen, ist von namhaften katholischen Theologen immer wieder bestritten worden. Auch die Bischöfe waren in dieser Frage uneins. Eine von Papst Paul VI. vor der Veröffentlichung der Enzyklika einberufene Bischofskommission hatte sich dafür ausgesprochen, den Eheleuten die Entscheidung darüber zu überlassen, welche Methode der Empfängnisverhütung sie verwenden wollen.

          Auch die deutschen Bischöfe wiesen, wie zahlreiche andere nationale Bischofskonferenzen, in ihrer als Verstehenshilfe für die päpstliche Enzyklika gedachten „Königsteiner Erklärung“ 1968 darauf hin, dass Eheleute in einer verantwortungsvollen Gewissensentscheidung im Einzelfall in der Frage, welche Verhütungsmethoden erlaubt sind, durchaus zu einer anderen Entscheidung gelangen können, als sie das kirchliche Lehramt vorschreibt. (siehe: Kommentar: Kondome für Afrika und Kritik an Benedikt XVI.: „Papst lebt in totalem Autismus“)

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